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Von unserer Redakteurin Fariba Sattler · 17.12.2014

Satellit misst die Erdhebung: 40 Millimeter in acht Monaten

Stuttgarter Straße/ Herdweg: Animation der Veränderung auf szbz.de

Ein halber Meter: So sehr hat sich die Erde im nördlichen Hebungsgebiet in Böblingen seit 2002 nach oben bewegt. Die neuesten Daten der Satelliten-Messung von Februar bis September liegen vor. Wie und wo sich die Erde in dieser Zeit nach oben bewegt hat, zeigt die Animation der SZ/BZ auf www.szbz.de im Internet.

Insgesamt haben sich 218 Böblinger Häuser in den letzten Jahren um mindestens zehn Zentimeter nach oben bewegt. Dass fehlerhafte Geothermie-Bohrungen schuld sind, ist so gut wie sicher. Unter der Stadt ist der Gipskeuper die dominierende Gesteinsschicht. Er beginnt nach etwa 15 Metern Tiefe und umfasst gut 100 Meter. Um Erdwärme zu nutzen, wird meist bis zu 100 Meter tief gebohrt, Schläuche in das Loch eingeführt und dann der Platz zwischen Schlauch und Loch mit Füllmasse verdichtet. Wenn Hohlstellen entstehen, gerät Grundwasser in das Gestein. Im Gipskeuper gibt es Anhydrit-Schichten. Kommt das Mineral mit Wasser in Kontakt, wird es zu Gips und quillt auf. Die Erde hebt sich und Häuserwände reißen.

Inzwischen sind an rund 190 Häusern in Böblingen Schäden bekannt. Derzeit läuft die Sanierung der Geothermie-Bohrungen. Parallel beobachtet das Landratsamt, wie und wo sich die Erde bewegt. Zum einen am Boden, zum anderen aus dem All.

Die neuesten Ergebnisse der Satelliten-Messung zeigen: Im Norden hat sich die Erde von Februar bis September um 40 Millimeter angehoben. Im Süden sind es 20 Millimeter. Insgesamt bedeutet das für das nördliche Hebungsgebiet, dass der Boden seit 2002 rund einen halben Meter nach oben gewandert ist. Im Süden liegt die Veränderung bei insgesamt etwas mehr als 30 Zentimetern.

Die Satelliten-Messung wurde mit den Untersuchungen am Boden verglichen. Die Übereinstimmung der Werte ist sehr hoch. Die Messungen sowohl aus dem All als auch am Boden werden fortgesetzt.

Infopaket auf szbz.de

Karten, Schaubilder, Animationen, Videos und Interviews: Auf www.szbz.de schnürt die Sindelfinger Zeitung ein Infopaket rund um die Geothermie-Schäden in Böblingen. Betroffene zeigen die Schäden an ihrem Haus. Experten erklären, wie die Bohrlöcher saniert werden. Grafiken ermöglichen den Blick in die Erde. Die neue Animation finden Sie unter diesem Link tinyurl.com/m5jdh5l im Netz.

Zu sehen sind die beiden Hebungsgebiete. Der Farbverlauf zeigt, wie sich das Boden-Niveau an der Altinger Straße im Norden und dem Hans-Thoma-Weg im Süden verändert hat. Schaubild: DLR e.V. 2014, Airbus DS Infoterra GmbH, Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung