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Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 29.07.2018

"So tötet Europa Menschen"

Sindelfingen: Mehrere hundert Menschen bei der Demonstration "Seebrücke schafft sichere Häfen"

Der Demonstrationszug lief vom Sindelfinger Markplatz über die Ziegelstraße durch die Altstadt bis zum Wettbachplatz. Bild: Staber

Mehrere hundert Menschen haben unter dem Motto "Seebrücke schafft sichere Häfen" für Solidarität mit den Nichtregierungsorganisationen demonstriert, die im Mittelmeer Geflüchtete vor dem Ertrinken retten.

Unter anderem der Landes- und Kreisverband der Grünen Jugend, der Juso-Kreisverband, der Verdi-Ortsverband, die Katholische Junge Gemeinde sowie der AK Asyl Sindelfingen hatten zu der Kundgebung aufgerufen.

Als Kapitän des Schiffes "Lifeline" war der Rottenburger Friedhold Ulonska von 2016 bis 2018 bei insgesamt sechs Einsätzen im Mittelmeer unterwegs. "Ich war an der Rettung von rund 3000 Menschen beteiligt", erzählt Ulonska, "ich habe aber auch zahlreiche Tote geborgen."

17 000 Menschen ertrunken

Aus dem Plan der Nichtregierungsorganisation, Anfang Juli zu einer siebten Rettungsmission aufzubrechen, wurde nichts: Die "Lifeline" wurde in Malta festgesetzt. "Seither sind 629 weitere Menschen im Mittelmeer ertrunken", sagt Friedhold Ulonska, dem bei der Kundgebung auf dem Sindelfinger Marktplatz sein Frust über die derzeitige politische Lage deutlich anzumerken ist: "Es ist eine Schande, wie Europa seine Helfer an die Kette legt. So tötet Europa Menschen." Seit 2014 seien mindestens 17000 Menschen im Mittelmeer ertrunken, so Ulonska: "Die Dunkelziffer dürfte weit darüber liegen."

Mit der Aktion "Seebrücke schafft sichere Häfen", die federführend von Sanja Jäger, Kreisvorsitzende der Grünen Jugend, und dem Sindelfinger Grünen-Stadtrat Tobias Bacherle organisiert wird, schließt sich Sindelfingen zahlreichen Kommunen an, in denen derzeit bundesweit für die private Seenotrettung demonstriert wird.