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Von unserem Redakteur Jürgen Wegner · 11.08.2018

Nur leise Klänge im Konzert der Großen

Fußball, Frauen: Wenn die VfL Sindelfingen Ladies am Sonntag im DFB-Pokal spielen, schimmern die erfolgreichen Jahre des heutigen Regionalligisten noch einmal sanft durch

Auch das ist DFB-Pokal: 1200 Zuschauer im Floschenstadion und Topstars wie Kerstin Garefrekes schreiben Autogramme. Das Bild stammt vom 21. Oktober 2007, die VfL Sindelfingen Ladies träumen von diesen Zeiten. Bild: Photo 5/A

Da war es nur noch eine: Wenn die VfL Sindelfingen Ladies am Sonntag in die neue Saison starten, stellt sich eine ausgedünnte Fußball-Sparte dem Wettbewerb. Die Regionalliga-Mannschaft empfängt um 14 Uhr im DFB-Pokal die Klassenkameradin SV Alberweiler. Eine zweite Mannschaft gibt es nicht mehr.

Jahrzehntelang waren die Sindelfinger Fußballfrauen Fixpunkt auf der deutschen Fußball-Landkarte. Spielerinnen wie Silvia Neid, Doris Fitschen, Birgit Prinz, Kerstin Garefrekes oder Celia Sasic gaben sich im Floschenstadion die Klinke in die Hand. Der VfL pendelte zwischen erster und zweiter Liga, spielte zuletzt in der Saison 2013/2014 ganz oben und brachte selbst große Namen hervor. Zum Beispiel Nationaltorhüterin Elke Walther, die Dongus-Zwillinge, Olympiasiegerin Leonie Maier oder Anouschka Bernhard, die heute beim DFB die U17 betreut und zuletzt zur Vize-Europameisterschaft führte.

Dort spielten drei Spielerinnen mit reichlich Lokalkolorit mit: zum einen Madeleine Steck von den VfL Sindelfingen Ladies, dazu mit Ivana Fuso und Greta Stegemann zwei Böblingerinnen, die sogar ins Allstar-Team der Europameisterschaft gewählt wurden. Mit Sindelfingen haben alle drei nichts oder nichts mehr am Hut, es ist bezeichnend. Greta Stegemann und Ivana Fuso kicken längst in Freiburg, Madeleine Steck zog es jetzt zum 1. FFC Frankfurt.

Die Liste der Abgänge ist ellenlang in Sindelfingen und mit Selina Walter und Jana Scharly jetzt noch einmal angewachsen. Beide zieht es zum 1. FFC Frankfurt II. Weil Selina Walter auf einen Studienplatz in Stuttgart wartet und Jana Scharly noch ein Jahr in Stuttgart auf das Schickhardt Gymnasium geht, pendeln die beiden zu Training und Spiel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sindelfingen liegt vor der Haustür und ist doch so weit weg.

Der Plan war ein anderer

Fußball-Boss Josef Klaffschenkel hatte sich das alles ganz anders vorgestellt, als er vor knapp anderthalb Jahren in Sindelfingen anheuerte. Damals überholten sich die Sindelfingerinnen mit ihren guten Leistungen selbst, klopften sogar wieder sanft ans Tor zum Oberhaus an, suchten Sponsoren und streckten sich gewaltig.

Das Problem war, dass das Loch in der Kasse einen Sprung in die erste Bundesliga nicht zuließ – zumindest nicht als Abteilung des VfL Sindelfingen, der das finanzielle Risiko nicht mitgehen wollte. Hauptverein und Fußballerinnen arbeiteten gemeinsam an der Lösung – und diese war dann die Gründung des Vereins innerhalb des Vereins unter dem Namen VfL Sindelfingen Ladies (die SZ/BZ berichtete mehrfach).

Aderlass

Der große Traum platzte jedoch – und auch das Minimalziel wurde verfehlt: Nichts war es mit der Qualifikation für die eingleisige zweite Bundesliga. Josef Klaffschenkel nahm danach eine möglichst baldige Rückkehr ins Visier – und revidierte seine Aussage an einem für den Sindelfinger Fußball eigentlich sehr guten Tag: Oberbürgermeister Dr. Vöhringer weihte am 19. Juli den Kunstrasen am Floschenstadion ein. Josef Klaffschenkel sagte am Rande: „Wir müssen kleinere Brötchen backen.“

Denn da war schon klar, dass der Aderlass in beiden Frauenmannschaften gewaltig ist: Lena Tarmann nach Lustnau, Louisa Binley und Meryem Cennet Cal nach Hoffenheim, Anna-Sophie Fliege nach Weinberg, Celina Pfender zurück nach Tettnang, Lea Egner und Paula Ruess in die USA, Lara Maie Münsterberg nach Böblingen, Lisa-Marei Halm zurück nach Karlsruhe, Julia Amendt und Jasmin Ballach gehen vorübergehend ins Ausland, Gina Rilling nimmt sich eine Auszeit und konzentriert sich nach dem Abitur auf ihr freiwilliges soziales Jahr an der Uniklinik in Tübingen.

