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Von unserer Mitarbeiterin Marina Schilpp · 10.11.2015

Zur langen Nacht ganz oben auf dem Berg

Böblingen: Der Kunstverein organisiert seine Mitgliederjahresausstellung „On Top“ erstmals in der Stadtkirche und im Altem Amtsgericht

Freitagabend. Die Autokolonnen schleichen durch Böblingens Innenstadt. Nicht nur die erhöhte Stadtkirche scheint in weiter Ferne zu sein. Und doch, sie läuten, die Glocken, oben auf dem Schlossberg. Um kurz vor 20 Uhr. Da beginnt die Eröffnung der Mitgliederjahresausstellung „On Top“, ein kunstvoller Hinweis auf die Situation des Kunstvereins.

„On Top wurde aus dem Motiv heraus konzipiert, dass die Stadt und der Landkreis mitbekommen mögen, dass es den Schlossberg in Böblingen gibt“, sagt Dr. Günter Baumann, der stellvertretende Vereinsvorsitzende, während seiner Eröffnungsrede in St. Dionysius. Was fast zynisch klinge. Dennoch: Die Bemerkung fällt nicht ohne Grund vom Himmel. Versuchen allein schon die magnetischen Mercaden tönern hinein zu leuchten.

Unweit, im alten Böblinger Einkaufszentrum, ist die letzte Mitgliederausstellung eröffnet worden. „Wo ist Raum für Kunst?“ steht auf dem Zettel, den Ute Kroll dem Besucher ihrer und Regina Brenners witziger, hell beleuchteter Performance mit kritischen Unterton an der frischen Luft entgegenhält. Fast wie bestellt leuchten die Scheinwerfer eines ausparkenden Autos auf. Wegweiser mögen Not tun. „... wo geht’s hier zur Kunst?“ lautet der sprechende Titel der leicht angebrochenen Skulptur von der Vereinschefin Vera Reschke.

Und auch wenn es kurzfristig nicht zur Galerie gehen konnte, leuchtet es im Künstlerhaus, neonfarben hinter Dreezys Plexiglas. Bezaubernd die Zeichnung von Ines Scheppach namens „Die sanfte Kraft der Blüten“. Ein Hinweis auf die Flüchtlingsthematik, die hauptsächlich in der Stadtkirche angesiedelt ist, dem Ausstellungs-Schwerpunkt des Kunstvereins.

„Du sollst dir kein Bildnis machen, aber du sollst Bilder finden für den Glauben“, sagt Pfarrerin Gerlinde Feine. Gérard Krimmels nervöses Diptychon „Christa“ fügt sich ähnlich passend in den besonderen Rahmen wie die schlanken Spiegelskulpturen von Stefan Faas, ja sogar der ungemütliche Eisendraht von Christel Friedmann.

Das passt zur Baustellensituation draußen. Deswegen konnte Jenny Winter ihre Arbeit nicht aufstellen. Dafür wird es während der langen Nacht der Museen noch mehr leuchten. Mit einer Arbeit von Claudia Fischer-Walter oder mit Linde Wallners Lichtkugeln sowie einem Leuchtschriftzug des Kurators namens „kunstvereint böblingen“: „Denn so will sich der Kunstverein Böblingen verstehen“, sagt Günther Baumann, „als integrale und integrierende Institution der Stadt“.

Info

Zur langen Nacht der Museen am 14. November gibt es in der Stadtkirche „Worte und Klänge on top“ um 21, 22 und 23 Uhr. Außerdem eröffnet der Kunstverein am Freitag, 13. November, um 20 Uhr in der Schleuse 16 des Alten Amtsgerichts eine Ausstellung mit Arbeiten von Claudia Thorban.

„beDECKEnd“ nennt Claudia Fischer-Walter ihre Arbeit in der Stadtkirche. Bild: z