Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 09.03.2018

Künstliche Intelligenz macht Mühe

Kreis Böblingen: An den in einer Stunde aufgezeichneten Daten arbeiten 2 Ingenieure ein ganzes Jahr

Kalifornien lässt inzwischen selbstfahrende Autos ohne Lenkrad zu. „Beim Thema Sicherheit haben die Amerikaner mehr Vertrauen, als sie haben sollten“, sagte Veit Haug, Leiter des Bereichs Kreativwirtschaft der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, beim Medien-Meeting des Landkreises Böblingen. Wo die Entwicklung derzeit steht, erläuterte Gregor Matenaer von der C-More Automotive GmbH (Lindau/Böblingen).

C-More ist derzeit dabei, den Autos das Denken beizubringen. Das Unternehmen mit dem Sitz in Lindau und einer großen Niederlassung in Böblingen beschäftigt derzeit 400. und damit mehr als die Hälfte seiner Mitarbeiter, in Indien. Dort trainieren sie dem Auto das selbstständige Fahren an.

So ein Training beginnt mit dem Erfassen des Umfelds. Gregor Matenaer erinnert sich: „Vor 10 Jahren haben wir unsere erste Kamera entwickelt. Die konnte nur die Spur erkennen und hat schwarz-weiß gesehen.“ Die nächste Kamera-Generation erkannte nicht nur die Spur, sondern auch Verkehrszeichen. Heute, sagt der Experte, habe eine Kamera bis zu 23 Funktionen – und jedes Auto, das trainiert wird, mehrere Kameras. Vor zehn Jahren wäre dies noch an der Leistung der Rechner gescheitert.

Über sogenannte neuronale Netze werden die Daten zusammengeführt. Sie zu sammeln, sei die erste Voraussetzung. Entscheidend sei aber, ihnen eine Bedeutung zu geben und diese dem Fahrzeug beizubringen.: „Lerne, dass das ein Schild ist. Lerne, dass das vor Dir ein fahrendes Auto ist.“

Über Algorithmen (Informationen, mit denen eine Handlungsanleitung verknüpft ist) lernen Fahrzeuge so, menschliche Verhaltensweisen nachzuahmen. Um die Daten von einer einstündigen Fahrt, die von 25 bis 30 Sensoren aufgezeichnet wurden, in Algorithmen zu verwandeln, sind 2 Ingenieure ein ganzes Jahr beschäftigt. Dies, so Gregor Matenaer (Bild: Reichert), war der Grund für C-More, in Indien rasch zu wachsen.

Beim autonomen Fahren müssen diese Algorithmen dann in Echtzeit erstellt und innerhalb von Millisekunden umgesetzt werden. Beides zusammen ergibt dann das, was man beim Auto unter künstlicher Intelligenz versteht.

Wie weit C-More auf dem Weg zum autonomen Fahren genau ist, verriet der Geschäftsführer nicht. Nur soviel: „Es geht in Richtung Produktion.“

Eine andere Herangehensweise als C-More hat das Start-up Blickshift. Die Ausgründung der Universität Stuttgart befasst sich mit Eye-Tracking. Mitbegründer Dr. Michael Raschke erklärte das beim Medien-Meeting so: „Die Maschine nimmt ihre Umgebung durch die Augen des Benutzers wahr.“ Aber auch hier geht es letztendlich darum, Daten in künstliche Intelligenz zu überführen.

Eine Straße, wie sie das menschliche Auge wahrnimmt (links), und wie der Computer im Auto ähnliche Objekte zusammenfasst, wenn er das einmal gelernt hat. C-More hat eine Methode zur dreidimensionalen Objekterkennung entwickelt. Bild/Grafik: z