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Von unserem Redakteur Hansjörg Jung · 19.01.2018

Die Heizung aus dem Farbkübel

Sindelfingen: Die Messe Haus & Energie präsentiert bis Sonntag in der Messehalle jede Menge Angebote rund ums häusliche Energiesparen, um Sicherheit und Wohnkomfort

Die Haus & Energie, die Messe für Hausbesitzer und solche, die es werden wollen, für Sanierer und Renovierer hat in der Sindelfinger Messehalle ihre Pforten geöffnet. Bis einschließlich Sonntag, 21. Januar, informiert die Messe über Lösungen und Angebote rund um die eigenen vier Wände – über Energiesparen im Allgemeinen und Heizen im Besonderen, über digitale Steuerungen für das ganze Haus, über Sicherheit und Wohnkomfort. Dazu stellen rund 150 Aussteller nicht nur ihre Produkte vor, sie stehen auch für die Beratung zur Verfügung.

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Die Beratung sieht Messe-Chef Ralph Hohenstein als einen wichtigen Pfeiler für den Erfolg der Messe, die in diesem Jahr in ihre 38. Auflage gegangen ist. „Wissen ist Macht“, sagt er. Wissen, das die Messe eben durch vielfältige Beratungsmöglichkeiten und Vorträge zur Verfügung stellt. Und das richtige Wissen kann im Zweifelsfalle auch Geld sparen. Beispielsweise wenn es um neue Heizungen geht. Bei den Energiepreisen ist die Tendenz – von kleinen Pausen einmal abgesehen – seit Jahren steigend. Angesichts der anhaltenden Null-Zins-Politik sagte Ralph Hohenstein: „Man kann sich ja überlegen, ob es Sinn macht, in die eigenen vier Wände zu investieren. Aber überhaupt nicht zu investieren, macht gar keinen Sinn.“

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Sindelfingens Baubürgermeisterin Corinna Clemens sieht nicht nur die Beratung als Trumpf der Messe. „Es ist ein großer Unterschied, ob ich im Internet ein Bild von einem Produkt sehe oder ob ich es hier anfassen und mit dem Aussteller darüber reden kann. Dies ist die Lösung beim Rätsel um den Erfolg der Messe“, sagt sie. Auch die Stadt setze bei ihren vielen Immobilien auf effiziente Nutzung der Energie. Rund 1,2 Millionen Euro seien zuletzt in den Ausbau der Fernwärme investiert worden. „Wir werden weitermachen“, kündigte die Baubürgermeisterin an.

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Mit dem Mieterstrom-Projekt, in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken und den Sindelfinger Wohnstätten, eröffneten sich zusätzliche Möglichkeiten zum Ausbau der Solarenergie in der Stadt. Davon profitierten nun auch Menschen, die kein eigenes Dach über dem Kopf haben. Beim Mieterstrom-Projekt stellten die Wohnstätten im Eichholz das Dach eines Mehrfamilienhauses zur Verfügung. Die Stadtwerke betreiben darauf eine Fotovoltaikanlage und den damit erzeugten Strom verbrauchen die Hausbewohner. Was übrig bleibt, wird in das Stromnetz eingespeist.

