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Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 14.05.2010

Positive Prognosen für Autoindustrie

Ehningen: Wirtschaftsberatungsgesellschaft glaubt, dass die weltweite Auslastung vom Jahr 2013 an besser wird

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ong>Nach einer Aufstellung der Wirtschaftsprüfungs- und -beratungsgesellschaft Pricewaterhousecoopers AG, war die Automobilindustrie weltweit in den letzten zehn Jahren nur dreimal (2005 bis 2007) rentabel ausgelastet. Diese Zahlen präsentierte Martin Schwarzer vor Vertretern der Finanzbrache bei der Ehninger Bertrandt AG.

 

Für die Zukunft, so der Partner der Wirtschaftsberatungsgesellschaft, seien die Aussichten besser. Von 2013 bis 2016, dem Ende des Prognosezeitraums, sollen sich die Geschäfte besser lohnen. Nach der Einschätzung der Pricewaterhousecoopers AG ist in der Automobilindustrie eine 80-prozentige Kapazitätsauslastung für eine rentable Produktion notwendig. Die Industrie, so Schwarzer, könne auch mit einer geringeren Auslastung rentabel arbeiten, doch gehe dies dann eindeutig zulasten der Zulieferer.

 

Im Jahr 2009 habe die Auslastung mit 55 Millionen Fahrzeugen nur 66 Prozent betragen, in 2010 sollen es 70 Prozent werden, in den beiden Folgejahren 75 und 79 Prozent. Trotz der erwarteten höheren Produktion würden die Überkapazitäten bleiben, da die Industrie ständig aufstocke, unrentable Werke aber wegen des Widerstands der Gewerkschaften und der Politik kaum einmal schließe.

 

Im Jahr 2016 sollen weltweit 85 Millionen Autos von den Bändern rollen, darunter 15 Millionen Dieselfahrzeuge. 65 Millionen Benziner sowie fünf Millionen Hybrid- oder Elektroautos. Letztere sind für Schwarzer Lifestyle- und Nischenprodukten, denen er für die nächsten zehn Jahre keine große Zukunft vorhersagt. Das Problem sei, dass die Automobilindustrie daran nicht mehr vorbeikomme, nachdem sie selbst wie auch die Politik diesen Fahrzeugen ein grünes Mäntelchen umgehängt habe. Obwohl sie gar nicht umweltschonender fahren würden als Autos mit Verbrennungsmotoren, wenn man die Stromherstellung - etwa in Kohlekraftwerken - mit einbeziehe.

 

Ein bisher ungelöstes Problem beim Elektroantrieb ist die Reichweite. Schwarzer: "Im Januar, wenn die Klimaanlage und die Heizung in Betrieb sind, sind es 50 Kilometer. Meine Frau wird nervös, wenn bei mir die Tankanzeige eine Restreichweite von 50 Kilometer anzeigt. Ich bin deshalb nicht sicher, ob sie je in ein Elektrofahrzeug einsteigen wird."

 

Fragezeichen hinter Karbon

 

Die Verbesserung der Reichweite könnte nicht allein über leistungsfähigere Batterien, sondern zusätzlich auch über leichtere Fahrzeuge erreicht werden. Letzteres ist ein Feld, auf dem sich die Bertrandt AG bewegt. Die Möglichkeiten, die Aluminium in der Leichtbauweise bietet, sieht Schwarzer als ausgereizt an. Stahl, teilweise auch Magnesium und vor allem Kunststoffe würden aber noch Chancen bieten.

 

Für Dietmar Bichler, den Vorstandsvorsitzende der Bertrandt AG, wird Karbon an Bedeutung gewinnen: "Der spannendste Punkt dabei ist: Kriegt man Großserienteile zu vernünftigen Kosten?" Dann könnten die Autohersteller nicht nur wie bisher handgefertigte Zierteile, sondern künftig auch Funktionsteile aus Karbon verarbeiten. Möglicherweise müsse man auch bei der Herstellung von Karbon neue Wege gehen.

 

Der Chef des Entwicklungsunternehmens würde es als ideal ansehen, wenn man Karbon gießen könnte, anstatt Matten zu verkleben. Versuche dazu gab es in Zusammenarbeit mit einem Automobilzulieferer vor Jahren einmal beim Magstadter Fahrradhersteller Centurion, doch wurden diese damals aus produktionstechnischen Gründen abgebrochen.

 

Das Mercedes-Forschungsfahrzeug F 800 Style. Den Antrieb gibt's mit Hybrid- wie mit Brennstoffzellentechnologie. Bild: z