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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 24.09.2012

Ein guter Akku will auch gut gepflegt sein

Sindelfingen: Beim ersten E-Bike-Symposium der SZ/BZ und des Fahrradfachgeschäfts Sportivo haben Fachleute über aktuelle Entwicklungen bei Pedelecs informiert

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räder mit Elektromotoren gehören zunehmend zum Straßenbild. Waren diese Räder früher verschrien als Fahrzeuge für ältere Menschen, sind sie inzwischen auch bei den jüngeren Generationen sehr gefragt. Die SZ/BZ hat gemeinsam mit dem Sindelfinger Fahrradfachgeschäft Sportivo der beiden Inhaber Jürgen Lindner und Thomas Schlosser am Samstag in der Mensa des Stiftsgymnasiums das erste Sindelfinger E-Bike-Symposium veranstaltet.

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E-Bikes gehören zunehmend zum Straßenbild. Genauer gesagt sind es Pedelecs. Das Wort wurde aus dem Begriff „Pedal Electric Cycle“ gebildet. Ein Pedelec unterstützt den Radfahrer nur dann, wenn er in die Pedale tritt. Und nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Wer schneller fahren will, muss seine eigene Kraft bemühen, der Motor schaltet bei dieser Geschwindigkeit ab. Es gibt Pedelecs der so genannten S-Klasse, die bis zu einem Tempo von 45 km/h unterstützen. Diese Fahrzeuge gelten als Kleinkrafträder, sind führerschein- und versicherungspflichtig. Zudem darf mit ihnen nur auf der Straße gefahren werden.

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Jürgen Lindner und SZ/BZ-Verlagsleiter Hans-Jörg Zürn haben gemeinsam die Idee zum E-Bike-Symposium entwickelt. „Der E-Bike-Markt entwickelt sich weiter nach oben. Im Vergleich zum vergangenen Jahr gab es in diesem Jahr nochmals eine deutliche Steigerung“, sagte Jürgen Lindner. Ein wesentlicher Kundenkreis ist die Gruppe der Menschen ab etwa 60 Jahren. Inzwischen aber gehe der Trend auch deutlich zu jüngeren Käufern. Jürgen Lindner: „Die Kundschaft geht zunehmend quer durch alle Altersschichten.“ Jüngst habe er an zwei 14-Jährige Pedelecs verkauft. „Ein Grund dafür, dass Pedelecs auch jüngere Kunden ansprechen, ist das moderne Design der Fahrräder“, sagte Lindner. Das Image, ein Rad für alte Damen und Herren zu sein, haben die Pedelecs jedenfalls abgelegt.

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Entscheidend für die Funktion des Pedelecs, sprich für die Freude am Fahren, ist der Antrieb. Drei Referenten waren zu diesem Thema eingeladen: Christian Bohndieck von der Firma Raleigh Univega. Sie gehört zur Derby-Cycle-Gruppe, die unter anderem die Marken Kalkhoff oder Rixe verkauft. Martin Schäfer von der Firma Bosch. Der Automobilzulieferer stieg im vergangenen Jahr in den Markt der E-Bikes ein. „Inzwischen verbauen über 40 Hersteller einen Bosch-Antrieb“, sagte Schäfer.

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Und schließlich Martin Gnann von der Firma BionX. Diese Firma gehört zur kanadischen Magna-Gruppe, ebenfalls ein Automobilzulieferer. „Das Niveau der Antriebe ist insgesamt deutlich gestiegen“, sagte Lindner. In den Anfängen der Pedelecs waren es eher kleinere Firmen, die Antriebe entwickelt haben. Inzwischen tummeln sich namhafte Konzerne wie beispielsweise Bosch auf dem Markt.

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Pedelecs werden entweder mit einem Mittelmotor oder mit einem Nabenmotor angetrieben. Die Firma BionX produziert Nabenmotoren. „Wir bieten die kompletten Antriebssysteme an vom Display bis hin zum Motor und zum Akku“, erklärte Martin Gnann. Einen großen Vorteil haben die Nabenmotoren – sie könne im Vorder- und im Hinterrad verbaut werden – im Vergleich zu Mittelmotoren: Im Leerlauf des Rads kann die Energie zurück gewonnen werden. Besonders interessant ist das beispielsweise bei Strecken über Berge. Bergab wird Energie wieder in den Akku eingespeist, dadurch verlängert sich dessen Reichweite. Zudem wirke, so Gnann, der Motor als Bremse und unterstütze und schone so die herkömmlichen Bremsen. Die Kraft wird beim Nabenmotor nicht über die Kette übertragen. Gnann: „Dadurch gibt es keinen Verschleiß der Ritzel.“

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Der Mittelmotor besticht durch eine kompakte Bauweise. Zudem sitzt er am tiefsten Punkt des Rahmens, er trägt mithin zu einer guten Gewichtsverteilung und zu einer guten Spurstabilität bei. Und der Radwechsel ist problemlos möglich.

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Beide Antriebsvarianten haben Vor- und Nachteile. Letztlich muss sich der Kunde entscheiden, wofür er vor allem ein Pedelec benutzen will, welche Vorteile er zu Kosten welcher Nachteile in Kauf nimmt. Die Akkus namhafter Firmen sind ausgereift, sie haben eine Reichweite, sie ist abhängig von der Fahrweise, bis zu 100 Kilometer. Und sie haben eine große Lebensdauer, rund 1000 Ladezyklen werden veranschlagt. Damit kann ein Pedelec einige zehntausend Kilometer gefahren werden. Entscheidend für die Funktionsweise des Akkus ist aber der Umgang mit ihm. Darauf hat Christian Bohndieck eindringlich hingewiesen: „Der Akkus sollte zwischen 10 und 25 Grad gelagert und extreme Temperaturschwankungen sollten vermieden werden.“ Zudem sollte der Akku trocken gelagert und vor Feuchtigkeit geschützt werden.

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Die genannte Reichweite und Lebensdauer gilt für Akkus namhafter Hersteller. Nicht für Akkus, die in billige E-Bikes verbaut werden, die beim Discounter zu erwerben sind. „Wundern Sie sich nicht, wenn Sie mit diesen Rädern wenig Spaß und viel Ärger haben. Ein E-Bike muss man beim Fachhändler kaufen“, sagte denn auch Martin Schäfer zu den etwa 50 Gästen, die das erste Sindelfinger E-Bike Symposium verfolgt haben.

Mittelmotor oder Nabenmotor? Unter anderem ging es beim ersten Sindelfinger E-Bike-Symposium um die Frage des Antriebs der Elektrofahrräder. Bilder: Oberdorfer