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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 29.01.2013

Mit dem Sabbatjahr war schnell Sabbat

Tischtennis: Volker Ziegler aus Aidlingen wird zum 1. Februar neuer Bundestrainer im Deutschen Behindertensport-Verband

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ong>In drei Tagen ist es so weit: Ab dem 1. Februar ist Volker Ziegler der neue Tischtennis-Bundestrainer im Deutschen Behindertensport-Verband (DBS). Der 46-jährige Aidlinger übernimmt den Posten zumindest bis zu den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. Ziegler betreut darüber hinaus weiterhin die Bundesliga-Frauen der SV Böblingen.

Volker Ziegler wollte eigentlich ein Sabbatjahr einlegen, Kraft tanken, sich Gedanken machen über neue Ziele. Aus diesem Sabbatjahr sind wenige Sabbatmonate geworden, denn dem 46 Jahre alten Diplom-Sportwissenschaftler flatterte ein interessantes Angebot ins Haus: der Posten des Bundestrainers Tischtennis im Deutschen Behindertensport-Verband (DBS).

Ziegler wurde gefragt und sagte zu. „Ich freue mich auf die spannende und interessante Aufgabe. In einem ersten Schritt werde ich eine Bestandsaufnahme der Strukturen machen und dann versuchen, diese zu verbessern“, sagt Ziegler. Von seinem jetzigen Arbeitgeber – beim Tischtennisverband Baden-Württemberg ist er Landestrainer – wird er für seine neue Aufgabe beurlaubt.

Der 46-jährige Ziegler startete mit zwölf Jahren beim TSV Dagersheim. Bis zu seinem 20. Lebensjahr stand er für den TSV an der Platte. „Die älteren Spieler waren damals Pate für jüngere und haben mit diesen versucht, zu trainieren“, sagt Ziegler. Er betont „versucht“, denn von Trainingslehre hatte er kaum Ahnung. Das änderte sich schnell. Mit 18 Jahren legte er die Trainer-C-Lizenz ab. „Es hat mir von Anfang an Spaß gemacht, den jüngeren Spielern etwas weiterzugeben“, sagt Ziegler, der nach Abitur und Zivildienst in Herrenberg nach Hamburg zog, um Sport zu studieren. Ziegler schloss sich dem HSV an und spielte in der Regionalliga. Zu dieser Zeit hatte er seine Trainer-B-Lizenz schon in der Tasche.

„Ich habe nicht studiert mit dem Ziel, im Leistungssport tätig zu werden“, sagt Ziegler, der Schritt für Schritt in den Leistungssport hineingewachsen ist. „Leistungssport ist eine langfristige Arbeit. Es ist eine ehrliche Arbeit. Trainer und Spieler kennen sich, es gibt keinen Bluff. Das hat mich fasziniert“, sagt er.

1993 war in Hamburg die Stelle des dortigen Landestrainers zu besetzen. Der damals 27-Jährige erhielt den Posten, parallel dazu studierte er. „Das ging nur, weil ich sämtliche Fristen ausgenutzt habe für meine Prüfungen“, sagt Ziegler. Ende 1995 zog es Ziegler mit Universitäts-Abschluss in der Tasche zurück nach Württemberg, er wurde Landestrainer des Tischtennisverbands Baden-Württemberg. Ein Jahr zuvor hatte er die A-Lizenz abgelegt.

Verstärkt in Kontakt mit dem Behindertensport kam Volker Ziegler 2008. Damals begann seine Arbeit mit dem Stuttgarter Jochen Wollmert, den er neben weiteren Nachwuchsspielern mit Handicap in den Landesstützpunkt Stuttgart/Böblingen integrierte. Eine Zusammenarbeit, die im vergangenen Jahr bei den Paralympics in London ihre Krönung fand: Wollmert gewann die Goldmedaille, einen großen Anteil daran hatte Ziegler.

„Er ist ein stiller Arbeiter, der sich voll und ganz auf seine Athleten konzentriert. Ich bin froh und stolz, mit ihm nun fast fünf Jahre zusammenarbeiten zu dürfen. Er hat es geschafft, mich erneut zum Paralympic-Sieg zu führen. Und das haben mir wirklich nicht so viele zugetraut. Außer ihm“, sagte Jochen Wollmert in seiner Laudatio im Rahmen der „Trainerpreisverleihung Baden-Württemberg 2012“ letzte Woche im Porsche-Museum in Zuffenhausen.

Ziegler erhielt den Sonderpreis des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport. Mit dem Trainerpreis werden Jahr für Jahr Trainer prämiert, die durch herausragende Leistungen, außergewöhnliche sportliche Erfolge ihrer Athleten sowie besondere pädagogische Fähigkeiten auf sich aufmerksam gemacht haben. Neben Ziegler gehörte unter anderem auch Christian Streich, Trainer des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg, zu den Geehrten.

Volker Ziegler wird jetzt viele Reisen unternehmen, um die Kaderspieler und deren Heimtrainer kennenzulernen. Er will sich auch die Trainingsbedingungen anschauen und, wenn nötig und möglich, für deren Verbesserungen sorgen. „Die Arbeit als Bundestrainer ist eine sehr komplexe und interessante Aufgabe. Ich habe große Gestaltungsfreiheit. Das passt zu meinem Wesen.“

Paralympics-Goldmedaillengewinner Jochen Wollmert mit dem Aidlinger Volker Ziegler im Böblinger Tischtennis-Zentrum. Bild: Oberdorfer/A