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Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 18.03.2017

„Heckenscheißerle“ und „Öko-Traumfänger“

Maichingen: Rund 500 Besucher erleben beim dritten Schwäbischen Abend der SZ/BZ im Bürgerhaus Maichingen den Käsreiter Hanno Kluge und Hillu’s Herzdropfa

„Mundart ist spitze“: Unter diesem Motto von Hanno Kluge haben rund 500 Zuschauer im so gut wie ausverkauften Maichinger Bürgerhaus beim dritten Schwäbischen Abend der SZ/BZ gefeiert. Mit Hiltrud Stoll und Franz Auber, die gemeinsam als das Duo „Hillu’s Herzdropfa“ auftreten, kam der zentrale Programmpunkt diesmal „von dr Alb ra“.

Richtig deftiges Schwäbisch fordert bei der dritten Auflage des Schwäbischen Abends der SZ/BZ die wahren Kenner der Mundart heraus. Denn aus Justingen kommen Hiltrud Stoll und Franz Auber, also „von dr Alb ra“, wie das Programm aus dem Jahr 2016 des Kleinkunst-Duos heißt. „Wir sind katholisch und wählen schwarz“, beschreibt Hiltrud Stoll augenzwinkernd diesen Flecken Erde, wo auch sonst die Dinge nicht so kompliziert zu sein scheinen wie im Rest der Welt.

Viele Necknamen, wie sonst im Schwäbischen üblich, braucht es in Justingen nicht: Jeder Auswärtige heißt „Heckenscheißerle“ und nervt. Doch Touristen haben auch ihr Gutes: Seit die Schwäbische Alb zum Biosphärengebiet erklärt wurde, können knitze Einheimische Spinnweben als „Öko-Traumfänger“ verkaufen und Unkraut als Salat verkaufen, das man früher den Tieren gegeben hat, wie zum Beispiel Löwenzahn.

Probleme zwischen den Geschlechtern gibt es in Justingen nicht. Eine schlüssige Einteilung sorgt für Klarheit: „Im Oberdorf haben die Frauen das Sagen, und im Unterdorf haben die Männer keinen Wert.“ Die Bettwäsche wird an Weihnachten gewechselt, bei extrem aushausigen Familien auch manchmal während des Jahres, „wenn es nötig ist“.

Mit ihrem aktuellen Programm, „Huat ab! D’Albschwoba kommet.“, bespielen Hiltrud Stoll und Franz Auber also die vornehmste der schwäbischen Tugenden, die Fähigkeit zur Selbstironie. Die beiden Kabarettisten, die 2016 mit dem Sebastian-Blau-Preis ausgezeichnet wurden, feiern Mundart und Tradition, während sie gleichzeitig Eigentümlichkeiten der schwäbischen Seele durch den Kakao ziehen.

Von den Rollen, in die sie für dieses humoristische Konzept schlüpfen, steht das Landwirt-Ehepaar „Lena ond Maddeis Schuahdone“ im Mittelpunkt. „Szenen einer schwäbischen Ehe von dr Alb“ könnten die Kapriolen dieses fiktiven Justinger Ehepaars auch heißen, denn das gezielte Reden aneinander vorbei haben Hiltrud Stoll und Franz Auber zum Vergnügen des Publikums in diesen Rollen perfektioniert.

Bisweilen derb geht es in diesen Szenen zu, aber so sind die Leute von der Alb halt, wie Hiltrud Stoll am Ende des rund zweistündigen Programms beinahe entschuldigend anmerkt. Und deftig kommt dieses eigentümliche Schwäbisch von der Alb daher, wo Vokale manchmal eine eher untergeordnete Rolle zu spielen scheinen. Sorgen, dass nicht alle im Publikum diese faszinierende Spielart des Schwäbischen nachvollziehen können, müssen sich Hiltrud Stoll und Franz Auber nicht machen. Denn ein Blick in die quietschvergnügten Zuschauerreihen macht klar: Genau diese Mischung aus sprachlicher Authentizität und Augenzwinkern kommt bei den Besuchern des Schwäbischen Abends bestens an.

„Meine Sprache soll nach Wurzeln graben“, sagt Mundartdichter Hanno Kluge, der zehn Jahre lang in der SZ/BZ für die Kolumne „Käsreiter“ verantwortlich zeichnete und in den Schwäbischen Abend einführt: „Meine Sprache soll Bilder malen und sprudeln wie der Bach im Schilf.“

Genau dies kann schwäbische Mundart bisweilen wesentlich besser als Schriftdeutsch, weshalb es für Kluge ein Leichtes ist, das Publikum gemeinsam rufen zu lassen: „Mundart ist spitze.“ Im Jahr 2015, als die SZ/BZ den Schwäbischen Abend zu ihrem 125-jährigen Jubiläum aus der Taufe hob, habe er nicht gedacht, dass diese Veranstaltung „so ein Dauerbrenner werden würde“, sagt Hanno Kluge.

Beste Laune: Rund 500 Besucher beim Schwäbischen Abend kamen im Maichinger Bürgerhaus aus dem Lachen kaum heraus. Hiltrud Stoll und Franz Auber als Hillu’s Herzdropfa (links unten) und Käsreiter Hanno Kluge (links oben) sorgten für Stimmung. Bilder: Stampe