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Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 05.05.2014

Jede Menge Müll in den Seen

Böblingen: Die Experten des Kreisfischereivereins sprechen dennoch von einer guten Wasserqualität

Zehn Rechen, acht Kraile, 40 Zangen, 20 Schubkarren und zwei Wurfanker: Vom Bauunternehmer Ralf Sklarski mit Werkzeug ausgestattet, machen sich am Samstag rund 60 freiwillige Helfer daran, die beiden Böblinger Innenstadt-Seen und die Wasserläufe bis zum Baumoval von Müll zu säubern. Fünf Müllcontainer stellt das Grünflächenamt der Stadt, um den Abfall anschließend entsorgen zu können.

Stadtputzete 2014 heißt die Aktion, die in diesem Jahr zum ersten Mal unter der Federführung einer politischen Gruppierung stattfand: Aufgerufen haben die Freien Wähler Böblingen. „Es handelt sich aber nicht um eine Wahlkampfaktion“, sagt der Bauunternehmer Ralf Sklarski, der bei der kommenden Kommunalwahl auf Platz 14 der Liste der Freien Wähler steht: „Mich nerven einfach Leute, die sich ständig über Dreck aufregen, aber nicht bereit sind, selbst anzupacken.“ Deswegen habe er die Organisation übernommen, so Sklarski. Stadträte der Freien Wähler packen ebenfalls mit an: Rosemarie Späth, Daniel Wengenroth und Reinhard Siekemeier.

Als Pächter der beiden Innenstadt-Seen ist der Kreisfischereiverein unter dem Vorsitz von Patrick Hocker bei der Stadtputzete ebenfalls am Start. Für die beiden Gewässerwarte des Vereins, Daniel Gruseck und Manfred Koch, dient die Aktion neben der Reinigung noch einem weiteren Zweck: Anhand des Mülls, den die Helfer aus den Seen ziehen, können sie die Qualität des Wassers ablesen. „Wenn viele Muscheln, Moostierchen, Schnecken oder Wasserasseln vorhanden sind, deutet dies auf eine gute Wasserqualität hin“, erklärt Daniel Gruseck und deutet auf ein Fahrrad, das vermutlich ein Dieb im Unteren See versenkt hat und soeben von den Helfern mit einem Wurfanker ans Ufer gezogen wurde.

An dem Zweirad haften unzählige Muscheln unterschiedlicher Größe. „Das heißt, die verschiedenen Muscheln befinden sich in unterschiedlichen Phasen ihres Wachstums“, sagt Daniel Gruseck: „Die Wasserqualität war also über einen längeren Zeitraum so gut, dass sich die Muscheln vermehren konnten.“ Anders als mit einer chemischen Analyse des Wassers, die immer nur eine Momentaufnahme liefert, lassen so die am Fahrrad haftenden Tiere als Bio-Indikatoren Rückschlüsse auf die Qualität des Wassers über einen längeren Zeitraum zu.

Harmlos ist der in den See geworfene Müll dennoch nicht: „Vor allem Plastikbecher mit ihren Weichmachern, Feuerwerkskörper mit ihren Metallsalzen oder Flaschen mit Restalkohol können die Wasserqualität gefährden“, erläutert Daniel Gruseck: „Im schlimmsten Fall kann der See kippen, was zu erheblichem Gestank durch Faulgase führen würde.“ Doch auch Bürger, die es gut meinen, gefährden die Seen: Besonders schlecht für die Wasserqualität ist zum Entenfüttern in den See geworfenes Brot.

Daniel Gruseck (Gewässerwart des Kreisfischereivereins Böblingen/von links), Patrick Hocker (Vorsitzender des Kreisfischereivereins) und Ralf Sklarski (Bauunternehmer und Initiator der Stadtputzete) haben ein Rad aus dem Wasser gezogen. Bild: Staber