Dazu fällt Leslie-Ann Assfalg nach Kreuzbandriss aus, Jana Siegle hat verletzungsbedingt aufgehört – und nachdem sich Spielertrainerin Nadine Rolser in den Stab des FC Basel verabschiedet hat, sagte auch Eva-Marie Virsinger Servus und wird Auswahltrainerin des Württembergischen Fußballverbandes. „Beide haben in der Rückrunde aus den Mädels eine Mannschaft geformt“, sagt Ladies-Chef Josef Klaffschenkel.

Zum 13. Juni hatten die Ladies noch zwei Mannschaften gemeldet – und vor der Runde den Rückzieher gemacht. Das hatte sich bereits abgezeichnet: Thomas Beck, Trainer der zweiten Mannschaft, hatte im Juni aus persönlichen Gründen sein Amt zur Verfügung gestellt. Nach der Geburt seines ersten Kindes machte sich der 29-Jährige an den Hausbau und unterstützt in seinem neuen Heimatort bei der SG Weildorf/Bittelbrunn den dortigen Trainer der Kreisliga-A-Mannschaft als Co-Trainer.

Neue Namen

Für den neuen Cheftrainer Muhidin Avdusinovic gilt es jetzt erst einmal, die Lage zu stabilisieren, denn die Neuzugänge sind schnell aufgezählt. Teresa Fröschle kommt aus Ruit, Kim Müller und Ivana Perovic aus Stuttgart Ost. „Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen“, sagt Josef Klaffschenkel, der nichts davon hält, die Toptalente aus der U17 jetzt mit aller Macht nach oben zu ziehen: „Das bringt doch langfristig auch nichts. Wir müssen in der gesamten Struktur stabiler werden.“

Das wiederum gilt nicht für die DFB-Auswahlspielerinnen Blerta Smaili und Nina Schumacher, die verstärkt Regionalliga-Luft bei den Frauen schnuppern sollen. „Aber grundsätzlich ist eine Prämisse, mit unseren sehr starken B-Juniorinnen in der Bundesliga eine gute Rolle zu spielen“, sagt Josef Klaffschenkel. Hier hat Patrik Recknagel aus persönlichen Gründen den Trainerjob beim Bundesligisten abgeben. Co-Trainer Danny Wölfle rückt auf. Trainer der B-Juniorinnen II und C-Juniorinnen bleiben Siggi Lude und Roland Pflieger.

Die Ziele

Damit ist ein Kernziel für die neue Runde genannt. Die anderen beiden: Die erste Mannschaft soll zusammenwachsen, und nächstes Jahr soll es eine schlagkräftige Reserve in der Verbandsliga geben. Denn weil der VfL bereits für die Oberliga gemeldet hatte, muss Sindelfingen den Neuanfang nicht in der untersten Liga starten.

Muhidin Avdusinovic trainierte schon einmal kurzzeitig die B-Juniorinnen des Vereins in der Oberliga. Im Aktivenbereich betreute der 43-Jährige den PSV Stuttgart, FK Sarajevo Stuttgart, SG/TSV Heumaden/SV Sillenbuch und die Spvgg Stuttgart Ost (Verbandsliga-Frauen). Als Spieler war Avdusinovic für NK Celik Zenica, TSF Ditzingen und FV Zuffenhausen im Einsatz. Von den glorreichen Zeiten von einst kann er derzeit nur träumen. Aber vielleicht gelingt es ja über den DFB-Pokal wieder große Namen ins Floschenstadion zu locken.

Voraussetzung ist ein Sieg in der ersten Runde gegen den SV Alberweiler. 2500 Euro bekommen die Ladies vom DFB und müssen davon die Spesen des Gegners bezahlen. Da Alberweiler eine kurze Anreise hat und auch nicht in Sindelfingen übernachten muss, war das kein schlechtes Los. In den – vielleicht – nächsten Runden, darf es für Josef Klaffschenkel und den VfL Sindelfingen gerne ein bisschen mehr sein.

Info

Spielbeginn in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den SV Alberweiler ist am Sonntag um 14 Uhr. Die Punkterunde beginnt am 19. August mit dem Spiel gegen Wacker München.

Jürgen Wegner begleitet den Frauen-Fußball in Sindelfingen seit Jahren.