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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 30.11.2009

"Nur eine Drohung war dies sicher nicht"

Sindelfingen/Böblingen: 25-jährige Polin versuchte, einen Imbissstand anzuzünden

Wohl aus Wut hat eine 25 Jahre alte Polin in der Nacht zum 31. August in Sindelfingen eineinhalb Liter Benzin an der Hauswand eines Imbiss ausgeschüttet. Den Sprit hatte sie allerdings nicht entzündet. Wegen versuchter schwerer Brandstiftung wurde die 25-Jährige vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

 

Vor vier Monaten kam Ludmilla R. (Name geändert) nach eigenen Angaben nach Deutschland. "Ich wollte eine Freundin besuchen und habe versucht, hier auch Arbeit zu finden, irgendwelche Gelegenheitsjobs", sagte die 25-Jährige. Zuletzt arbeitete sie in einem Dönerstand in Sindelfingen, der von Kemal P. betrieben wird.

 

Ein Zeuge bestätigte auch, dass die 25-Jährige in der Nacht zum 31. August herumgebrüllt hatte, dass sie ihrem Chef "fertig machen" werde. Sie werde den Dönerstand anzünden. Zu diesem Zweck kaufte die Angeklagte bei einer Tankstelle einen Fünfliterkanister Benzin. Mit dem Kanister in der Hand lief Ludmilla R. über den Busbahnhof und schrie, dass sie "jetzt den Stand" abbrennen werde. Dies bestätigte eine 18-jährige Zeugin, die sich am Busbahnhof aufhielt.

 

"Ich habe geschrien"

 

Ludmilla R. lief daraufhin zum Haus, in dem sich der Imbiss befand, und schüttete etwa eineinhalb Liter Benzin an die Hauswand. Die 18-Jährige Zeugin und eine weitere Frau folgten ihr. "Ich habe gesehen, wie sie das Benzin ausgeschüttet hatte und habe geschrien. Wir haben einen Bewohner des Hauses angerufen", sagte die 18-Jährige. Der Hausbewohner sei gekommen und habe sofort die Polizei gerufen.

 

Die Angeklagte sei über den Busbahnhof geflohen. "Ich bin zu einem Freund gegangen. Am nächsten Tag habe ich mir gedacht, dass die Polizei nach mir suchen wird", sagte sie, die über ihren Verteidiger ein Geständnis ablegte.

 

Der Staatsanwalt forderte eine Haftstrafe von 18 Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Der Verteidiger beantragte einen Freispruch. "Die Angeklagte hatte gar kein Feuer dabei, konnte also das Benzin gar nicht anzünden. Das reicht nicht für eine versuchte schwere Brandstiftung aus." Genau wegen dieses Verbrechens aber verurteilte das Schöffengericht Ludmilla R. zu der Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, die Bewährung beträgt zwei Jahre. "Wir wissen nicht genau, warum die Angeklagte ihrem Chef eins auswischen wollte. Nur eine Drohung war dies sicher nicht. Wäre sie nicht ertappt worden, dann hätte sie wohl das Haus angezündet", sagte Richter Werner Kömpf.

 

Er hob den Haftbefehl auf. Ludmilla R. kam nach elf Wochen in Untersuchungshaft auf freien Fuß, sie will "so schnell wie möglich zurück nach Polen".