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Von unserem Mitarbeiter Heinz Richter · 19.06.2017

Zwei Tage das Mekka des Töpfer-Handwerks

Darmsheim: 77 Aussteller und mehrere Tausend Besucher schaffen bei der 36. Ausgabe des Töpfermarkts eine ganze besondere Atmosphäre in der Ortsmitte

Zwei Tage lang war Darmsheim wieder einmal das Mekka der Töpferkunst. Wie üblich am dritten Sonntag im Juni fand der Töpfermarkt auf dem Marktplatz, rund ums Backhaus und die Zehntscheune statt. 77 Aussteller kamen vor allem aus Süddeutschland. Die weiteste Anreise hatten Igor Balgary aus Trnava in der Slowakei und Dominique Friedrich aus Avignon in Frankreich.

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Die Produkte sind vorwiegend auf der Töpferscheibe gedreht, frei gehenkelt und von Hand mit den unterschiedlichsten Dekos verziert. Mit Holz-, Elektro- und Gasbrand sowie Raku sind fast alle Techniken vertreten. Es gibt aber auch Künstler, die nur ihre Hände zum Formen des Tons benutzen. In der Zehntscheune zeigte Jochen Rüth aus Altisheim seine Keramikarbeiten.

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Seit zehn Jahren kommt Ines Verschl von der Emmendinger Töpferei zum Darmsheimer Töpfermarkt. Sie bietet Keramikgeschirr an. „Darmsheim ist einer unserer wichtigsten Märkte“, sagt Ines Verschl. 20 Jahre lang können Kunden bei ihr Geschirr nachkaufen. Das komme nicht selten vor. Bei 1300 Grad wird bei Ines Verschl aus Ton Steinzeug, die Vorstufe von Porzellan. Sie verwendet Ton aus dem Westerwald. Am Ton kann nichts verändert werden, aber es gibt eigene Rezepturen bei den Glasuren. „Die Farbe Türkis ist in diesem Sommer beim Geschirr stark nachgefragt.“

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Ängstlich machen vor allem Kinder einen großen Bogen um den Stand von Werner Klas aus dem Westerwald. Er töpfert nicht, sondern formt aus Ton Echsen in allen Größen und Bewegungen. „Ich war vor vielen Jahren in Madagaskar im Urlaub und die Echsen dort haben mir gefallen. Ich habe sie danach in Ton modelliert“, erzählt er. „Die werden gebrannt wie Schüsseln und dann glasiert“, erklärt der Künstler. „Ich habe einfach Lust an Wasser und Brunnen“, sagt Roland Beha aus Staufen-Wettelbrunn, der Brunnen für den Garten, aber auch kleinere Tischbrunnen aus Ton herstellt.

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Bis zu sechs Meter große Skulpturen formt Dominique Friedrich aus Avignon. Den Nachnamen hat er von seiner deutschen Frau. „Ich forme auch nackte Männer“, sagt er verschmitzt. Seit vierzig Jahren ist das Modellieren mit Ton seine Arbeit.

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Keramikfeuerschalen gibt es bei Martin und Kathrin Ernst aus Babensham bei Wasserburg am Inn. „In unseren Feuerschalen kann ein kräftiges Feuer geschürt werden“, preist das Ehepaar an. Wenn Martin Lietsch aus Langgöns-Cleeberg auf seiner Tonflöte spielt, dann bleiben die Besucher stehen. „Mit der Okarina ist es ganz leicht zu spielen“, verspricht er. Okarina ist der gebräuchliche Name für eine keramische Gefäßflöte.

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„Wir sind beinahe jedes Jahr hier. Der Markt ist immer schön, interessant und abwechslungsreich“, sagt Margret Hiller aus Althengstett, die mit ihrem Mann nach Darmsheim gekommen ist. „Ich wollte schon immer mal zu diesem Markt“, verrät Heike Ulrich aus Oberjesingen, die sich mit ihrem Mann Georg den Töpfermarkt ansieht. „Weil es ganz tolle Sachen gibt“, sagt Christa Kurzer auf die Frage, warum sie zum Töpfermarkt kommt. „Ich möchte mal sehen, was es an Deko und Salatschüsseln gibt“, sagt Annette Hronek, Wirtin des Adlers in Aidlingen.

Annette Hronek und ihr Lebenspartner Gerry Lutz aus Aidlingen und Christa Kurzer mit ihrem Mann Peter aus Darmsheim (von links) informieren sich auf dem Töpfermarkt über Tonschüsseln. Bild: Richter