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Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber · 18.04.2019

Comics über „Töten Leben Glauben“

Böblingen: Heute eröffnet die Ausstellung „Das ewige Fleisch“ der Comic-Künstlergruppe Moga Mobo im Deutschen Fleischermuseum

Das Thema Fleisch Thomas Gronle, Titus Ackermann, Jonas Greulich (von links) sehr weit gefasst. Bild: Staber

Unter dem Titel „Das ewige Fleisch – Töten Leben Glauben“ zeichnet die Comic-Künstlergruppe Moga Mobo für die neue Ausstellung im Deutschen Fleischermuseum Böblingen verantwortlich, die Museumsleiter Dr. Christian Baudisch gemeinsam mit den Künstlern Thomas Gronle, Titus Ackermann und Jonas Greulich heute um 19 Uhr eröffnet.

„Wir erstellten eine Liste, mit der wir der Frage nachgingen: Wie weit können wir das Thema Fleisch fassen?“ So beschreibt Thomas Gronle den Ideenfindungsprozess, mit dem sich die Gruppe Boga Mobo vor einem Jahr daran machte, den Auftrag von Christian Baudisch umzusetzen. „Könnt ihr euch vorstellen, ein Fleischheft samt dazu passender Ausstellung zu machen?“, hatte dessen Frage an die inzwischen in Berlin wirkende Gruppe gelautet.

Als gebürtigem Böblinger bekam Thomas Gronle den Auftrag, während eines Heimatbesuchs vor Ort auszukundschaften, ob sich Moga Mobo in der Tat dies vorstellen konnten. „Dass im Fleischermuseum ein frischer Wind weht, wusste ich“, so Gronle: „Hier hat sich mein Sohn mit meinen Eltern eine Ausstellung zu ‚Äffle und Pferdle‘ angesehen.“ Thomas Gronle stellte außerdem fest: „Christian Baudisch ist cool. Der hat richtig Bock auf das, was er macht. Und er tickt wie wir.“

Kult in Szene-Kneipen

1998 war Thomas Gronle zu Moga Mobo gestoßen, „als Fanboy“, wie er sagt. Seit 1994 gaben Moga Mobo unter dem Motto „Comix für alle“ eine kostenlose Comic-Zeitschrift heraus, die sich rasch zum Kultgegenstand in den Stuttgarter Szene-Kneipen entwickelte. „Ich schrieb 1995 einen Artikel für das Stadtmagazin Lift über Moga Mobo“, erzählt Christian Baudisch.

Insgesamt zwei Millionen Hefte haben Mogo Mobo inzwischen weltweit verteilt, zum 25-jährigen Wirken der Gruppe gehören Gastspiele in Tokio und Havanna, unter anderem auf Einladung des Goethe-Instituts. Wie lässt sich die Grenze des Comics in Richtung Kunst verschieben? So lautet einer der Fragen, die Moga Mobo mit immer wieder neuen Ideen bespielen, formal und inhaltlich.

Beim Heft zur Böblinger Ausstellung handelt es sich um die 114. Ausgabe von Moga Mobo. In einer Auflage von 20 000 Stück wird es deutschlandweit kostenlos zu haben sein – in Szenekneipen und Clubs in Stuttgart und Berlin sowie in Comic-Läden bundesweit. Und im Deutschen Fleischermuseum Böblingen.

Das Thema Fleisch lässt sich sehr weit fassen: Zu diesem Ergebnis kamen Moga Mobo vor einem Jahr und machten sich an die Recherche. Denn für die Böblinger Ausstellung wählten die drei Künstler die Darstellungsform Comic-Reportage. „Das Thema Fleisch wird sehr schnell politisch“, sagt Thomas Gronle: „Wenn man daran denkt, wie aufgeladen Begriffe wie ‚vegan‘ oder ‚bio‘ sind.“

Und auch Geschlechterrollen spielen beim Thema mit: „Im Gespräch mit meiner Mutter ist mir erst im Rahmen dieser Recherche klar geworden, wie wenig Lust sie eigentlich hatte, immer die Rolle der perfekten Hausfrau zu spielen, die Sonntags den Braten auf den Tisch stellt.“

In sechs Comic-Reportagen spannt „Das ewige Fleisch“ den Bogen von „Der Sonntagsbraten“ über „Sarah Wieners Biofleisch“, die Jagd oder „Fleischeslust“ bis hin zu „Tierkadaverbeseitigung“ - eingeteilt in die Kategorien „Töten“, „Leben“ und „Glauben“. Die sechs Räume des zweiten Obergeschosses im Fleischermuseum sind diesen Comics gewidmet – ergänzt durch dreidimensionale Objekte. Im ersten Geschoss finden sich Exponate zum Thema „25 Jahre Moga Mobo“.

Für die Ausstellung hat Christian Baudisch klar Schiff gemacht im Fleischermuseum. „Die Dauerausstellung hat sich verkrümelt“, so Baudisch: „Im Oktober werde ich überlegen, wie ich sie neu konzipieren kann.“

Info

Die Eröffnungsfeier von „Das ewige Fleisch“ mit Oberbürgermeister Stefan Belz findet heute um 19 Uhr im Deutschen Fleischermuseum Böblingen statt. Die Ausstellung ist anschließend bis zum 13. Oktober zu sehen, und zwar mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 13 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr.