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Von unserem Redakteur Philipp Hamann · 19.03.2015

Darauf haben wirkeinen großen Einfluss

Das Sportgespräch: Stefan Wagner, Vorsitzender des Fanclubs VfB-Power-Sindelfingen, über die wachsende Zahl gewaltbereiter Anhänger in der Fußball-Bundesliga

Der VfB Stuttgart spielt die schlechteste Saison seiner Bundesliga-Geschichte. Seit sechs Wochen leuchtet die rote Laterne des Tabellenletzten über dem Vereinsheim in Bad Cannstatt und beim letzten Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin sorgten auch noch die Anhänger der Roten für Randale.

Die SZ/BZ hat mit dem 32-jährigen Stefan Wagner, dem Vorsitzenden des Fanclubs VfB-Power-Sindelfingen, über die sportliche Talfahrt und die gestiegene Gewaltbereitschaft rund um die Bundesliga-Stadien gesprochen.

Macht es in der gegenwärtigen Situation überhaupt noch Spaß, Anhänger des VfB Stuttgart zu sein?

Stefan Wagner: „Ehrlich gesagt sind die Momente in den vergangenen drei, vier Jahren selten geworden, in denen man Freude an den Spielen des VfB Stuttgart haben konnte.“

Nach jeder Meisterschaft geht es mit dem VfB bergab

Wo sehen Sie die Ursachen für die sportliche Misere?

Stefan Wagner: „Das ist die Konsequenz aus der jahrelangen Misswirtschaft. Nach jeder Meisterschaft geht es bei uns bergab. Das hat beim VfB Tradition. Irgendwie passt das sogar, wir sind ja auch ein Traditionsverein.“

Schafft die Mannschaft in den letzten neun Spielen noch den Klassenverbleib?

Stefan Wagner: „Das kann ich mir nur schwer vorstellen. Wir müssten mal ein Spiel gewinnen, doch ich weiß beim besten Willen nicht, wie die Mannschaft das schaffen will.“

Wie ist die Stimmung unter den Fans in der Cannstatter Kurve?

Stefan Wagner: „Seit einem Jahr hat sich dort unter vielen Anhängern Lethargie und Gleichgültigkeit breit gemacht. Ich habe am vergangenen Freitag in Leverkusen – wie viele andere auch – den VfB-Fanblock in der Halbzeitpause verlassen. Das Spiel konnte man wirklich nicht mehr mit anschauen.“

Im letzten Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin gab es schwere Krawalle. Vor allem rund um den Cannstatter Bahnhof. Wie konnte es so weit kommen?

Stefan Wagner: „Gegen Berlin gibt es immer eine aufgeheizte Stimmung, denn Hertha BSC hat eine Fan-Freundschaft mit Karlsruhe. Wie ich gehört habe, sind fast 500 KSC-Fans mit der S-Bahn zum Cannstatter Bahnhof gefahren. Wie das bei den vielen szenekundigen Beamten passieren konnte, ist mir ein völliges Rätsel.“

Können die offiziellen Fanclubs derartige Ausschreitungen nicht verhindern?

Stefan Wagner: „Darauf haben wir keinen großen Einfluss. Wenn sich diese Gruppen auf der grünen Wiese zur Schlägerei verabreden, ist das auch ihre Sache. Wenn dann aber Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen und Auto beschädigt werden, ist das nicht in Ordnung.“

Am Samstag kommt Eintracht Frankfurt mit seinen teilweise problematischen Fans nach Stuttgart. Droht da der nächste Ärger?

Stefan Wagner: „Das will ich nicht ausschließen. Die Gefahr ist gegen Frankfurt immer gegeben.“

In der Relegation kommt es möglicherweise zu einem Duell zwischen dem VfB Stuttgart und dem Karlsruher SC. Gibt es dann erneut Randale?

Stefan Wagner: „Das kann ich mir gut vorstellen. Glücklicherweise bin ich zum Zeitpunkt der beiden Relegationsspiele im Urlaub. Ich will mich gar nicht damit beschäftigen, dass wir dann scheitern könnten. Diese Schmach würde dem VfB Stuttgart die nächsten 50 Jahre anhaften.“

Kann man überhaupt noch unbehelligt mit Kindern ins Stadion gehen?

Stefan Wagner: „Natürlich. Ich würde meine fünfjährige Tochter auf jeden Fall mitnehmen. Man muss nur die dunklen Ecken in Bad Cannstatt und die Ansammlung von vermummten Gestalten meiden, dann kann nichts passieren.“

Info

Eine Übersicht über die offiziellen Fanclubs des VfB Stuttgart gibt es unter tinyurl.com/mkmd39t