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Von unserem Mitarbeiter Holger Weymüller · 10.08.2018

Knapp acht Jahre Haft

Herrenberg/Stuttgart: Für ehemaligen EN-Storage Geschäftsführer

Keine Vorstrafen, seine Eigenanzeige, sein umfassendes Geständnis – weshalb die Kronzeugenregelung zum Tragen kommt – und sein Schuldanerkenntnis über 70 Millionen Euro verbuchte die 16. Große Strafkammer des Landgerichts Stuttgart zu ihrem Urteilsspruch zugunsten von Edvin Novalic. Der ehemalige Geschäftsführer des insolventen Herrenberger Unternehmens EN Storage hat mehrfachen besonders schweren Betrug an Tausenden von Anlegern mitzuverantworten. Die Kammer ließ gegen das Urteil, das auf sieben Jahre und zehn Monate Haftstrafe lautet, Revision zu.

Über Kauf- und Überlassungsverträge und mehrere Anleihe-Tranchen habe, führte Richter Martin Friedrich in der Urteilsbegründung aus, Edvin Novalic zusammen mit seinem ehemaligen Geschäftspartner Lutz Beier (das Verfahren ist von dem Novalics abgetrennt) ab Herbst 2009 über siebeneinhalb Jahre hinweg bei Tausenden Anlegern rund 93 Millionen Euro eingesammelt, und zwar mittels eines „betrügerischen Unternehmens“.

Zwar handele es sich insgesamt um eine „immense Summe“ und einen langen Tatzeitraum, führte Richter Friedrich ins Feld. Zudem gebe es eine große Anzahl von Geschädigten und betrügerischen Verträgen, und die „gestalterische Kreativität bezüglich der Scheinfirmen und Kontakte ins Ausland“ lasse auf eine „hohe kriminelle Energie“ bei Novalic schließen. Auf der anderen Seite jedoch rechnete die Kammer ihm vor allem hoch an, dass er „die Tat aus freien Stücken“ mit einer Selbstanzeige beendet habe, umfassend geständig sei und ein notarielles Schuldanerkenntnis gegenüber dem Insolvenzverwalter unterzeichnet habe. Allerdings, so Richter Martin Friedrich, sei die Wahrscheinlichkeit, dass der angerichtete Millionenschaden in nennenswertem Umfang von Edvin Novalic wiedergutgemacht werden könne, gering einzuschätzen.

Umfassendes Geständnis

Sein Geständnis, das die Kammer als glaubwürdig einstuft, sei nicht nur in Bezug auf seine eigenen Taten umfassend, sondern habe auch den Beitrag „von zahlreichen weiteren Personen aufgedeckt“ – weshalb hier die Kronzeugenregelung zum Tragen komme. Der bei den Ermittlungen federführende LKA-Beamte, der vor einigen Wochen als Zeuge aufgetreten war, hatte davon gesprochen, derart umfassende Aussagen in 30 Berufsjahren noch nie erlebt zu haben – was Richter Martin Friedrich in seiner Urteilsbegründung zitierte. Gegen mehrere weitere Personen laufen seither Ermittlungen.

Einem von der Staatsanwaltschaft geforderten Berufsverbot kam die Kammer nicht nach. Sie gehe, so Friedrich, trotz des „wahnsinnigen Umfangs der Tat davon aus, dass Novalic danach geläutert ist und von ihm keine Gefahr rechtswidriger Handlungen mehr ausgehen wird“. Die Verfahrensbeteiligten haben nun eine Woche Zeit, bei der Kammer Revision einzulegen. Sollte diese Frist ungenutzt verstreichen, erlangt das Urteil Rechtskraft.