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Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 12.12.2014

Bertrandt AG: ein Jahr der Rekorde

Ehningen: Höchster Gewinn, größter Umsatz, 2,40 Euro Dividende, neue Bestmarke bei den Investitionen und mehr Mitarbeiter denn je

Das Geschäftsjahr 2013/14 (1. Oktober bis 30. September) war das bisher erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte der Bertrandt AG. Der Ehninger Ingenieurdienstleister verdiente mit 62,3 Millionen Euro so viel wie noch nie. Mit 2,40 Euro je Aktie soll auch die bisher höchste Dividende ausgeschüttet werden. Der Großteil des Gewinns bleibt jedoch im Unternehmen.

„Durch die steigende Anzahl an Technologielösungen, die zunehmende Modellvielfalt und eine Verkürzung der Modellzyklen hat die Automobilbranche das Outsourcing von Entwicklungsdienstleistungen in den letzten Jahren ausgeweitet. Dabei geht der Trend hin zur Vergabe größerer Gewerke.“ So erklärte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Bichler gestern in der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart den Erfolg seines Unternehmens.

Entwicklungen für die Automobilindustrie, vor allem im Bereich Elektronik, sind der Schwerpunkt der Bertrandt AG. Hinzu kommen Ingenieurdienstleistungen für die Luftfahrt, den Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik, Medizintechnik und die Energiebranche.

Die Automobilindustrie gab im letzten Jahr weltweit 27 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus, davon allein 17,4 Milliarden in Deutschland. Bertrandt, so Dietmar Bichler (Bild: z), habe bei Themen wie umweltfreundliche Mobilität, Sicherheit, Komfort und Vernetzung sowie durch die zunehmende Modellvielfalt von dem erhöhten Entwicklungsvolumen profitiert.

In der Luftfahrtindustrie, wo die Entwicklung neuer Flugzeugmodelle zumindest vorerst abgeschlossen sei, gehe es um neue Technologien zur Verringerung der Schadstoff- und Lärmemissionen. Zugute kämen Bertrandt – etwa in der Elektronik- und in der Sitzentwicklung – hausinterne Synergien zwischen Flugzeug- und Fahrzeug-Engineering.

Der Maschinen- und Anlagenbau verzeichnete im vergangenen Jahr einen Produktionsrückgang um 1,5 Prozent, die Elektrotechnik um 2,7 und die Energiebranche sogar um fünf Prozent. Diese Geschäftsbereiche sind bei Bertrandt wie die Medizintechnik (plus 2,2 Prozent) in der Services GmbH angesiedelt.

Auf Nachfrage der SZ/BZ sagte Dietmar Bichler, trotz des schwierigeren Umfeldes habe diese Tochtergesellschaft im vergangenen Geschäftsjahr Gewinn gemacht. Sie sei allerdings langsamer gewachsen als der übrige Teil des Konzerns.

Beim Umsatz legte Bertrandt um 11,3 Prozent zu. Aus den 870,6 Millionen Euro erwirtschaftete der Konzern nach Steuern 62,3 Millionen Euro Gewinn (Vorjahr: 57,3 Millionen). Dies sind 6,19 Euro je Aktie (Vorjahr: 5,69 Euro).

Die ausländischen Tochtergesellschaften erreichten ein Umsatzplus von 26,9 Prozent auf 68,8 Millionen Euro. Dies sei vor allem auf die gute Entwicklung des US-Geschäfts und das verbesserte Marktumfeld in Frankreich zurückzuführen. Das Betriebsergebnis im Ausland sei von 4,3 Millionen auf 5,4 Millionen Euro gestiegen.

Der Materialaufwand stieg von 62,9 Millionen auf 71,4 Millionen Euro, die Abschreibungen von 19,6 Millionen auf 22,2 Millionen Euro und der Personalaufwand um 11,3 Prozent auf 624,1 Millionen Euro.

Bertrandt beschäftigte am 30. September 2014 insgesamt 11 561 Ingenieure, Techniker und Kaufleute, 732 mehr als zwölf Monate zuvor und damit mehr denn je. Für Qualifizierungen gab das Unternehmen 12,4 Millionen Euro aus. Das sind 14 Prozent mehr als im vorhergehenden Geschäftsjahr.

Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung, die am 18. Februar 2015 in Sindelfingen stattfinden wird, eine Dividende von 2,40 Euro je Aktie vor. Für das Geschäftsjahr 2012/13 gab es die bisherige Rekord-Dividende von 2,20 Euro.

Mit der erneut verbesserten Eigenkapitalquote von 59,4 Prozent, gehört Bertrandt nicht nur – Dietmar Bichler betonte – zu den substanzstarken Unternehmen der Automobilbranche, sondern auch zu den solidesten deutschen börsennotierten Gesellschaften.

Die Rekordinvestition von 66,8 Millionen Euro (Vorjahr: 34,7 Millionen) wurde ohne Fremdfinanzierung gestemmt. Davon wurden allein 24 Millionen Euro für den Kauf von Immobilien ausgegeben, die bisher angemietet waren. Im laufenden Geschäftsjahr, so Finanzvorstand Markus Ruf, wolle man in ähnlicher Größenordnung investieren.

Mit Planzahlen für das laufende Geschäftsjahr hielt sich Dietmar Bichler wie immer zurück. Es sei denkbar, so der Vorstandsvorsitzende, dass der Mitarbeiterstamm wie zuletzt weiter aufgebaut werde.

Bei den Finanzzahlen verwies er auf Analystenschätzungen. Diese gehen von einem weiteren starken Wachstum des Konzerns aus und haben Kursziele für die Aktie bis zu 129 Euro ausgegeben (gestern tatsächlich: 115,50 Euro). Da die Automobilkunden von Bertrandt mit 44 neuen Modellen fest planen (ohne den Ersatz für auslaufende Fahrzeugreihen) und durch die erwähnte mögliche Entwicklung des Personalbestandes deutete auch Bichler an, dass mit einer anhaltenden Aufwärtsentwicklung rechnet.

Motorenentwickler bei Bertrandt arbeiten an einem neuen Turbolader. Bild: z