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Von unserem Redakteur Daniel Krauter · 02.08.2017

Der Wasserstoff nimmt Fahrt auf

Sindelfingen: In der Neckarstraße können die Kunden an einer von deutschlandweit 32 Wasserstoff-Tankstellen tanken / Baden-Württemberg mit bundesweiter Vorreiterrolle

Ab sofort kann man bei Shell in der Sindelfinger Neckarstraße auch Wasserstoff tanken. Mit neun Betankungsmöglichkeiten für emissionsfreie Brennstoffzellen-Autos nimmt Baden-Württemberg deutschlandweit eine Vorreiterrolle ein.

„Heute ist ein schöner Tag. Nicht nur wettertechnisch, sondern auch weil ich eine weitere Wasserstoff (H2)-Tankstelle in Baden-Württemberg einweihen darf“, sagte Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Mit der neuen Wasserstoff-Tankstelle in der Sindelfinger Neckarstraße gibt es nun insgesamt neun Standorte in Baden-Württemberg, deutschlandweit sind es 32.

Elektromobilität mit Brennstoffzelle bedeutet vor allem saubere Mobilität, schnelles Tanken und hohe Reichweite. „Damit die Fahrzeuge jetzt auf die Straße kommen, brauchen wir ein großes H2-Tankstellennetz in Deutschland – in den Metropolen, entlang der Autobahnen und auch in der Fläche. Die Einrichtung von Wasserstoff-Stationen in konventionellen Tankstellen ist ein wichtiger Schritt“, so Norbert Barthle.

Bauherr der Wasserstoff-Station bei der Shell-Tankstelle in der Sindelfinger Neckarstraße ist Daimler, die Tankstellentechnik stammt vom Technologieunternehmen Linde. Die drei Firmen sind Partner im Joint-Venture H2 Mobility, das sich dem Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland verschrieben hat. „Unser neues Brennstoffzellenfahrzeug auf Basis des Mercedes-Benz GLC steht in den Startlöchern. Um für den Kunden eine echte Alternative zu sein, bedarf es natürlich eines flächendeckenden H2-Tankstellennetzes. Gemeinsam mit unseren Partnern der H2 Mobility arbeiten wir intensiv an dessen Ausbau. Emissionsfreie Langstreckenmobilität wird in Deutschland damit bald Realität“, sagte Jochen Hermann, Leiter Entwicklung CASE und Entwicklung e-Drive bei Daimler.

Die Bedienung der Wasserstoff-Station ist intuitiv, das Betanken ähnelt dem konventioneller Fahrzeuge und ist in drei bis fünf Minuten abgeschlossen. Ein Kilo Wasserstoff kostet 9,50 Euro. Damit kann man 100 Kilometer weit fahren. Der Preis ist deutschlandweit einheitlich. 40 wasserstoffbetriebene Autos können in Sindelfingen täglich bedient werden. Der Betrieb eines wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen-Fahrzeugs verursacht weder lokale Schadstoffe noch Kohlendioxid (CO2)-Emissionen. Einige Hersteller haben bereits solche Fahrzeuge im Angebot, deren Reichweite zwischen 500 und 700 Kilometer liegt.

Damit Wasserstoff-Mobilität zur Erfolgsgeschichte wird, bedarf es eines attraktiven Angebots an Brennstoffzellen-Fahrzeugen sowie zugleich einer entsprechenden Versorgungsinfrastruktur. Insgesamt sind derzeit 32 Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland fertiggestellt, gefördert durch die Bundesregierung über das Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP). Der Bund hat sich mit 1,8 Millionen Euro am Bau der beiden neuen Anlagen in Sindelfingen und Pforzheim beteiligt. Bis 2018 sollen es bereits 100 Stationen sein. Die Grundlage für den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland hat das Demonstrationsprojekt Clean Energy Partnerschaft (CEP) mit der Festlegung von gemeinsamen Standards und Normen gelegt.

„Dank zahlreicher Neueröffnungen in den vergangenen Monaten und Jahren ist Baden-Württemberg heute Deutschlands Wasserstoffregion Nummer eins. Wir sehen die hiesige Infrastruktur gut gerüstet für den bevorstehenden Marktstart neuer, attraktiver Brennstoffzellen-Modelle“, sagte Markus Bachmeier, Leiter Hydrogen Solutions, Linde AG.

Vor allem bei der Diskussion, wie Deutschland seine Klimaziele erreichen kann, spielt Wasserstoff eine große Rolle. Es ist eine der Möglichkeiten, das Kraftstoffangebot im Verkehrssektor klimafreundlich zu erweitern. Mithilfe von Wasserstoff, der mit erneuerbarer Energie erzeugt wird, lassen sich klimaschädliche CO2-Emissionen deutlich senken.

„Wasserstoff-Technik ist eine vielversprechende Technologie und Wasserstoff ein Kraftstoff der Zukunft. Wir gehen davon aus, dass dieser alternative Antrieb in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielt. Wir sind auf Kurs“, sagte Stijn van Els, Vorsitzender der Geschäftsführung Shell Deutschland Oil GmbH.

Franz Loogen, Geschäftsführer e-mobil BW verdeutlichte, dass bei der Energiewende dem Thema Wasserstoff eine immer größere Bedeutung zukomme. „Insgesamt kann regenerativ erzeugter Wasserstoff als Energieträger und dessen Nutzung in Brennstoffzellen als effizienter Energiewandler dazu beitragen, die globalen und nationalen Klimaschutzziele schneller zu erreichen“, sagte Franz Loogen.

Freuen sich über die neue Wasserstoff-Tankstelle in Sindelfingen: Thomas Bystry, Markus Bachmeier, Franz Loogen, Norbert Barthle, Stijn van Els, Jochen Hermann und Manfred Becker (von links).

Bild: Krauter