Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 15.11.2008

"Dies grenzt an Enteignung"

Altdorf: Geplantes Landschaftsschutzgebiet im Süden des Ortes sorgt im Gemeinderat für heftige Diskussionen /Planung abgelehnt

Der Altdorfer Gemeinderat lehnte mit sechs Ja-Stimmen gegenüber vier Nein-Stimmen die Ausweisung eines 153 Hektar großen Landschaftsschutzgebiets südlich der Gemeinde ab.

 

Storchschnabelbläulinge und Landwirte haben unterschiedliche Bedürfnisse: Das machte die erregte Diskussion im Altdorfer Gemeinderat über den Plan des Landratsamts deutlich, auf 153 Hektar südlich der Gemeinde, auf denen sich hauptsächlich Streuobstwiesen befinden, ein Landschaftsschutzgebiet auszuweisen.

 

Durchfall durch Storchschnabel

 

"Wenn ich Storchschnabel auf meinen Futterwiesen finde, schaue ich, dass ich's wegbekomme", sagte Gemeinderat und Landwirt Johannes Berner (BWV): "Davon bekommen die Tiere Durchfall." Dem seltenen Schmetterling sei die Pflanze jedoch Brutstätte und damit Existenzgrundlage, sagte hingegen Siegfried Zenger vom Landratsamt, dem die undankbare Aufgabe zufiel, das geplante Landschaftsschutzgebiet zu verteidigen. Auf Gegenliebe stieß er damit im Altdorfer Gemeinderat nicht.

 

Eine Sicherstellungsverordnung für das Gebiet, auf dem sich auch der Aussiedlerhof von Berner befindet, hat das Landratsamt bereits erlassen: Damit ist jegliche Veränderung der Grundstücke im zukünftigen Landschaftsschutzgebiet verboten, bis das Ausweisungsverfahren über die Bühne ist. "Dadurch gab es einige Härtefälle, die nicht im Sinne der Antragsteller aus der Welt geschafft werden konnten", gab Zenger zu. Eigentümer, die es bislang versäumt haben, einen gewünschten Geräteschuppen auf ihre Streuobstwiese zu bauen, haben also Pech gehabt.

 

Fünf Verbote und 16 Erlaubnisvorbehalte sieht die Verordnung für das "Landschaftsschutzgebiet Altdorf" vor. Unterm Strich ist alles verboten, was Tiere oder Pflanzen stört oder "den Naturgenuss oder den besonderen Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt". Außerdem sind Grundstückseigentümer dazu angehalten, für abgestorbene Obstbäume neue zu pflanzen. Paragraph sieben der Verordnung erlaubt es dem Landratsamt, jederzeit, "Einzelanordnungen" zu "Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen" zu erlassen.

 

Brenner: "Stammtischniveau"

 

"Als Landwirt, Grundstückseigentümer und Gemeinderat lehne ich dieses Landschaftsschutzgebiet ab", sagte Christoph Zipperer (BWV): "Diese Verordnung ist ein massiver Eingriff ins Eigentum und grenzt an Enteignung." Er würde gerne ab und an einen Baum pflanzen, sagt Bürgermeister Erwin Heller: "Aber dann, wann ich es will." Dass die Pflege der Streuobstwiesen leiden würde, wenn die Eigentümer keine Hütten zur Unterbringung der Geräte mehr errichten dürfen, befürchtete Miriam Mickeler (BWV). Sympathie für die Pläne des Landratsamts hat hingegen Albrecht Brenner (Altdorfer Forum): "Wir sollten nicht auf Stammtischniveau darüber reden, sondern sachlich."

 

Weil in den letzten Jahren die Anfrage zur Errichtung von Gerätehütten überhand genommen habe und das ökologisch wichtige Gebiet zudem immer mehr für Partys und zum Grillen genutzt werde, sei die Ausweisung des Landschaftsschutzgebiets erforderlich, sagte Siegfried Zenger: "Eine Beeinträchtigung der Landwirtschaft wird es durch das Landschaftsschutzgebiet nicht geben, im Gegenteil: Auch die Landwirtschaft leidet unter der verstärkten Freizeitnutzung des Gebiets."

 

Der seltene Storchschnabelbläuling, der sich auch vom Wiesenstorchschnabel ernährt, soll geschützt werden Bilder: Nabu, Siga

 

Der seltene Storchschnabelbläuling, der sich auch vom Wiesenstorchschnabel ernährt, soll geschützt werden Bilder: Nabu, Siga