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Philipp Hamann · 21.09.2018

Münchner Biergeschichten

Für Freunde des Gerstensafts ist die bayerische Landeshauptstadt immer eine Reise wert – nicht nur zur Oktoberfestzeit

  • Florian Breimesser, Timo Thurner und Robert Graenitz (von links) machen Aqua Monaco. Bild: z

  • Abendlicher Blick auf den Rathausturm und die Frauenkirche.

  • Biergärten gehören zu München wie der Stachus und die Frauenkirche. Bild: Christian Kasper

  • Eine von vielen guten Bier-Adressen in München: Der Augustiner in der Neuhauser Straße. Bild: Hamann

  • Bier muss kein Massenprodukt sein findet Marta Girg vom Haderner Bräu. Bild: Hamann

  • Stadtführerin Claudia Neumeier weiß (fast) alles über Münchner Bier. Bild: Hamann

Wie viele Münchner Brauereien gibt es? Stadtführerin Claudia Neumaier (Bild: Hamann) schaut herausfordernd in die Runde. Mit vereinten Kräften wird die Antwort schließlich gemeinsam gefunden: Paulaner, Spaten, Hofbräu, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Augustiner. „Genau sechs sind es. Da lächelt ein Franke nur milde“, scherzt die 55-jährige Historikerin. Die Oberfranken mögen die höchste Dichte an Brauereien haben, dafür hat München das größte Bierfest der Welt. Doch auch außerhalb der Wiesn-Zeit lohnt sich für Freunde gehopfter Getränke ein Besuch in der bayerischen Landeshauptstadt.
Beim Rundgang durch die Innenstadt wird klar: auf Schritt und Tritt hat das Bier Spuren hinterlassen – und zwar nicht nur sehr offensichtlich in Form von Wirtshäusern. „Hier befand sich einst das Augustinerkloster und damit die älteste Brauerei in München “, erzählt Claudia Neumaier und deutet auf das heutige Polizeipräsidium in der Ettstraße 2 bis 4. Aus dem Fernsehen kennen viele das kurz vor dem Ersten Weltkrieg neu gebaute, grün gestrichene Jugendstilhaus. Der „Monaco Franze“ hatte hier sein Büro, bevor er privater Ermittler wurde. „Derrick“ fuhr mit Harry im Wagen vor, in Serien wie „München 7“, „Löwengrube“ und auch im „Tatort“ finden hier die Verhöre statt. Bereits 1328 wurde an dieser Stelle im Südkessel gerührt.

Die Augustiner-Brauerei hat somit die längste Tradition in München. Kaum vorstellbar, dass sich dieser Platz einst außerhalb der Stadtmauern befand – schließlich sind es nur wenige Schritte bis zur Frauenkirche, Münchens Wahrzeichen mit den Doppeltürmen. Man höre und staune: Das ursprüngliche München war kaum größer als der Marienplatz. Und heute hat die Stadt fast 1,5 Millionen Einwohner.

1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisierung geschlossen und zur Polizei umfunktioniert. „Eigentlich ganz praktisch: Aus den Zellen der Mönche wurden Verbrecherzellen“, sagt Claudia Neumaier. Die frühere Augustinerkirche wurde erst zu einer Mauthalle, heute befinden sich Läden darin. Die Brauerei verlegte man nach schräg gegenüber in die Neuhauser Straße. Seit 1829 gehörte sie der Familie Wagner. „Josef Wagner, der Sohn des ersten Besitzers, hat sich mit seinen Initialen im Augustiner-Logo verewigt“, sagt Claudia Neumaier.
Wer sich also schon immer über die Buchstaben J.W. auf den Augustiner-Bierdeckeln und Etiketten gewundert hat, weiß nun Bescheid. Inzwischen ist Augustiner im Besitz einer Stiftung. Mit dem Gewinn werden viele soziale und kulturelle Projekte unterstützt. „Daher sagt man in München auch scherzhaft: Der erste Schluck ist eine Wohltat, der zwei Schluck ist eine Wohltätigkeit“, sagt Claudia Neumaier.

Im Augustiner-Bierpalast mitten in der Fußgängerzone war früher auch das Sudhaus untergebracht, bis es 1883 in die Landsberger Straße umzog. Wenn man sich das Haus genau anschaut, erkennt man eine Zweiteilung der Fassade. „Der linke Teil war nur Ausschank, hier gab es das Helle für alle. Der rechte Teil war Restaurant. Hier gab es den Edelstoff für die bessere Gesellschaft“, erklärt die Stadtführerin und nennt dabei zwei Produkte der Augustiner-Brauerei, die man noch immer kaufen kann.

Heute isst und trinkt man nicht mehr in verschiedene Klassen getrennt, dennoch könnte man meinen, dass in dem Haus die Zeit stehen geblieben ist. Eher rustikal präsentiert sich der Schankraum mit dunklem Holz und unter weißem Gewölbe. Auf dem Weg zum lauschigen Innenhof, in dem man im Sommer erstaunlich ruhig sitzt, kommt man durch den eleganten Muschelsaal. Die Wände sind tatsächlich mit Muscheln und kleinen Kieselsteinen aus der Isar verkleidet, darüber spannt sich eine gläserne Jugendstil-Kuppel.

