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Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 03.04.2017

„Das E-Bike-Fahren muss man lernen“

Sindelfingen: Teilnehmer des E-Bike-Symposiums von SZ/BZ und Sportivo erhalten von Wolfgang Renner und Hannes Genze jede Menge Tipps zum motorunterstützten Radeln

Ein E-Bike ist nicht nur wegen des Motors, der eine gehörige Portion Antrieb zur Muskelkraft hinzugibt, etwas anders als ein gewöhnliches Fahrrad. „Das E-Bike-Fahren muss man richtiggehend lernen“, sagte Wolfgang Renner am Samstag am Rande des E-Bike-Symposiums der SZ/BZ und des Sindelfinger Radsportfachgeschäfts Sportivo.

Der Magstadter, einst mehrfacher Deutscher Meister im Kunstradfahren und im Querfeldein, brachte nach seiner Aktivenzeit das Mountainbike nach Europa. Der Inhaber der Marke Centurion und geschäftsführender Gesellschafter der Merida-Centurion-Germany GmbH fordert: „Wir bräuchten richtige E-Bike-Schulen.“

Eine Schnelleinweisung gab es für die gut zwei Dutzend Teilnehmer des E-Bike-Symposiums durch den Sindelfinger Hannes Genze. „Prinzipiell“, so der Entwicklungsingenieur bei Centurion, „funktionieren alle E-Bikes gleich. Man wählt aus, wie viel Prozent der Motor zur eigenen Leistung dazugeben soll, zwischen 50 und 300 Prozent.“ Ideal sei dabei eine Trittfrequenz von 70 bis 80 Umdrehungen pro Minute.

Doch damit fangen die Tücken an. Wolfgang Renner: „Man muss lernen, vorausschauend zu schalten.“ Aus verschiedenen Gründen. Hannes Genze: „Der Motor bringt zusätzlichen Druck auf die Kette. Wenn ein paar unglückliche Umstände zusammen kommen, könnte sie schon mal reißen.“ Oder: „Wer mit einem zu großen Gang in einen Anstieg hineinfährt, tritt langsamer und ausgerechnet bergauf nimmt dann der Motor seine Unterstützung zurück.“

Um da keine Überraschung zu erleben, etwa wenn der Vordermann plötzlich anhält, empfiehlt Genze den E-Bikern, zehn Meter Abstand: „Dann sehe ich nicht nur, was der vor mir macht, sondern auch noch etwas von der Landschaft. Vor allem aber: Ich kann noch reagieren und ebenfalls anhalten oder vorbeifahren.“

Ein anderes Kapitel ist das Bremsen. Hannes Genze: „Die Wirkung der Vorderradbremse ist viel besser als die der Hinterradbremse.“ Darin liegt insbesondere auf geschotterten Feld- und Waldwegen ein Risiko. Wer ruckartig bremst, dem kann das Vorderrad auf Schotter genauso ruckartig wegrutschen.

Weil ein E-Bike etliche Kilogramm mehr auf die Waage bringt als ein unmotorisiertes Fahrrad, sind die meisten Elektroräder mit Scheibenbremsen ausgestattet. Diese greifen, insbesondere bei Nässe, besser als Felgenbremsen. Und die Bremswirkung lässt sich feiner dosieren. Die Dosierung ist jedoch eine Kunst für sich. Wolfgang Renner (Bild: Reichert): „Da hilft nur üben, üben, üben.“ Vor allem in Schrecksituationen dürfe man sich nicht dazu verleiten lassen, einfach beide Bremshebel mit voller Kraft zu ziehen.

Gerald Riehm führte die E-Biker von Sindelfingen über die Panzerstraße nach Musberg und ins Siebenmühlental, durch den Wald nach Waldenbuch, auf dem Sculptoura-Radweg nach Schönaich und über die Panzerstraße wieder nach Sindelfingen. Gemeistert haben die 41 Kilometer alle, wobei etwa die Hälfte der Teilnehmer zum ersten Mal auf einem E-Bike saß.

Senior unter den Teilnehmern am Symposium war der 79-jährige Toni Beck. Der Sindelfinger ist vor zwei Jahren aufs E-Bike umgestiegen. Er meinte damals, als seine Frau zum E-Bike ja sagte, er brauche das noch nicht: „Aber auf der Fahrt nach Pforzheim hat meine Frau an jedem Buckel gefragt: Wo bleibsch denn?“ Derzeit bereitet sich das Ehepaar auf eine E-Bike-Tour von der Nord- zur Ostsee vor.

Die einzige Panne hatte am Samstag ausgerechnet Hannes Genze zu beklagen. Der ehemalige Mountainbikeprofi zeigte, wie man eine Treppe hochfährt, und handelte sich dabei an einer scharfkantigen Stufe einen Plattfuß am Vorderrad ein.

Ungeplante Unterweisung auf der E-Bike-Tour: Hannes Genze hat sich einen Platten eingefahren und musste an seinem Vorderrad den Schlauch wechseln.

Über die Stufen hochzufahren, ist nur ein Spaß für Profis.

Hannes Genze (im roten Trikot), Entwicklungsingenieur bei Centurion, gibt den Teilnehmern des E-Bike-Symposiums Tipps zum Fahren mit Motorunterstützung.

Mit Motorunterstützung auf Tour: Die Teilnehmer des E-Bike-Symposiums der SZ/BZ und des Sindelfinger Radsportfachgeschäfts Sportivo auf dem Weg ins Siebenmühlental. Bilder: Reichert