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Von unserer Mitarbeiterin Sandra Strobel · 27.02.2010

Zum 24. Geburtstag gibt es keine Schultüte

Das Porträt: Aleksandra Rajsic ist an einem 29. Februar geboren / Offizieller Feiertag nur alle vier Jahre / Ein kleines Fest gibt es normalerweise immer am 1. März

Gerade aufgestanden, läuft die noch dreijährige Aleksandra in die Küche, voller Vorfreude darauf, das letzte Kalenderblatt abzureißen, den letzten Tag vor ihrem vierten Geburtstag. Mit einer kleinen Handbewegung ist das Blatt vom Kalender gerissen, aber irgendetwas ist anders als sonst. Auf dem folgenden Blatt ist ein Tag geschrieben, der dort eigentlich nicht sein sollte: der 29. Februar.

 

So oder ähnlich könnte es gewesen sein. Denn bereits im Kindesalter bekommt die Sindelfingerin Aleksandra Rajsic mit, dass ihr Geburtstag gar nicht der 1. März ist, wie ihre Mutter es einige Jahre lang behauptet. Schon einmal haben sich die SZ/BZ und der regionale Fernsehsender Regio-TV für ihren Geburtstag interessiert.

 

Angeschwindelt hat die Mutter der heute 21-Jährigen sie lediglich darum, weil sie nicht davon ausging, dass ein Kind verstehen würde, warum es im Gegensatz zu den anderen nur alle vier Jahre Geburtstag hat. Und etwas Praktisches hatte die ganze Sache auch, denn so konnte sie die Geburtstage von Aleksandra und ihrem Bruder, der am 2. März geboren wurde, immer unter einen Hut packen.

 

"Ich feiere wie alle anderen auch"

 

Und so hält sie das auch heute noch. Gefeiert wird zusammen. Wenngleich sich Aleksandra schon seit vielen Jahren ihres besonderen Geburtsdatums bewusst ist, feiert sie immer noch jedes Jahr am 1. März oder einfach an dem darauffolgenden Wochenende. "Das ist die einfachste Lösung", sagt sie.

 

Dass ihr Geburtstag eine Rarität darstellt, wirkt sich aber nicht großartig auf ihre Feiern aus. "Ich feiere wie alle anderen auch. Ich werde auch zum 24. Geburtstag keine Schultüte oder Ähnliches bekommen. Hoffe ich zumindest."

 

Für Aleksandra ist ihre Geburtstagsfeier ohnehin hauptsächlich ein Anlass, um alle ihre Freunde und Verwandten um sich zu scharen. "Es kommt nicht oft vor, dass man mal wirklich alle seine Lieben auf einem Haufen hat."

 

Wenn sie jemandem ihr Geburtsdatum verrät, ist die Reaktion meist die gleiche: etliche Fragen und Begeisterung. Erst ein Mal habe sie jemanden getroffen, der am gleichen Tag geboren ist wie sie.

 

Geplant war dieses Datum für Aleksandras Geburt allerdings nicht. Ihre Mutter erinnert sich noch genau an die Nacht, in der der Arzt ihr sagte: "Raten sie mal, wann das Baby kommt." Ihre Antwort war wohl etwas anders ausgefallen, als der Arzt erwartet haben mag: "Bitte nicht am 29. Februar." An dieser Stelle hielt sich die Begeisterung also eher in Grenzen.

 

Aleksandra hat mit dem Datum ihrer Geburt jedoch überhaupt kein Problem. "Natürlich ist es ein komisches Gefühl, nicht Geburtstag zu haben und trotzdem älter zu werden, aber gefeiert wird trotzdem, 29. Februar hin oder her", sagt sie und grinst. "Jedes Jahr eine etwas kleinere Feier und alle vier Jahre dann groß." Logisch. Denn dann wird nicht nur das neue Lebensjahr gefeiert, sondern auch die Tatsache, dass sie überhaupt mal Geburtstag hat.

 

Glückwünsche im nächsten Monat

 

Angst, dass Freunde oder gar Familie mal ihren Geburtstag vergessen, muss Aleksandra nicht haben. "Wenn ich mal Geburtstag habe, dann vergisst das eigentlich niemand, schließlich ist das was Besonderes." Gratuliert wird in Nicht-Schaltjahren immer am 1. März, auch wenn sie es ein wenig befremdlich findet, dann in einem komplett anderen Monat beglückwünscht zu werden.

 

Auf die Frage, ob sie sich denn jünger fühle, da sie nur alle vier Jahre Geburtstag hat und damit prinzipiell ja nur fünfeinhalb ist, lacht Aleksandra: "Nein, ich bin definitiv 21, nicht fünfeinhalb. Zwar nenne ich Leuten öfters mein ‘inoffizielles Alter', aber das mache ich nur, um sie zu verwirren."

 

In zwei Jahren geht es wieder rund

 

Bis auf das jedes Jahr aufs neue aufkommende, merkwürdige Gefühl, das das Ausbleiben des Geburtstages mit sich bringt, ist prinzipiell alles wie bei Leuten, die an anderen Tagen geboren sind. Nicht mehr lange und Aleksandra hat schon wieder nicht Geburtstag und ist dennoch um ein Jahr gealtert. Aber immerhin kann sie in zwei Jahren wieder richtig auf den Putz hauen, denn dann feiert sie ihren immerhin schon sechsten Geburtstag.