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Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 13.10.2014

Der Verkehrsminister mahnt zur Eile

Kreis Böblingen/Kreis Calw: Winfried Hermann sieht die Gefahr, dass die Landkreise die Finanzierung der Hesse-Bahn verbummeln

„Wenn sich die Kreise Böblingen und Calw bei der Hesse-Bahn nicht bald einigen, verstolpern sie die Finanzierung“, sieht Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die Gefahr, dass eine im Grunde gute Idee am Prellbock endet, bevor sie richtig auf dem Gleis steht. An seinem Ministerium, sagte er im Gespräch mit der SZ/BZ, würde es nicht liegen.

„Der Ball liegt im Spielfeld der beiden Landkreise. Wir haben zugesagt, dass wir die Reaktivierung der Bahnlinie fördern“, so der Minister. Das gelte im Übrigen nicht nur für die Hermann-Hesse-Bahn zwischen Renningen und Calw, sondern auch für die Elektrifizierung und den zweigleisigen Ausbau der Schönbuchbahn. Hier hatte sich der Böblinger Landrat Roland Bernhard zuletzt über mangelnde Zusammenarbeit beklagt (die SZ/BZ berichtete).

Heftig diskutiert wird in Renningen und in Weil der Stadt die Möglichkeit, die Dieseltriebwagen der Schönbuchbahn auf der Hermann-Hesse-Bahn einzusetzen, wenn die Linie zwischen Böblingen und Dettenhausen einmal unter Strom steht. Das rief in den beiden Städten im Nordwesten des Kreises Böblingen schnell Protest hervor: Man wolle keinen ausrangierten, stinkenden Regionalzug.

Die Sparlösung mit den gebrauchten Zügen ist für Hermann bei der Hesse-Bahn kein Muss: „Ich könnte mir vorstellen, dass man auch die Bahnlinie nach Calw elektrifiziert.“ Ob schließlich ein Diesel- oder ein Elektroantrieb zum Einsatz komme, müssten die Landkreise entscheiden. Für ihn stünden die beiden Bahnlinien in keinem Zusammenhang. Bei der Förderung gehe deshalb keines der beiden Projekte zu Lasten des anderen.

Schlecht vorstellen könne er sich, so der Minister, dass zwischen Renningen und Calw erst einmal Dieseltriebwagen pendeln und erst später auf den Elektroantrieb umgestellt wird: „Das würde zu teuer. Dann rechnet sich die Bahn nicht mehr.“

Inzwischen hat sich auch der Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart angenommen. Regionalrat Bernhard Maier, früher Renninger Bürgermeister und Böblinger Landrat, ist dort Sprecher der Freien Wähler. Maier beklagte im Vorfeld der Oktober-Sitzung, dass man zu wenig Daten und Fakten aus dem Calwer Landratsamt bekomme und machte sich die Sorge zu eigen, dass die S-Bahn darunter leide, wenn zwischen Renningen und Weil der Stadt auch noch die Hesse-Bahn verkehre. Die SPD-Fraktion im Stuttgarter Regionalparlament sieht das auch so und machte sich im Verkehrsausschuss für die Variante stark, die Hesse-Bahn nur zwischen Calw und Weil der Stadt pendeln zu lassen.

Der Verkehrsausschuss des Verbandes Region Stuttgart bekräftigte nochmal einen alten Beschluss, nach dem die Hesse-Bahn weder Nachteile für die Fahrgäste der S-Bahn noch für den Ausbau bringen dürfe. Der Landkreis Calw müsse seine Hausaufgaben in Abstimmung mit dem Verband Region Stuttgart machen, der für die S-Bahn zuständig ist.

Zur Verwirklichung der Hermann-Hesse-Bahn bleiben – stand heute – noch fünf Jahre. Im Jahr 2019 läuft nämlich die Förderung von Straßen und Schienen nach dem Gesetz über Finanzhilfen des Bundes zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden (kurz: Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) aus. Ein Folgeprogramm ist derzeit nicht in Sicht.

Der Bahnhof in Weil der Stadt ist heute Endstation der S-Bahn (S 6). Nach den bisherigen Planungen soll er zugleich zur Durchgangsstation der Hermann-Hesse-Bahn werden. Bild: Reichert