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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 06.11.2007

Den Sohn heftig gezüchtigt

Sindelfingen/Böblingen: Vater auf der Anklagebank des Amtsgerichts

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ong>Aus Verärgerung darüber, dass sein Sohn einen Hausschlüssel verloren hatte, packte der 50-jährige Vater den 13-Jährigen heftig und gab ihm eine Backpfeife. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung wurde er jetzt vom Böblinger Amtsgericht verurteilt.

 

Ein blaues Auge, Prellungen, ein Hämatom in der Ohrmuschel, ein geschwollenes Augenlid - das waren die Folgen der Attacke des Angeklagten gegen seinen 13 Jahre alten Sohn. Die Tat geschah am 14. Juni diesen Jahres gegen 12.30 Uhr in der Wohnung des Angeklagten in Sindelfingen. Dort lebte er nach der Scheidung von seiner Frau zusammen mit seinen beiden Söhnen.

 

Der Angeklagte gab zu, seinem Sohn einen Schlag auf die Wange verpasst zu haben, "vielleicht habe ich ihn auch am Ohr berührt, als ich ihn heftig packte. Verletzen wollte ich ihn aber nicht, ich bin doch sein Vater. Alles was ich wollte ist, dass er es kapiert." Kapiert, dass er in diesem Fall wie auch schon in den vergangenen Wochen nach Ansicht des Vaters einiges falsch gemacht habe. "Sein Benehmen war nicht gut in letzter Zeit. Ich dachte, ich müsste noch strenger sein mit ihm", sagte der 50-Jährige.

 

"Es fällt mir schwer, nur an eine Ohrfeige zu glauben, wenn ich mir die Lichtbilder anschaue", sagte der Vorsitzende Richter Kirbach zum Angeklagten. "Sie reden mit einem Vater", entgegnete der gelernte Industriekaufmann, "ich wollte ihn doch nur erziehen". Davon muss der 50-Jährige zunächst Abstand nehmen. Das Familiengericht Reutlingen entschied per einstweiliger Anordnung, dass die Mutter das Recht bekommt, den 13-Jährigen bei sich aufzunehmen. Derzeit gibt es keinen Kontakt zwischen dem Angeklagten und seinem jüngeren Sohn. Der ältere wohnt weiterhin bei dem Sindelfinger.

 

Aufgrund der Aussagen des Angeklagten verzichtete der Vorsitzende mit Einverständnis des Staatsanwalts sowie der Vertreterin des Nebenklägers und des Verteidigers auf die Vernehmung des 13-Jährigen. Richter Kirbach: "Die Situation ist derzeit schon angespannt genug. Mit Blick auf die Zukunft halte ich es nicht für sinnvoll, wenn hier der Sohn gegen den Vater Angaben machen muss." Für die Verhandlung sei dies zudem nicht unbedingt notwendig, zumal die Verletzungen des Jungen deutlich dokumentiert seien.

 

Kein passendes Erziehungsmittel

 

Die Anklage lautete auf Misshandlung von Schutzbefohlenen. Eine Verurteilung nach diesem Tatbestand hätte unter anderem vorausgesetzt, dass der Täter den Schutzbefohlenen gequält oder roh misshandelt haben oder dessen Gesundheit geschädigt haben muss. Diesen Grad aber hätten die Handlungen des Angeklagten noch nicht erreicht. Richter Kirbach verurteilte den 50-Jährigen daher wegen vorsätzlicher Körperverletzung. 90 Tagessätze à 20 Euro muss der Angeklagte als Geldstrafe bezahlen. "Körperliche Züchtigungen sind kein passendes Erziehungsmittel", sagte Richter Kirbach in seiner Urteilsbegründung.