Natürlich muss bei einer Bierführung auch eine Kostprobe sein. Und so erklärt Claudia Neumaier bei einer Radler-Halben, warum München führend ist in der Bierproduktion: „Weil hier auch wichtige technische Erfindungen gemacht wurden.“ Im 19. Jahrhundert setzte Gabriel Sedlmayr in seiner Spatenbrauerei die erste Dampfmaschine zum Malzrösten ein – eine kleine Revolution. Der größte Fortschritt aber war die Erfindung einer Kältemaschine durch Carl von Linde im Jahr 1871. Bevor es Kühlschränke gab, konnte nur von Oktober bis März gebraut werden. Denn Bier ist ein sehr temperaturabhängiges Produkt.

Bei 15 bis 20 Grad Celsius stellt man obergäriges Bier her – also Weißbier. 4 bis 10 Grad Celsius braucht es für ein untergäriges Bier, auch Helles genannt. Solche Temperaturen gab es nur in tiefen Kellern oder Höhlen, in die Unmengen von Eis eingebracht werden musste. Und das ging nur im Winter. Das Eis schnitt man aus den zugefrorenen Gewässern. „Seit der Linde’schen Kältemaschine konnte ganzjährig gebraut werden, weil man das Bier ja auch im Sommer lagern konnte“, erzählt Claudia Neumaier.

Apropos Kälte: Wer hätte gedacht, dass Bayern vor vielen hundert Jahren für Wein statt für Bier bekannt war? „Kein Witz, hier gab es Reben“, sagt Claudia Neumaier und erzählt, dass eine längere Kälteperiode um 1600, die sogenannte kleine Eiszeit, den Traubenanbau fast zum Erliegen gebracht hat. Zuvor gab es so viel Wein, dass man ihn sogar beim Bau der Frauenkirche in den Mörtel gekippt hat. Vielleicht tat man das auch, weil er so sauer war? „Nein, wenn man Alkohol zugibt, lässt sich Mörtel länger verarbeiten und wird nicht so schnell fest“, sagt die Stadtführerin.
Ab 1600 entschied man sich, statt Weintrauben weniger Temperatur anfälligen Hopfen anzubauen. Das verschaffte dem Brauwesen in München einen tüchtigen Schub. Zu dieser Zeit gab es auch die meisten Brauereien in der Stadt: 74 bürgerlich Braustätten bei nur circa 20 000 Einwohner zählte das Biersudverzeichnis von München damals. Heute sind es wie viel noch mal? Ach ja, genau sechs.

 

München-Tipps:

Unterkunft:
Augenzwinkernd bayerisch eingerichtet ist das neue 25Hours The Royal Bavarian. Das Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs ist ein guter Ausgangspunkt, um die Münchner Innenstadt zu erkunden. Doppelzimmer ab 125 Euro.
www.25hours-hotels.com

Das Hotel Cortiina gehört zum Imperium der Münchner-Zeitgeist-Gastronomen Rudi Kull und Albert Weinzierl. Das schicke Hotel im angesagten Sechziger-Jahre-Stil liegt in Fußweite zum Hofbräuhaus, Doppelzimmer ab 199 Euro.
www.cortiina.com

Essen und Trinken:
Urig: Schneider Bräuhaus (früher bekannt als Weißes Bräuhaus), Tal 7.
www.schneider-brauhaus.de

Klassiker: Zum Augustiner, Restaurant und Bräuhaus, Neuhauserstraße 27.
www.augustiner-restaurant.com

Direkt am Viktualienmarkt liegt das Wirtshaus Der Pschorr, Viktualienmarkt 15.
www.der-pschorr.de

Touristenmagnet: Hofbräuhaus, Platzl 9,
www.hofbraeuhaus.de

Schicker Platz zum Leuteschauen: Zum Franziskaner, Residenzstraße 9.
www.zum-franziskaner.de

Direkt gegenüber: Spatenhaus an der Oper, Residenzstr. 12.
www.kuffler.de/restaurants/spatenhaus

Auf dem Nockherberg im Stadtteil Au-Haidhausen hat die Paulaner-Brauerei ihr Wirtshaus kürzlich komplett modernisiert, Hochstraße 77.
www.paulaner-nockherberg.com


Beeindruckendes Gebäude in der Maxvorstadt: Das Wirtshaus Löwenbräukeller, Nymphenburger Straße 2.
www.loewenbraeukeller.com

Bierführungen mit Claudia Neumaier kann buchen unter: 

www.stadtvogel.de..

www.einfach-muenchen.de


Das Start-up Hey Minga bietet alternative Touren durch München in alten VW-Bullis. Passend zum Oktoberfest gibt es die „Hey Wiesn“-Tour, 2,5 Stunden kosten 39 Euro pro Person.
www.heyminga-touren.de

Von der Geschichte der Braukunst in München erzählt das Bier- und Oktoberfestmuseum (Sterneckerstr. 2). Di bis Sa von 13 bis 18 Uhr, Eintritt 4 Euro für Erwachsene, ermäßigt 2,50 Euro.
www.bier-und-oktoberfestmuseum.de

Ein Geheimtipp für Bierfreunde ist die kleine Familienbrauerei Haderner Bräu (Großhaderner Str. 16). Jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr kann man Thomas Girg (40) und seine Frau Marta (41) besuchen und deren Produkte verkosten.
www.haderner.de

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