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Von Chefredakteur Jürgen Haar · 05.02.2011

Einst der jüngste Werkleiter "beim Daimler"

Das Porträt: Professor Dr. Eberhard Haller, seit 2003 Leiter des Sindelfinger Werkes, wird am Mittwoch offiziell in den Ruhestand verabschiedet

Fast sein ganzes Arbeitsleben war Dr. Eberhard Haller "beim Daimler". Davon sieben Jahre als Leiter des Sindelfinger Mercedes-Werkes. Jetzt geht der 60-Jährige in Ruhestand. Am Mittwoch wird er offiziell verabschiedet.

 

Leiter des Pkw-Werkes Sindelfingen - das ist seit jeher eine der wichtigsten Aufgaben im Daimler-Konzern. Wilhelm Langheck, Wilhelm Held, Wilhelm Hörmann, Wolfgang Jacobi, Dr. Adolf-Heinz Fritz, Heiner Tropitzsch, Hans-Theo Schnaufer, Helmut Petri, Dr. Hans-Joachim Schöpf oder Hans-Heinrich Weingarten - sie alle standen einmal an der Spitze des größten Produktionswerkes von Mercedes und ihre Namen sind der großen Sindelfinger Daimler-Familie nach wie vor geläufig.

 

In diese Liste reiht sich jetzt Dr. Eberhard Haller ein, der von 2003 bis zum Ende letzten Jahres Chef aller Mercedes-Mitarbeiter im Werk 50 war. Seit Anfang 2011 ist Dr. Willi Reiss Werkleiter in Sindelfingen.

 

Bosch, Fraunhofer, Daimler

 

In Bad Urach geboren und zur Schule gegangen, studierte Eberhard Haller nach dem Abitur an der Universität Stuttgart Maschinenbau. Danach arbeitete er für kurze Zeit bei der Robert Bosch GmbH im Bereich Kraftfahrzeugausrüstung. Von 1977 bis 1983 gehörte er zum Team der wissenschaftlichen Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart. 1982 promovierte Haller an der Universität Stuttgart zum Dr.-Ing.

 

Lehre und Wissenschaft haben Eberhard Haller bis heute begleitet. Seit 1989 hat er einen Lehrauftrag am Institut für Arbeitswissenschaft und Betriebsorganisation an der Universität Karlsruhe. 1998 ernannte ihn die Hochschule zum Honorarprofessor.

 

Der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger verlieh Dr. Haller im November 2005 das Bundesverdienstkreuz für seine "Verdienste in Wissenschaft und Industrie".

 

1983 begann Eberhard Haller seine berufliche Karriere bei der damalige Daimler-Benz AG in Stuttgart. Mit der Berufung zum Chef des Werkes Bad Homburg wurde er 1990 mit 38 Jahren der jüngste Werkleiter des Unternehmens. Das ihm dort vom Vorstand übertragene Pilotprojekt "Einführung von Centerstrukturen und -organisation im Geschäftsbereich Pkw" sieht Eberhard Haller als eine der "wichtigsten und spannendsten Aufgaben" seiner beruflichen Zeit.

 

Pilotcharakter haben auch andere Aufgaben, denen sich der promovierte Maschinenbau-Ingenieur beim Autobauer Daimler widmet. Als Leiter des Werkes Rastatt (seit 1992) entwickelte Dr. Haller das erste Produktionssystem in der Daimler-Benz AG. 1999 erhielt er vom Vorstand den Auftrag, eine werkübergreifende Produktionsplanung für alle Mercedes-Pkw-Werke aufzubauen. Dazu gehörte unter anderem die Erweiterung der Werke Tuscaloosa und Rastatt für die Fahrzeuge der zweiten Mercedes-Produktoffensive.

 

Als Nachfolger von Hans-Heinrich Weingarten wurde Eberhard Haller 2003 dann zum Leiter des Werkes Sindelfingen ernannt. Bis Ende 2010 stand er an der Spitze des Werkes und hat in diesen sieben Jahren eine rasante Entwicklung in der Automobilproduktion mit hohen Produktivitätssteigerungen eingeleitet und gesteuert. Eine Zeit mit Glücksmomenten für den Werkleiter und die Mitarbeiter. Wie 2008, als das Sindelfinger Mercedes-Werk zur "Fabrik des Jahres" gekürt wurde. Aber auch mit Schattenseiten. Wie 2009, als der Vorstand den Abzug der C-Klasse beschloss und es zu harten Auseinandersetzungen zwischen Geschäftsleitung und Mitarbeitern kam.

 

Nach 27 Jahren geht Eberhard Haller "beim Daimler" jetzt in den Ruhestand, doch auch in Zukunft will sich der Ingenieur interessanten Aufgaben widmen. Und mehr Zeit für seine große Leidenschaft, das Kochen, gibt es jetzt auch.

 

Joggen am frühen Morgen

 

Mit seiner Frau Ute und den beiden Kindern lebt Eberhard Haller in Remshalden. Den Weg vom Remstal nach Sindelfingen nimmt er auch im Ruhestand weiter auf sich. Nur noch einmal in der Woche, aber dafür im Dienste der persönlichen Gesundheit. Immer dienstags joggt Eberhard Haller in aller Herrgottsfrühe mit dem Calwer Landrat Helmut Riegger, AOK-Chef Eberhard Mauser, dem Sindelfinger Chefarzt Professor Dr. Stefan Kessler und anderen Freunden durch den Sindelfinger Wald.

 

Was einmal als Vorbereitung auf den Werk-Stadt-Lauf auf Initiative von Axel Stahl begonnen hat, ist für die Herrenrunde zur Institution geworden. "Dieser Termin ist mir wichtig und dafür stehe ich gerne früh auf", sagt der 60-Jährige.

 

Mitten in der Fabrik: Dr. Eberhard Haller im Sindelfinger Mercedes-Werk. Bild: z