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Von unserem Redaktionsmitglied Pia Rothacker · 17.09.2014

Privatschulen im Überblick

Sindelfingen/Böblingen: Die SZ/BZ stellt die Privatschulen in beiden Städten vor

Die Ferien sind Geschichte – jetzt ist wieder pauken und büffeln angesagt. Nicht nur in den öffentlichen Schulen. Auch in den sieben Privatschulen in Böblingen und Sindelfingen geht der Schulalltag in die nächste Runde. Die SZ/BZ stellt die Privatschulen beider Städte vor und erklärt, wie eine Schule zur Privatschule wird.

„Im Kreis Böblingen gibt es ein breites Spektrum an schulischen Möglichkeiten“, sagt Angela Huber, Leiterin des Staatlichen Schulamts Böblingen. Zu den Privatschulen in Böblingen zählen die Freie Waldorfschule, das IB-Bildungszentrum, die Prisma-Schule, die Freie Evangelische Schule und die „ProGenius“ Berufliche Privatschule. In Sindelfingen gibt es zwei Privatschulen: die Internationale Schule und die Abendrealschule.

Die Zahlen der Privatschüler im Kreis nehmen von Jahr zu Jahr zu. Der Aufwärtstrend zeigt sich in den Zahlen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg: Im Schuljahr 2012/13 besuchten insgesamt 6834 Schüler eine Schule in Böblingen, 968 davon eine Privatschule. Drei Jahre davor waren es noch 725. Die Zahl der Schüler steigt und auch die der Schulen. So gibt es das IB-Bildungszentrum auf dem Flugfeld seit 2011.

Wie ist geregelt ab wann eine Schule eine Privatschule ist? Welche Voraussetzungen gibt es? Laut dem Regierungspräsidium Stuttgart unterscheidet sich eine Privatschule von einer öffentlichen Schule prinzipiell durch den Träger der Schule. Das heißt: Im Gegensatz zu öffentlichen Schulen wird die Privatschule weder vom Land, dem Landkreis oder einem Schulverband getragen. Träger sind oftmals Vereine oder eine GmbH. Sie übernehmen großteils die Kosten der Schule. Im Kreis Böblingen werden alle Privatschulen von Vereinen getragen – mit Ausnahme der „ProGenius“ Beruflichen Privatschule, die vom Gemeinnützigen Institut für Berufsbildung Dr. Engel GmbH in Ulm unterstützt wird.

Privatschulen sind ein Ersatz für öffentliche Schulen. Damit sie Schüler unterrichten dürfen, muss eine Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde her. Das Siegel „genehmigt“ bekommen sie, wenn sie unter anderem in ihren Lernzielen und der Ausbildung der Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen. Mit einer staatlichen Anerkennung darf die Schule Prüfungen abnehmen und für die öffentlichen Schulen Zeugnisse ausstellen. Wenn die genehmigte Privatschule über mindestens drei Jahre hinweg unter anderem das Lehrziel einer öffentlichen Schule erreicht, gilt sie als „staatlich anerkannt“. Auch ein Wechsel von oder an eine öffentliche Schule darf kein Problem sein.

Wenn Schüler eine genehmigte und erst recht eine staatlich anerkannte Privatschule besuchen, erfüllen sie ihre Schulpflicht. Die staatlich anerkannten Privatschulen in Böblingen und Sindelfingen führen, je nachdem, welche Schule besucht wird, zum Abitur, zum Real- und Werkrealschulabschluss oder zu einem Hauptschulabschluss. Wer ein Berufskolleg der „ProGenius“ Berufliche Privatschule oder des IB-Bildungszentrums besucht, kann seine Fachhochschulreife erreichen. Die Freie Evangelische Schule unterrichtet außerdem Grundschüler ab Klasse 1.

In vielen Fällen würde die finanzielle Unterstützung allein durch den Trägerverein, Spender und das Schulgeld nicht ausreichen. Deshalb erhält eine Privatschule staatliche Zuschüsse. Der Staat ist verpflichtet, die Schule insofern zu unterstützen, dass der Schulbetrieb stattfinden kann und die Schule nicht von heute auf morgen zumachen muss. In der Regel erhalten Privatschulen drei Jahre nach Aufnahme des Schulbetriebs staatliche Zuschüsse – wie hoch, richtet sich nach der Schulart, der Schülerzahl und den Personalkosten.

Trotzdem sieht Christina Metke, Geschäftsführerin vom Verband Deutscher Privatschulen Baden-Württemberg, noch Nachholbedarf: Will man die Vielfalt und Qualität der Privatschulen erhalten, sei es nicht zeitgemäß, dass der Staat die Privatschulen weniger fördere als öffentliche Schulen. Mehr zahlen müssten dafür letztlich die Eltern mit dem Schulgeld. Eine Maßnahme, die sich nicht vermeiden lässt: „Keine Privatschule erhebt schließlich gerne Schulgeld“, sagt Christina Metke.

Vor allem was die Erziehungsziele, die Weltanschauung und die Lehrmethoden betrifft, gibt es Unterschiede zu öffentlichen Schulen. Das kann für die Privatschüler laut Christina Metke im späteren Berufsleben durchaus von Vorteil sein: „Freie Schulen mit einem religiösen Profil wie zum Beispiel die Freie Evangelische Schule bringen Absolventen mit besonderen sozialen und wertgebundenen Prägungen hervor, die vielen Arbeitgebern wichtig sind.“ Auch die Sprache kann ein Entscheidungsfaktor für eine Privatschule sein: Der Unterricht der Internationale Schule in Sindelfingen findet zum Beispiel gleichermaßen auf Deutsch und Englisch statt. Das Angebot ist breit gefächert. „Generell haben wir im Kreis viele Schulen, die eigene Profile haben und so unterschiedliche Schwerpunkte setzen“, sagt Angela Huber vom Staatlichen Schulamt Böblingen.

In Böblingen und Sindelfingen gibt es sieben Schulen in freier Trägerschaft. Welche das sind und wie das Schulsystem der Privatschule funktioniert, stellt die SZ/BZ vor. Bild: Picture-Factory/Fotolia