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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 27.05.2017

Die gefühlte Europameisterin

Fußball: Die Böblinger Greta Stegemann verletzt sich beim Abschlusslehrgang vor der U17-EM und erlebt so den Titelgewinn am Spielfeldrand

Mittendrin jubelt Greta Stegemann. Sie freut sich mit ihren Mannschaftskameradinnen, hüpft herum, so gut es eben geht. Soeben hat die deutsche U-17-Auswahl der Juniorinnen im Elfmeterschießen der Fußball-Europameisterschaft in Tschechien die Mannschaft Spaniens 3:1 geschlagen. Der ausgelassenen Freude auf dem Platz folgt eine lange Party mit Cola und Pizza. „Wir waren vielleicht gegen drei oder vier Uhr im Bett“, sagt die 16-Jährige.

Greta Stegemann gehört dem Kader der deutschen U-17-Auswahl an. Dennoch absolvierte sie bei den Titelkämpfen keine Partie. Die Böblingerin, die seit Sommer beim SC Freiburg spielt, verletzte sich in einem Vorbereitungslehrgang zur EM in Barsinghausen am Sprunggelenk. „Ich hatte im Abschlusstraining bei einem Schuss meinen Fuß dazwischen gestellt, bin blöd aufgekommen und habe mir zwei Außenbänder gerissen“, erzählt die Schülerin. Um eine Operation kam Greta Stegemann herum, der Fuß wurde ruhiggestellt. „Das war natürlich ganz bitter für mich, das ist echt dumm gelaufen“, sagt Stegemann, die wohl im Aufgebot gestanden hätte.

Beim SC Freiburg hat sich Greta Stegemann deutlich weiterentwickelt. Das Team trainiert auf einem deutlich höheren Niveau, als es bei ihrem Heimatklub SV Böblingen der Fall war. Zudem stehen auch morgens wöchentlich zwei Trainingseinheiten auf dem Plan, Schwerpunkt ist dabei Kraft, Koordination und Athletik. In den Punktspielen ist sie darüber hinaus deutlich stärker gefordert. „In der Bundesliga wird erheblich schneller gespielt“, sagt Stegemann, die aktuell mit ihrem Freiburger Team auf Platz drei in der Tabelle steht. Heute spielt der SC zu Hause gegen den 1. FFC Frankfurt, mit einem Sieg würden die Freiburger die Frankfurter noch überholen und auf Platz zwei klettern. Derzeit trainiert Greta Stegemann mit dem Fahrrad, sie führt auch Stabilisierungsübungen durch.

Das Endspiel in Tschechien verfolgt Stegemann zunächst auf der Tribüne. Dort sitzt sie gemeinsam mit Anna-Lena Stolze, die aufgrund einer Verletzung ebenfalls nicht an der EM teilnehmen kann. Es sei schwierig nur zuschauen und nicht in das Spiel eingreifen zu können, sagt Greta Stegemann. Bei nahezu jeder gefährlichen Aktion in der Offensive wie in der Defensive springen beide auf, fiebern mit, rufen etwas aufs Feld. „Es ist für mich unheimlich anstrengend zuzuschauen“, sagt Stegemann

Vor dem Elfmeterschießen verlassen beide ihren Platz oben auf den Rängen, stehen nun am Spielfeldrand, stehen sehr eng bei ihren Mannschaftskolleginnen. Keine Tore in der regulären Spielzeit. Zunächst bringt Lena Oberdorf die DFB-Elf in Führung. Dann verschießen Carla Piqueras Bautista und Laia Aleixandri seitens der Spanierinnen. Lea Bahnemann vergibt ebenfalls, Verena Wieder schießt das 2:0. Torhüterin Stina Johannes hält den Versuch von Anna Torrodá, Pina verkürzt auf 2:1. Melissa Kössler, die beste Schützin des gesamten Turniers, trifft zum entscheidenden 3:1.

Die Uefa testet bei der U17-Europameisterschaft einen neuen Modus beim Elfmeterschießen: Erst legt ein Team mit einem Schützen vor. Anschließend hat das gegnerische Team zwei Versuche in Folge, dann darf das andere Team zweimal antreten. Es wird so lange gespielt, bis jedes Team fünf Mal geschossen hat. ABBA nennt sich das. Bei Gleichstand nach jeweils fünf Schüssen wird der Modus mit zwei Versuchen pro Team fortgesetzt.

„Bei uns herrschen wenig Neid und Missgunst. Wir haben eine gute Kameradschaft. Die anderen Spielerinnen sind auch gleich zu uns gekommen“, erzählt Stegemann, die nach dem Elfmeterschießen und der Siegerehrung von U-17-Teammanagerin Jessica Behr dazu eingeladen wurde, gemeinsam mit dem Team in Pilsen zu übernachten. „Ursprünglich war geplant, dass ich nach dem Endspiel nach Hause fahre. Natürlich habe ich das Angebot sofort angenommen“, erzählt Stegemann, die mit dem Team nach dem Erfolg erst einmal zwei Stunden in der Kabine feiert, ehe es ins Mannschaftshotel geht. Am Tag nach dem Titel werden die Spielerinnen in Nürnberg empfangen.

Greta Stegemann darf noch ein Jahr in der U-17-Nationalmannschaft spielen. Die 16-Jährige wird nach auskurierter Verletzung wieder mittendrin sein und sicherlich auch auf dem Feld dabei.

Bitte lächeln: Greta Stegemann mit DFB-Auswahl und EM-Pokal. Bild: z