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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 10.02.2012

„Eine tickende Zeitbombe“

Böblingen: Serie von Straftaten durch ein Alkoholproblem

Im vergangenen Jahr hat sich ein 18 Jahre alter Böblinger konsequent durch das Strafgesetzbuch gearbeitet. Gefährliche Körperverletzung, sexuelle Nötigung, vorsätzliche Körperverletzung, Beleidigung, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollzugsbeamte, versuchte Körperverletzung – der Angeklagte ließ kaum etwas aus. Jetzt musste er sich vor dem Böblinger Amtsgericht verantworten.

Am 17. Januar 2011 wurde Achmed P. (Name von der Redaktion geändert) aus Böblingen nach Jugendstrafrecht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Sonderlich beeindruckt davon war der 18-Jährige allerdings nicht, denn nur einen Monat später startete er eine Serie an Straftaten, die sich über das gesamte vergangene Jahr zog. Regelmäßig war Alkohol im Spiel.

Bei allen Taten, nach denen ein Test durchgeführt wurde, hatte der Angeklagte über ein Promille Alkohol im Blut. „Der Angeklagte hat ein massives Alkoholproblem. Er muss therapeutisch an sich arbeiten, es ist höchste Eisenbahn“, sagte eine Polizeibeamtin, die in einer Projektgruppe tätig ist, die sich um jugendliche Intensivtäter kümmert. Ein solcher Intensivtäter ist Achmed P. allemal. Fünf Vorstrafen stehen bei ihm zu Buche, darunter Verurteilungen wegen Beleidigung, Sachbeschädigung und Körperverletzung.

Die neuerliche Serie an Straftaten begann am 20. Februar 2011. Nahe des Böblinger Bahnhofs schlug Achmed P. morgens gegen sieben Uhr einem 18-Jährigen zunächst ins Gesicht. Als der junge Mann auf dem Boden lag, schlug der Angeklagte noch mehrfach auf ihn ein, unterstützt wurde er dabei vom zweiten Angeklagten, Suleiman L., der ebenfalls zuschlug. Suleiman L. wurde deswegen zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Am 7. März setzte Achmed P. seine Serie fort. Ohne Grund und „plötzlich und unvermittelt“, so das Opfer, schlug der Angeklagte um 20.45 Uhr am Elbenplatz in Böblingen einem 23-Jährigen ins Gesicht. Dieser ging zu Boden. Als ihm eine Freundin aufhelfen wollte, trat ihr der Angeklagte mit dem Fuß in den Bauch. Diese Taten, wie auch die Tat vom 20. Februar räumte Achmed P. ein.

Verstärkung musste her

Ihr Ende fand die Gewaltserie am 22. Oktober. Gegen ein Uhr nachts schlug der Angeklagte in einer Böblinger Tankstelle einem Kunden zweimal mit der Faust ins Gesicht, dabei hatte Achmed P. einen Gürtel in der Hand. Schnell war die Polizei vor Ort, in deren Beisein schlug er nochmals sein Opfer. Den ersten beiden Beamten gelang es nicht, den Angeklagten zu fesseln. Erst mithilfe einer weiteren Streifenbesatzung war dies möglich.

Wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung, schwerer sexueller Nötigung und Sachbeschädigung wurde Achmed P. zu der Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. „Wir haben auch eine Verantwortung für die Allgemeinheit. Nüchtern ist der Angeklagte umgänglich, er arbeitet mit der Polizei zusammen. In betrunkenem Zustand ist er allerdings eine tickende Zeitbombe“, sagte der Vorsitzende.