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Von unserer Mitarbeiterin Sybille Schurr · 29.07.2009

Schönbuchbahn soll schneller werden

Kreis Böblingen: Fahrzeit kann um eine Minute reduziert werden / Zur S-Bahn bleiben dann fünf Minuten Umsteigezeit

Das wichtigste Ziel ist jedoch, so schnell wie möglich eine Elektrifizierung der Strecke zu erreichen. Die Gutachten dafür sollen im Herbst vorgelegt werden. Noch wollen sich die Verantwortlichen nicht auf einen Kostenrahmen festlegen lassen, zu unterschiedlich seien die örtlichen Voraussetzungen, um Berechnungen an vorliegenden Beispielen zu orientieren.

 

Doch der CDU-Kreisrat Walter Holzapfel (Schönaich) sprach vielen aus dem Herzen: "Gegen eine Elektrifizierung spricht nichts außer den Kosten". Landrat Roland Bernhard lässt sich davon nicht schrecken: "Wir brauchen für die Zukunft der Schönbuchbahn mehr als kurzfristige Optimierungsmöglichkeiten".

 

Das über kurzfristige mögliche Maßnahmen erreichbare Optimum ist eine Fahrzeitreduzierung von einer Minute. Die Investition von 160 000 Euro ist eine für den Zweckverband überschaubare Summe. Die Württembergische Eisenbahngesellschaft (WEG) als Betreiber der Schönbuchbahn ist mit dem Ergebnis rundherum zufrieden. "Wir sind auf dieser Strecke schon sehr sportlich unterwegs", so WEG-Sprecher Horst Windeisen.

 

Derzeit könne mehr als eine Minute Fahrtzeitverbesserung gar nicht erreicht werden. Dies soll jedoch bereits mit dem Fahrplanwechsel 2009/10 realisiert werden. Die Geschwindigkeitsoptimierung, die den Zeitgewinn von einer Minute bringen soll, ist zu erreichen durch den Umbau der Bahnübergänge. Damit wird bereits während der Sommerpause begonnen. Aber auch Oberbau und Signalanlagen sind in die Maßnahme eingeschlossen.

 

Haltestelle Heusteigstraße bleibt

 

Von mehr Triebwagen in der Hauptverkehrszeit raten die Gutachter eher ab. Der Kosten-Nutzen-Faktor sei zu gering. Größter Nachteil jedoch wäre der Wegfall der Böblinger Haltestelle Heusteigstraße. Oberbürgermeister Vogelgsang kündigte für diesen Fall an: "Das gibt Krieg". Doch er kann die scharfen Waffen stecken lassen, denn den Gutachtern ist auch klar, dass diese Haltestelle, von der drei Böblinger Schulen profitieren, nicht als Ausweichpuffer genutzt werden kann. Die Fahrzeitoptimierung hat für die Fahrgäste vor allem den Vorteil, dass am Bahnhof Böblingen wieder fünf Minuten Umsteigezeit zur S-Bahn bleiben.

 

Weiteres Ziel: 15-Minuten-Takt

 

Ein weiteres Ziel ist der 15-Minuten-Takt auf der Schönbuchbahn. Dies komme einem wirklichen Quantensprung gleich, bestätigte WEG-Vertreter Windeisen. Daran glaubt auch der Holzgerlinger Bürgermeister Wilfried Dölker. Eine Steigerung der Fahrgastzahlen werde in erster Linie dadurch gebremst, dass die Züge in den Hauptverkehrszeiten zu voll seien und damit auch abschreckende Wirkung für potenzielle Umsteiger vom Auto auf den ÖPNV hätten.

 

Nach der letzten Zählung im April 2008 benutzen täglich über 7400 Fahrgäste die Schönbuchbahn. Fahrgastzahlen, die längst überholt seien, vermutet der Landrat. Er geht von mittlerweile über 8000 Fahrgästen aus. Die Gutachter prognostizieren eine weitere Zunahme von rund neun Prozent bis 2025. Während die Einwohnerzahlen im Landkreis eher leicht rückläufig seien, sei eine deutliche Zunahme in mehreren Entwicklungsgebieten entlang der Schönbuchbahn zu erwarten. An erster Stelle in Holzgerlingen und am Flugfeld.

 

Zu einer Drehscheibe des schienengebundenen Nahverkehrs werde Böblingen, wenn erst die S 60 fahre, sagte Landrat Roland Bernhard. Darauf müsse auch die Entwicklung der Schönbuchbahn ausgerichtet sein. Darauf setzt auch der Holzgerlinger Bürgermeister. Derzeit sei es nicht möglich mit der Schönbuchbahn einen Anschluss an die frühe S-Bahn zu erreichen. "Mit einer elektrifizierten Strecke wären wir wesentlich flexibler", so Dölker.

 

2015 im Visier

 

Möglichst schnell soll dieses Ziel in Angriff genommen werden. Darüber ist man sich im Zweckverband einig. "Können wir 2015 als Ziel ins Visier nehmen?" wollte der Böblinger Oberbürgermeister wissen. Eine Zielvorstellung, die der Landrat sofort aufnahm: Druck machen ist seine Devise, ein straffes und verbindliches Projektmanagement auf die Beine stellen, ist sein Ziel. Dies sei wirkungsvoller als in Zehn-Jahres-Zeiträumen zu denken. Und so wurde auch das eher zufällig in die Diskussion gebrachte Zeitfenster - Elektrifizierung der Schönbuchbahn bis 2015 - mit beschlossen.

 

Ab Herbst soll sich die Fahrzeit der Schönbuchbahn zwischen Dettenhausen und Böblingen reduzieren. Bild: Müller