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Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 24.03.2018

Schwäbische Späße mal ganz anders

Maichingen: Rund 300 Zuschauer haben bei der vierten Auflage des „Schwäbischen Abends“ der SZ/BZ im Bürgerhaus jede Menge Spaß

  • Jede Menge Spaß mit Hanno Kluge und dem Melchinger Theater Lindenhof hatten die Zuschauer beim „Schwäbischen Abend“ der SZ/BZ im Maichinger Bürgerhaus. Bilder: Stampe

Zum letzten Mal ist Hanno Kluge beim „Schwäbischen Abend“ der SZ/BZ im Maichinger Bürgerhaus selbst aufgetreten. „Ich bin hier lange genug auf der Bühne gestanden“, erklärte der Dagersheimer Mundartautor vor 300 Zuschauern bei der vierten Auflage der Veranstaltung. Als Hauptprogrammpunkt begeisterte das Theater Lindenhof Melchingen mit der Show „Poliakoffs Eventkapelle – wieder dahoim“ das Publikum.

„Wir haben das Kind zum Laufen gebracht“, sagt Hanno Kluge über den „Schwäbischen Abend“. Als Partner der SZ/BZ bleibt der Dagersheimer jedoch dem Veranstaltungsformat erhalten. „Und solange ich im Hintergrund mitwirke, bekommt das Publikum in Maichingen die Besten der Besten der schwäbischen Mundart zu sehen, geprüfte Käsreiter-Qualität.“ Hintergrund: Als „Dr Käsreiter“ zeichnete Hanno Kluge in der SZ/BZ bis zum Jahr 2015 zehn Jahre lang für die Mundart-Kolumne „Auf gut Schwäbisch“ verantwortlich und begeisterte die Leser mit knitzem Humor.

Noch einmal trägt Hanno Kluge sein schwäbisch-poetisches Manifest vor. „Meine Sprache soll nach Wurzeln graben“, beschreibt er den Kern seiner Mundart-Poesie: „Meine Sprache soll Bilder malen, sie soll riechen wie der Rauch von Kartoffelfeuern.“

Um Heimat geht es also, jedoch nicht als abstraktes Konzept, das in irgendeinem Ministerium verhandelt wird, sondern als poetologische Strategie, die sinnlich und emotional über einen kreativen Umgang mit der schwäbischen Sprache erfahrbar wird. Oder, vollmundig ausgedrückt: „Deutsch ist eine Sprache. Schwäbisch die Vollendung.“

Damit steht hinter Hanno Kluges Schaffen als Mundartautor die gleiche Grundidee wie hinter dem „Schwäbischen Abend“ der SZ/BZ. „Mundart ist Heimat“, sagt SZ/BZ-Chefredakteur und Verlagsleiter Hans-Jörg Zürn bei seiner Begrüßung: „Und Mundart ist Heimkommen.“ Diese Konzepte spielten gerade bei einer Lokalzeitung eine wichtige Rolle, so Zürn.

Von Schlager bis Hardrock

„Poliakoffs Eventkapelle“ heißt eine fiktive Musikband, bei der die Schauspieler Berthold Biesinger, Stefan Hallmayer, Peter Höfermayer und Gerd Plankenhorn in die Rollen der Musiker Ben E. Fizz, Werni Saasch, Silvester Gala und Tom Bola schlüpfen. Mit „wieder dahoim“ hat sich Susanne Hinkelbein vom Theater Lindenhof Melchingen das zweite Abenteuer für die schwäbischen Figuren ausgedacht, bei dem sich Musik von Schlager bis Hardrock mit absurdem Humor zu einer abgefahrenen Mischung verbindet, die mit traditionellem Mundart-Humor nur wenig zu tun hat.

Statt zur Eröffnung des neuen Stuttgarter Tiefbahnhofs fährt die Eventkapelle einmal um die ganze Welt – dafür sorgen Verständigungsprobleme mit dem Bandmanager Poliakoff. Statt zum Treffpunkt in Bad Cannstatt geht es nach Baikonur in Kasachstan, wo die Eventkapelle zu den Klängen von „Major Tom“ vom Kosmodrom in den Weltraum geschossen wird. Statt zurück nach Berlin geht es nach Beijing, von dort per Kreuzfahrtschiff nach San Diego, bevor es irgendwann heißen kann: „wieder dahoim“.

Ihre fiktive Weltreise zeichnen die Darsteller vom Ensemble Theater Lindenhof mit einer Mischung aus gespielten Sketchen und Musikperformance nach, wobei vom Horn über Saxofon und Klarinette bis hin zu Pauke, elektronisch verzerrter Ukulele oder Akkordeon allerhand Instrumente zum Einsatz kommen.

Auch das Fahren mit dem Zug kommt per rhythmischem Sprechen auf die Bühne. Musikalisch gibt es die Bandbreite von „Ich bin ein Dorfkind, und darauf bin ich stolz, denn Dorfkinder sind aus gutem Holz“ über „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ bis hin zu AC/DC auf die Ohren.

Zum Schluss hat der Zuschauer erfahren, warum sich der Bau von Stuttgart 21, des Berliner Flughafens und der Hamburger Elbphilharmonie verzögert und unglaubliche Mehrkosten verursacht: Poliakoffs Eventkapelle ist schuld.

Das alles ergibt selbstverständlich keinerlei Sinn, sprengt alle Genregrenzen zwischen Kleinkunst, Schauspiel und Konzert, und wird mit so trockenem Charme vorgetragen, dass der vergnügte Zuschauer nach rund zwei Stunden völlig geplättet zurückbleibt: schwäbische Mundart in der durchgedrehten Variante.

SZ/BZ-Mitarbeiter Matthias Staber hat Spaß an der schwäbischen Mundart-Comedy – wenn sie wie hier mehr zu bieten hat als dumpfe Pseudospäße.