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Von unserem Mitarbeiter Konrad Buck · 22.02.2010

Angst vor Raub- und Rabenvögeln

Gärtringen-Rohrau: Kiebitze sollen sich in der Krebsbachaue ansiedeln / Pappeln sorgen für Diskussion

In der Rohrauer Krebsbachaue könnte der Kiebitz, eine gefährdete Vogelart, ein neues Refugium finden. Es regen sich aber Proteste. Denn für die Kiebitze müssten sechs Pappeln gefällt werden.

 

"Der Kreis Böblingen war einst der kiebitzreichste Landkreis. Jetzt sind die Vögel hier vom Aussterben bedroht", sagt Oliver Maier von der Nabu-Ortsgruppe Gärtringen/Nufringen/Rohrau. Weil das Flugfeld zwischen Böblingen und Sindelfingen bebaut wird, steht auch dieses Areal nicht mehr als Rückzugsfläche zur Verfügung - es war eines der letzten Refugien in der Region Stuttgart. In der Rohrauer Krebsbachaue wollen Landratsamt und Naturschutzbund wieder eine Kiebitz-Population ansiedeln.

 

Ein umstrittenes Projekt

 

Der Kiebitz ist eine Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer. Er ist ein Charaktervogel der Wiesen- und Weidelandschaft und kommt in Europa und Asien vor. Sein Brutgebiet muss flach und offen sein. Baumvegetation darf nur gering vorkommen. Die Kiebitz-Population ist stark rückläufig - unter anderem, weil Äcker immer früher im Jahr bewirtschaftet werden. Zudem vernichten Pflanzenschutzmittel Insekten und zerstören so die Nahrungsgrundlage der Vögel.

 

Das Kiebitz-Projekt in der Krebsbachaue ist umstritten. In Rohrau gibt es Proteste gegen die Pläne, weil man dafür sechs Pappeln fällen müsste. "Diese gesunden Bäume beherbergen im Frühling und Sommer viele Insekten und Vögel und spenden Spaziergängern Schatten", sagt Eva Lehmacher, Vorsitzende des "Vereins zur Erhaltung der Lebensqualität in Rohrau".

 

Allerdings könnten die Bäume als Hort für Raub- und Rabenvögel dienen, welche die jungen Kiebitze oder deren Eier fressen. Außerdem versperren sie die Sicht für die Kiebitze. Der Naturschutzbund fordert deshalb, die Pappeln zu entfernen. "Wegen der Bäume haben wir zähe Verhandlungen geführt", sagt Oliver Maier. Die Bäume hält er für entbehrlich, weil sie kein standortgerechtes Gewächs und auch nicht geschützt seien. Auch laut Ortsvorsteher Norbert Sünder könne man auf die Pappeln verzichten. "Die Kiebitz-Ansiedlung ist von größerem Nutzen", sagt er.

 

Der Kiebitz als Bodenbrüter braucht feuchte Böden und regelmäßig bewachsene Flächen. Daher ist auch vorgesehen, in der Krebsbachaue feuchte Senken, so genannte Blänken, zu schaffen. Die Zeit drängt, denn die Pappeln dürfen nur noch im Februar gefällt werden. Zudem kommen die Kiebitze bereits wieder im März in hiesige Gefilde zurück. Derzeit weilen sie im Mittelmeerraum. "Die nächste Kiebitz-Kolonie befindet sich im Raum Heilbronn", sagt Oliver Maier. Er hält es für einen Erfolg, wenn sich in der Krebsbachaue ein Dutzend Kiebitze ansiedeln würden. Auf dem Flugfeld waren es nach Maiers Angaben drei bis vier Paare.

 

Grundstücke gehören der Gemeinde

 

Die Kiebitze anzusiedeln wäre ein Bestandteil des Rohrauer Krebsbachauen-Projekts. Um dieses Gebiet renaturieren zu können, fehlen immer noch einige Grundstücke, die die Gemeinde bislang noch nicht erwerben konnte. Norbert Sünder: "Wir sind jede Woche dran, und ich bin guten Mutes, dass wir die Verhandlungen erfolgreich abschließen können." Bei den Kiebitzen gibt es dieses Problem nicht. In diesem Bereich gehören alle Grundstücke inzwischen der Gemeinde.

 

Einige der bedrohten Kiebitze könnten bald wieder eine Heimat im Kreis Böblingen finden - genauer gesagt in der Krebsbachaue in Rohrau. Bild: z

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