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Von unserem Mitarbeiter Ronald Lars · 14.08.2019

Die Museen als Ferienprogramm

Böblingen: Keine Pause in den Sommerferien

  • das ewige fleisch

Auch in den Sommerferien machen die Böblinger Museen keine Pause. Alle drei Sonderausstellungen sind zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Und es gilt das Prinzip: 3 Museen, 1 Eintritt. Für Schüler und Studenten ist der Eintritt kostenfrei.

„Wende in Wandlitz“ im Bauernkriegsmuseum

Das Bauernkriegsmuseum widmet sich bereits seit seiner Gründung in zahlreichen Sonderausstellungen dem Wunsch der Menschheit nach Freiheit, Demokratie, Selbstbestimmung und gegen jede Form von Unterdrückung und „Versklavung“. Themen, die den Menschen vor 500 Jahren unter den Nägeln brannten und damals im Bauernkrieg zu einem zunächst erfolglosen, bewaffneten und von der Obrigkeit blutig niedergeschlagenen Aufstand führten.

Glücklicherweise darf man aber in der deutschen Geschichte auch auf erfolgreiche, gewaltlose Revolutionen – wie die von 1989/1990 – zurückblicken. Doch vieles, was sich damals in der ehemaligen DDR ereignete, blieb in Westdeutschland weitgehend unbekannt, weil sich das Augenmerk auf die für uns spektakuläre Öffnung der innerdeutschen Grenze und die ersten Trabis im Westen richtete. Für die Bevölkerung der DDR jedoch war auch ein Blick in das Zentrum der DDR-Mächtigen und damit hinter die Kulissen von größtem Interesse. Waren doch die Lebensumstände der Politbüromitglieder und ihrer Familien geheimnisumwittert.

Umgehend wollten Medien und Bevölkerung sich im November 1989 Klarheit darüber verschaffen, wie ihre prominenten Politiker in der Waldsiedlung Wandlitz gelebt hatten. „Wandlitz“ war dabei zur Chiffre einer Staatsmacht geworden, über die man bisher nur hatte spekulieren können. Nicht einmal auf amtlichen Plänen und Karten war die von einer grünen Mauer umgebenen Wohnsiedlung der Mächtigen verzeichnet. Was mochte sich hinter dem schmiedeeisernen Tor, das lediglich den Blick in einen Wald freigab, abgespielt haben? Aus Sorge vor Eindringlingen, Übergriffen und Attentaten war die Waldsiedlung vom Ministerium für Staatssicherheit bewacht. Äußerungen einiger Politbüromitglieder belegen in Wort und Film aber auch, dass die Bewohner sich stets überwacht - und sich somit als Opfer des selbst verantworteten eigenen Systems fühlten. Die Ausstellung „Wende in Wandlitz“ bietet viele Denkanstöße. Sie richtet sich an alle Geschichts-, Gesellschafts- und Politikinteressierten und ganz besonders auch an ältere Schüler und Studenten, die die Wendezeit nur theoretisch kennen.

„Moga Mobo: Das ewige Fleisch. Töten Leben Glauben“ im Deutschen Fleischermuseum

Drei Berliner Comiczeichner mit süddeutschen Wurzeln haben seit dem 18. April das Deutsche Fleischermuseum mit einer raumgreifenden und raumfüllenden Sonderausstellung übernommen. Moga Mobo steht synonym für „Comix für alle!“ und zwar gratis. Seit ihrer Gründung Anfang der 1990er-Jahre haben die Meister der „Martial Art of Heftchen“ circa eine Million Bildergeschichten-Publikationen unters Volk gebracht. Zur Sonderausstellung gibt es ein Gratis-Heft. In Heft und Ausstellung geht es – passend zum Ausstellungsort – um das „Fleisch“ in allerlei Aspekten. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Fleischessens, darum geht es genauso wie um die Frage: „In was können wir uns noch verbeißen?“ Das Fleischermuseum ist kaum wiederzuerkennen und neben dem Gratis-Comic-Buch gibt es gerade für Kinder und Jugendliche jede Menge zu entdecken. Die große Ausstellung der Künstlergruppe Moga Mobo über den Rohstoff des Lebens zeigt gezeichnete Reportagen von Schlachten, Bodybuilding, Hausmannskost und Fleisch aus der Retorte.

„Gesammelt. Geschenkt. Gewürdigt.“ Die „Sammlung Bleicher“ in der Städtischen Galerie

Zusammengetragen von einem der letzten Zeitzeugen spiegelt diese erste umfassende Präsentation der Schenkung „Sammlung Bleicher“ weitverzweigte Querverbindungen und zeitgenössische Thematiken wider und fängt eine vergangene Epoche als bewegendes und bildgewaltiges Panorama ein. Im Jahr 2017 schenkte Gerhard Bleicher nach reiflicher Überlegung sein über mehrere Jahrzehnte gewachsenes Kunstkonvolut der Städtischen Galerie Böblingen. Diese konnte dadurch ihre bereits existierenden Bestände von Plastiken und Gemälden um zahlreiche Papierarbeiten bedeutsamer (südwest-)deutscher Künstler nicht nur ergänzen, sondern beträchtlich erweitern. Die Ausstellung zeigt im Galerie-Kabinett mehr als 150 Grafiken und Drucke von bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland aus den Jahren 1900 – 1940 zu sehen (u.a. Ackermann, Dix, Grosz, Feininger, Kollwitz). Teilweise bedrückend, erschreckend geben die ausgestellten Werke eindrückliche Einblicke in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Eintritt und Öffnungszeiten

Ein Besuch in den Böblinger Museen während der Sommerferien lohnt sich also. Schüler und Studenten bezahlen keinen Eintritt, Erwachsene 2,50 Euro – 3 Museen, 1 Eintritt.

Das Museum Zehntscheuer, Pfarrgasse 2, 71032 Böblingen, in dem das Deutsche Bauernkriegsmuseum und die Städtische Galerie beheimatet sind, und das Deutsche Fleischermuseum, Marktplatz 27, haben von Mittwoch bis Freitag von 15.00 bis 18.00 Uhr, samstags von 13.00 bis 18.00 Uhr und sonntags von 11.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Montags und dienstags sind die Museen geschlossen.