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Von unserem Mitarbeiter Thomas Volkmann · 17.10.2015

Spannende Bass-Projekte am Start

Böblingen: Fools Garden-Bassist Dirk Blümlein hat derzeit gleich mehrere Eisen im Feuer / Ab November beim Musical „Rocky“

Für Sportereignisse kann sich der in Böblingen lebende Bassist Dirk Blümlein durchaus begeistern. Sogar beim Üben. Manchmal entstehen dann auch neue Stücke wie etwa „Tour de France“, dem man förmlich anhört, wie sich die Pedalritter auf dem Weg zum Mont Ventoux die Seele aus dem Leib strampeln.

Nun mag man sich wundern, warum einer mit einem Faible für den Sport ausgerechnet bei einer auf den Namen „No Sports“ hörenden Band mitwirkte. Zehn Jahre lang, bis zur Auflösung der umtriebigen Stuttgarter Ska-Formation im Jahr 2002 zupfte Blümlein, bis 1999 noch Student an der Stuttgarter Musikhochschule, hier den E-Bass. „Für mich war das eine tolle Möglichkeit bei vielen Auftritten Konzerterfahrung zu sammeln und ab und an auch auf großen Bühnen zu spielen“, erzählt der aus familiären Gründen mittlerweile von Stuttgart nach Böblingen gezogene Vater eines Sohnes. 300 bis 400 Zuhörer bei Clubkonzerten waren für „No Sports“ der Normalfall, auf Festivals fasste das Publikum mitunter gar bis zu 15 000 Menschen.

Auch heute ist Blümlein an Bord einer Formation, die durchaus noch in der Lage ist, eine ansehnliche Zahl von Fans zu mobilisieren. Die Rede ist von „Fools Garden“, die 1995 mit „Lemon Tree“ die Spitze der Popcharts eroberten. Blümlein stieg 2003 bei der Pforzheimer Popband ein, mit nicht mehr und nicht weniger als dem Auftrag, die Rolle des Bassisten auszufüllen. Was ihm außerdem gefällt an diesem Projekt: „Ich singe wahnsinnig gern Backing Vocals – und das darf ich hier.“

Vor Kurzem erst hat er mit „Fools Garden“ im Fernsehstudio für die neue, seit dem 15. Oktober jeweils donnerstags um 20.15 Uhr auf RTL Nitro ausgestrahlte und von Peter Illmann moderierte Staffel von „Formel Eins“ eine Reihe von Hits aus den 1990er Jahren aufgezeichnet, die seinerzeit in den Top 100 der Charts rotierten.

Während „Fools Garden“ heute Abend beim Biennale-Ball in Sindelfingen in einer kleinen Akustikbesetzung auf der Bühne stehen, stellt Blümlein beim Eröffnungskonzert der Jazz- und Klassiktage Tübingen mit dem Jazz Ensemble Baden-Württemberg die neue CD „The Doors without words“ vor.

Einen ersten Eindruck gabs kürzlich ja schon beim Böblinger Big Sounds-Festival im Vorprogramm von Till Brönner. Kurios derweil, als sich im Gespräch mit Dirk Blümlein herausstellt, dass ihn die Musik der Doors damals nicht bewusst interessiert hat: „Die hatten ja auch keinen Bassisten.“ Als Teil der Rhythmusgruppe des für vier Bläser arrangierten Tribute-Projektes empfindet er für sein Spiel viel Freiraum – ein Aspekt, der ihm sehr entgegen kommt.

Wiederbelebt wird demnächst auch ein anderes Projekt, bei dem Blümlein in vergangene Zeiten eintaucht. Im Rahmen der Stuttgarter Jazztage widmet er sich am 5. November mit Schlagzeuger Michael Kersting und Keyboarder Ull Möck wie schon vor 14 Jahren dem Repertoire von Weather Report. „Das ist übrigens auch eine der Bands, die mich in meinen frühen Jahren als Musiker gar nicht so sehr interessierten“, gesteht Dirk Blümlein.

Dass Jaco Pastorius alle möglichen Stile spielen konnte und auch Rockstücke zitierte, hat Blümlein beeindruckt. Seinen Part als Pastorius hat er sich durch immerwährendes Hören der Originalaufnahmen und Auswendiglernen erarbeitet. „Ich habe immer viel über das Ohr gelernt“, sagt der 47-Jährige. Sind ihm die Strukturen dann bekannt, kann er sie beliebig verändern.

Richtig Laune macht Dirk Blümlein die Arbeit im Trio M.A.D. mit Hammond-Orgler Martin Meixner und Schlagzeuger Antoine Fillon. Funk und Soul von loungy bis groovy stehen dort hoch im Kurs. Dabei werden als Besonderheit des Jammens Ohrwürmer der Rockgeschichte von Bob Marley über Stevie Wonder bis Michael Jackson zitiert. Auch als Studiomusiker und bei Musicalproduktionen wie „Mamma Mia“, „We will rock you“, „Tarzan“ und ab November auch bei „Rocky“ in Stuttgart ist Blümlein immer wieder gefragt.

Mit seiner eigenen Band, dem Dirk Blümlein Terzett mit Andreas Francke am Saxofon und Eckhard Stromer am Schlagzeug, mit denen er bereits seit 1996 zusammenspielt, trat der Böblinger im Anschluss an die „Fette Beute“-Tour 2012 etwas kürzer. „Das Trio ist für mich Hobby, hier finde ich meine künstlerische Inspiration“, sagt Blümlein über sein Freizeitvergnügen (so lautet auch der Titel der zweiten von bisher drei Platten des Trios).

Immer wieder macht er sich Gedanken, wohin sich die populäre Musik wohl entwickeln wird – und greift, was das private Hören betrifft, bevorzugt zu alten Scheiben aus den späten 1960ern und frühen 1970ern, als Rock, Jazz und auch Soul spannende Zeiten erlebten und Musik anders als heute noch handgemacht klang.

„In der heutigen Musik entdecke ich nichts Neues, und ich habe das Gefühl, dass es immer schwieriger wird, das Publikum zu erreichen. Die Leute haben verlernt, neue Musik zu entdecken, vielleicht erklärt das auch, warum Sendungen wie ‚Formel Eins’ gemacht werden und ein Jazzensemble sich der Musik der Doors widmet. Mit meinem Trio haben wir mit unseren drei Instrumenten schon so viel gemacht, ein neuer Aufguss macht da für mich aus künstlerischer Sicht keinen Sinn.“ Dass Blümlein seit etwa einem halben Jahr wieder dabei ist neue Stücke zu schreiben, macht neugierig.

Info

Weitere Infos unter www.dirkie.de und www.myspace.com/dirkbluemlein im Netz. Dirk Blümlein auf Tour: 17. 10. „The Doors without Words“ mit dem Jazz Ensemble Baden-Württemberg, LTT Tübingen. 5. 11. „Mr. Gone”, Weather Report-Tribute-Band, Laboratorium Stuttgart. 7. 11. „Missa in Jazz“, Markuskirche Stuttgart. 25.11. Ralf Groher Quartett, Bix Stuttgart.