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Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 10.08.2016

Start für das Großprojekt Orgelsanierung

Sindelfingen: Orgelbauer zerlegen und sanieren die Weigle-Orgel in der Martinskirche / Einweihung des erneuerten Instruments ist für den ersten Advent geplant

Die Operation Orgelsanierung hat begonnen. In den nächsten Wochen werden Orgelbauer der Leonberger Orgelbauwerkstatt Mühleisen Großteile der Weigle-Orgel der Martinskirche zerlegen, ausbessern, erneuern und reinigen. Orgelbaumeister Tilman Trefz wird später die klangliche Abstimmung des Instruments vornehmen.

Bereits am Tag eins der Sanierung mutet die Empore der Martinskirche ein wenig an wie eine Orgelbauwerkstatt. Seitlich liegen Teile von Orgelpfeifen, die Orgelbauer Matthias Flaig bereits ausgebaut hat. Es sind Schallbecher des Trompetenregisters. Derweil sitzt Eva-Maria Fritz am aufgeschraubten Spieltisch mit seinen drei Manualen. Die Orgelbauerin baut in den kommenden zwei bis drei Tagen den Spieltisch aus. Dessen in den letzten Jahren immer wieder durch Aussetzer aufgefallene Elektrik wird erneuert und bekommt unter anderem eine neue Setzer-Anlage. Mit der lassen sich für ein Konzert vorab 10 000 Klangkombinationen speichern.

Heutzutage Standard, erklärt Karl-Martin Haap. „Das ist kein Luxus, das ist ganz normal“, so der Mühleisen-Geschäftsführer, der zum Start der Sanierungsarbeiten in die Martinskirche gekommen ist. Technisch gesehen bedeutet die neue Speichereinheit allerdings eine Art Sprung von der Jungsteinzeit ins Jetzt. Das 1961 in Dienst gestellte Instrument verfügte bislang nur über fünf freie Kombinationen, erläutert Karl-Martin Haap. Die Kombinationen seien zudem elektromechanisch betrieben worden mit störanfälligen Kontakten. Die neue Speichereinheit wird dagegen elektronisch gesteuert.

Im ersten Arbeitsgang wird an der Orgel alles – darunter der Spieltisch – ausgebaut, was in die Werkstatt kommt. Zum Ausbau der nahezu kompletten Orgelpfeifen, inklusive der meterlangen, von außen sichtbaren Prospektpfeifen, wird ein Gerüst an der Orgel aufgeschlagen. Die ausgebauten Pfeifen werden zum Zweck der Reinigung ausgeblasen. Das wird aber in der Martinskirche vonstattengehen.

Bislang hat die Orgel 39 verschiedene Register. Ein Register ist eine Pfeifenreihe gleicher Bauart. Dadurch haben die Pfeifen eines Registers, zum Beispiel das Krummhornregister, ihren jeweils charakteristischen Klang. Der Sanierungsplan sieht die Aufstockung um zwei zusätzliche auf dann 41 Register vor, wobei auch alte Register verändert oder ausgetauscht werden. Neu hinzu kommt etwa ein sogenanntes Gambenregister – Gamben sind alte Streichinstrumente –, dessen längste und tiefste Pfeife etwa 2,40 Meter misst, in der Orgelbauersprache ein 8-Fuß-Register. Zwei weitere 8-Fuß-Register, Schwebung und Salizional (Weidenpfeife) werden ebenfalls erneuert.

Dazu gibt es eine neue Zusammenschaltung bestehender Pfeifen, einen sogenannten Vorabzug. Die neuen Register dienten der Darstellung romantisch-sinfonischer Orgelmusik, erklärt Karl-Martin Haap. „Die Eingriffe halten sich in Grenzen“, betont er aber: „Der Grundcharakter wird nicht verändert.“ Als Extrabonbon gibt’s noch ein Röhrenglockenspiel. Wo das installiert werden kann – möglicherweise ganz entfernt von der Orgelempore – darüber entscheiden auch die Denkmalschützer mit.

Für die Klangabstimmung tritt später Orgelbaumeister Tilman Trefz auf den Plan, der bereits die 2008/09 in Dienst gestellte Chororgel der Martinskirche gebaut hat. Die Einweihung der sanierten und modifizierten Weigle-Orgel ist für den ersten Advent am 27. November geplant. Für den Ablauf der Gottesdienste und anderer Feierlichkeiten sieht Karl-Martin Haap keine Beeinträchtigungen auf die Kirchenbesucher zukommen, außer dass die große Orgel ausfällt. Auch die Orgelreihe läuft im gewohnten zweiwöchigen Rhythmus weiter.

Die Orgelbauer Eva-Maria Fritz und Matthias Flaig haben mit der Sanierung der Weigle-Orgel in der Martinskirche begonnen. Bilder: Heiden