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Von Karlheinz Reichert · 08.04.2018

„Elektroräder sind keine Motorräder“

Sindelfingen: Gute Tipps vom Fachmann beim Elektroradsymposium des Fahrradfachgeschäfts Sportivo und der SZ/BZ

Bild: Reichert

Viel gelernt haben die Teilnehmer des 7. Elektroradsymposiums des Fahrradfachgeschäftes Sportivo (Sindelfingen) und der SZ/BZ. Lehrmeister in Theorie und Praxis waren Daniel Fikuart, Chefredakteur des Magazins Elektro-Rad, und Jürgen Lindner, Mitinhaber von Sportivo.

„Elektroräder sind keine Motorräder“, was wie eine Binsenweisheit klingt, stellte Daniel Fikuart an den Anfang einer Tour, die meist auf asphaltierten Rad- und Feldwegen von Sindelfingen nach Weil der Stadt und über eine andere Route zurückführte. Die Empfehlung des Experten: „Fahren sie das E-Bike wie ein Fahrrad, das heißt, sie sollten oft schalten und zart bremsen.“
Unter zartem Bremsen versteht Fikuart: Beide Bremsen gleichzeitig betätigen, dabei vorne etwas kräftiger als hinten. Diese Regel wird das neue Antiblockiersystem von Bosch, das im November auf den Markt kommt und das die Symposiumsteilnehmer am Samstag schon testen konnten, wohl außer Kraft setzen. Jürgen Lindner: „Sie können damit auch nur vorne bremsen und es passiert ihnen nichts.“
3 bis 5 Motorstufen
Fürs Schalten gibt es zwar auch bereits eine Automatik. Diese ist aber bei E-Bikes noch nicht im Einsatz. Immerhin: Die neueste Generation der Fahrradcomputer zeigt dem E-Biker an, wann und in welche Richtung er schalten sollte. Und es gibt Motoren, die erkennen, wie stark der Druck auf die Pedale ist. Die Folge: je größer der Druck, desto größer die Motorunterstützung.
Je nach Modell und Fabrikat kann die Motorleistung mit 3 bis 5 Unterstützungsstufen gesteuert werden. Die niedrigste wird meist Eco genannt. Daniel Fikuart: „Sie nivelliert die eigene Körperkraft.“ Erst wer eine Stufe höher schalte, spüre, dass es vorangeht: „Und danach kommt dann der Spaß.“
Im Gelände 30 Kilometer Reichweite
Bis zu 300 Prozent der Körperenergie lassen sich zuschalten – auf Kosten der Reichweite. 70 bis 80 Kilometer reiche in der Regel ein Akku mit 500 Watt/Stunden. Im Gelände vielleicht nur 30 Kilometer und auf Schotterwegen mit vielen Steigungen auch mal nur 65 Kilometer: „Die Angaben auf dem Display zu den Rest-Kilometern sind nicht immer zuverlässig.“
Fikuart rät deshalb dazu, Pausen – etwa im Biergarten – dazu zu nutzen, den Akku Nachzuladen. Eine Stunde könne da schon mal 20 Kilometer zusätzlich bringen. Die Gesamtladezeit liegt modellabhängig bei zweieinhalb bis viereinhalb Stunden. Wem der Saft ausgeht, der wird sich schwer tun: Ein E-Bike wiegt 7 bis 8 Kilogramm mehr als ein herkömmliches Fahrrad.
500 Ladezyklen
Von Rekuperationsmodellen, die bergab laden und die es nur bei Heckantrieben gibt, hält er nicht all zu viel: „Ich will bergab schnell fahren und nicht vom Motor gebremst werden.“
500 Ladezyklen halte ein Akku meist aus. Daniel Fikuart: „Das sind rund 30 000 Kilometer. Dann wird es ohnehin Zeit für ein neues Rad.“
Zu den Symposiumsteilnehmern gehörte das Ehepaar Gudrun und Claus Lehners. Das Ehepaar fährt viel Rad, im Urlaub auch mal an den Gardasee oder von Prag aus an Moldau und Elbe entlang. So etwa 70 Kilometer am Tag.
Die Darmsheimer saßen am Samstag beide zum ersten Mal auf einem E-Bike und waren begeistert. Claus Lehners: „So richtig gemütlich mit hoher Geschwindigkeit. Das habe ich bisher noch nicht erlebt.“ Seine Frau: „Das macht einfach Spaß.“ Dass sich bei ihr bei Ausfahrten mit dem gewöhnlichen Rad schon mal das Knie meldet, war der Auslöser für den Test. Das Ergebnis: „Es ging prima."