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Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 03.03.2018

Tummelplatz für Theater-Nachwuchs

Sindelfingen: Das neue Ensemble „Junge Bühne“ als Sammelbecken für Akteure des Biennale-Musicals

„Die Bühne der Träume hat Träume geweckt.“ Das sagt Biennale-Projektleiter Markus Nau in Anspielung auf das Biennale-Musical 2017. Die Träume mündeten gar in eine reale Geburt. Aus der Musical-Mannschaft heraus hat sich ein neues Ensemble formiert, die „Junge Bühne“. Die Truppe präsentiert sich am 29. Juni erstmals im Theaterkeller mit einer Musical-Produktion.

Als der Vorhang nach zehn Aufführungen das allerletzte Mal für das Jugend-Popmusical „Bühne der Träume“ Mitte Juli 2017 in der Klosterseehalle fiel, waren alle der rund 60 Beteiligten erst einmal platt. Aber nach kaum einer Woche bedrängten die Musical-Akteure Regisseur Siegfried Barth schon mit der Frage: Was nun? „Die Motivation war, das weiterzuführen“, sagt Barth zu den Begehrlichkeiten, die mit der aufwendigen Jugend-Musical-Produktion geweckt worden waren.

Für ihn, Ingo Sika und weitere Biennale-Strippenzieher sei klar gewesen: Der Nachwuchs, der durch das Musical für die hiesige Kulturszene gewonnen worden war, den wollte man beibehalten. „Ich halte es für extrem wichtig, Visionen zu entwickeln, wie es weitergehen soll. Man braucht irgendwann Leute, die nachziehen“, sagt Ingo Sika nicht nur im Hinblick auf künftige Biennalen, sondern die hiesige Kultur insgesamt.

Wer aber verhindern will, dass sich der Nachwuchs nach Schulabschluss in die ganze Welt verflüchtigt und Sindelfingen endgültig Lebewohl sagt, der muss der Jugend hier etwas bieten. Diese Bindungskraft soll nun die „Junge Bühne“ erzeugen, wobei die Bezeichnung „Ensemble“ eigentlich zu eng ist. Die „Junge Bühne“ soll auch Betätigungsfeld sein für den Nachwuchs, der sich in Regie versuchen will, für Bühnenbild, Musik, Video oder Technik interessiert, eigentlich alle Bereiche, die rund um das Genre Sprech- und Musiktheater abzudecken sind, erläutern Ingo Sika und Siegfried Barth.

Die „Junge Bühne“ wird dabei verankert in ganz jungen wie längst bestehenden Sindelfinger Kulturstrukturen. Offiziell firmiert sie als eine Abteilung des Vereins Biennale Co., erklärt der Vereinsvorsitzende Marc Hugger. Der Verein ist zuständig für Biennale-Kommunikation und Marketing des Kulturfestivals. Siegfried Barth wird einen Teil seiner Arbeitszeit als städtischer Medien- und Kulturbeauftragter für die „Junge Bühne“ verwenden, erklärt SMTT-Chef Markus Nau. Die SMTT wiederum kooperiert mit der „Jungen Bühne“, indem die neu zur SMTT stoßenden Theater-Lehrkräfte Anna-Lena Just und Michael Schneider die „Junge Bühne“ als Coaches unterstützen.

Nicht zuletzt hat das Kulturamt die „Junge Bühne“ kräftig angeschoben: Die jährliche städtische Theaterproduktion übernimmt 2018 die „Junge Bühne“ mit dem Musical „Next to Normal“ mit zwölf Aufführungen im Theaterkeller. Mit Katrin von Hochmeister, Christian Fenske, Nils Weber, Vivianne Küting, Florian Penkwitt und Stefan Sieber sind bis auf Janne Rochowicz alle Darsteller ehemalige Akteure von „Bühne der Träume“. Premiere ist am 29. Juni, die letzte von zwölf Aufführungen läuft am 21. Juli, Regie führt Ingo Sika. Die siebenköpfige Band wird angeführt von Jonas Stephan.

„Was uns ganz explizit von den bestehenden Theaterensembles unterscheidet: Wir sprechen nicht nur Schauspieler an“, sagt Ingo Sika zum Konzept der „Jungen Bühne“, die künftig sowohl im Bereich Sprech- wie Musiktheater aktiv sein will und über die reine Bühnenaktivität hinaus auch andere Interessierte ansprechen soll. So hat zum Jahresende Ingo Sika bereits die Aufführung der acht Rentier-Monologe von Jeff Goode im Blick. Bei denen soll sich Regie-Nachwuchs an je einem Monolog versuchen. Siegfried Barth wird für seinen Schüler-Theaterworkshop am Ende der großen Ferien in der SMTT die „Junge Bühne“ unterstützend einbinden.

Auch wenn die Biennale als Geburtsstätte der „Jungen Bühne“ gelten darf und Beteiligung an dem Kulturfestival angestrebt wird, Markus Nau stellt ganz klar: Die „Junge Bühne“ ist keine Festival-Formation, die gegründet wird, um alle künftigen Biennalen zu bespielen oder an sich zu reißen. „Wir bauen kein Biennale-Ensemble auf“, so Nau. Man werde dem Biennale-Kuratorium, das am 22. Februar seine erste nicht öffentliche Sitzung hatte, keine Vorgaben machen. Außerdem sei für künftige Biennalen kein Musical gesetzt, sondern Spartenwechsel vorgesehen. Mit der „Jungen Bühne“ werde kein Erbhof eingerichtet, ergänzt Ingo Sika, selbst Mitglied im Biennale-Kuratorium.

Info

Die „Junge Bühne Sindelfingen“ ist mit einer Seite auf Facebook zu finden.

Die Geburtshelfer und Initiatoren der „Jungen Bühne“ (von links: SMTT-Chef Markus Nau auch in Stellvertretung des kurzfristig erkrankten Kulturamtsleiters Horst Zecha, Siegfried Barth, Marc Hugger und Ingo Sika). Bild: Heiden