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Eines der überraschendsten Angebote der Messe hat der Stuttgarter Sanitär-Großhändler Wahl, der auch auf der Hulb einen Ausstellungsraum hat: die Heizung zum Aufpinseln. Das Produkt ist schon seit sieben Jahren in Österreich auf dem Markt. Dabei handelt es sich um eine leitfähige Farbe, die auf den Fußboden, die Wand oder an die Decke gepinselt und mit Stromkontakten verbunden wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Elektro-Heizungen soll das System im Betrieb sehr günstig sein. „Der Energiebedarf liegt bei dem einer Wärmepumpe“, sagt Ralf Hetzel, bei Sanitär Wahl für das System Carbon 4 zuständig. Durch die Infrarot-Strahlung der beschichteten Flächen, die nach dem Auftragen hinter einer Tapete oder Putz verschwinden, komme das System mit einem wesentlich geringeren Energieverbrauch zurecht. Die Energiekosten könnten im Vergleich zu einer üblichen Heizung um bis zu 40 Prozent gesenkt werden. Und wenn an der heizenden Wand einmal ein Bild aufgehängt werden soll? „Kein Problem“, sagt Ralf Hetzel. Der Nagel schadet der Funktion nicht – und dank Niederspannungstechnik auch nicht dem, der den Nagel einschlägt. Das System eigne sich vor allem auch an feuchten Wänden, da mit ihm die Schimmelbildung verhindert werde. Außerdem lasse es sich auch gut mit bestehenden Heizanlagen kombinieren.

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Die intelligente und individuelle Steuerung der verschiedensten Funktionen im Haus via Smartphone oder Tablet ist einer der großen Renner der Messe. Am Stand der Elektroinnung Böblingen präsentieren dazu verschiedene Hersteller eine breite Palette von Möglichkeiten, über das Internet Funktionen des Alltags anzusteuern – vom Lichtschalter bis zur elektrischen Jalousie, von der Wechselsprechanlage bis zur Heizung.

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Traditionell und dennoch hochmodern funktionieren solche Steuerungen über Datenleitungen, die im Haus beim Bau verlegt werden. Mittlerweile haben die Hersteller in einer Allianz auch eine Plattform entwickelt, das sogenannte eNet Smart Home, das über Funksignale gesteuert wird und mit dem somit gerade auch Altbauten mit moderner Haustechnologie nachgerüstet werden können. Auch hier sind schon die meisten Funktionen wie Lichtschalter oder auch Jalousienheber bereits einsetzbar. Noch nicht auf dem Markt, aber wohl auch bald verfügbar, ist das Heizungsventil für das System.

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Mit dem Schwerpunkt-Thema Elektro- und Erdgasmobilität sind die Stadtwerke Sindelfingen in diesem Jahr auf der Haus & Energie vertreten. Dabei geht es unter anderem auch um die hauseigene Förderung von Erdgas-Fahrzeugen, die bei einer Neuanschaffung oder Umrüstung bis zu 300 Euro betragen kann. Wichtige Informationen gibt es auch für E-Mobil-Fahrer, die sich zu Hause eine Ladestation einrichten lassen wollen. Denn diese muss, sofern es sich nicht um eine Ladeeinrichtung bis 4,6 kVA handelt, bei den Stadtwerken angemeldet werden.

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Am Stand der Sindelfinger Stadtwerke hat auch Berthold Hanfstein von der Energieagentur des Landkreises Unterschlupf gefunden. Das am meisten nachgefragte Thema bei ihm: das Erneuerbare-Wärme-Gesetz in Baden-Württemberg. Danach müssen nach dem Einbau einer neuen Heizung mindestens 15 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien kommen. Dabei kommen unter anderem Solarthermie, Fotovoltaik oder auch Wärmepumpen infrage. Bisweilen reicht es aber auch aus, die Kellerdecke zu isolieren. „Das Ganze ist etwas kompliziert. Deshalb sollten sich die Interessierten am Besten zu einer Beratung anmelden“, sagt Berthold Hanfstein. Zum Beratungsprogramm gehören auch Informationen, wie der Tausch der Heizung gefördert werden kann.

Vor rund 30 Jahren kam SZ/BZ-Redakteur Hansjörg Jung zum ersten Mal auf die Haus & Energie. „Ich finde es noch immer faszinierend, was auf der Messe alles angeboten wird“, sagt er.

Erdgas-Mobilität am Stand der Stadtwerke mit Geschäftsführer Dr. Karl Peter Hoffmann (rechts), der Berthold Hanfstein von der Energieagentur den Wagen zeigt. Bilder: Jung