Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserer Redakteurin 
Rebekka Groß · 01.04.2020

„Wir können die Beatmungskapazitäten nicht reservieren“

Kreis Böblingen: Zur Entlastung der Kliniken will der Landkreis eine ambulante Infektionspraxis in Sindelfingen einrichten / Weitere 35 Beatmungsgeräte für die Kliniken bestellt

Derzeit gibt es 63 Intensivplätze mit Beatmungsmöglichkeit im Kreis Böblingen, ähnlich dem Beispielfoto eines Intensivbettes mit Patienten-Puppe. Bild: Klinikverbund Südwest

Im Landkreis rüstet man sich nach wie vor, um für die wachsende Anzahl an Corona-Patienten möglichst gut gewappnet zu sein. Neben Bestellungen an Schutzausrüstung, Beatmungsgeräten und der Aufstockung des Personals soll zunächst in Sindelfingen, bei Bedarf auch in Herrenberg und Leonberg, eine ambulante Infektionspraxis eingerichtet werden.

„Wir wissen derzeit nicht, wie sich die Lage langfristig entwickelt. Daher müssen wir gut gewappnet sein“, sagt Landrat Roland Bernhard. So wurde Schutzausrüstung im Wert von 1,7 Millionen Euro bestellt, um diese im Kreis an Pflegeheime, ambulante Dienste und kritische Infrastrukturen zu verteilen. Zwar sei am vergangenen Wochenende die erste Lieferung des Landes eingegangen, doch die Menge reiche gerade für einen Tag im Klinikum Herrenberg, so der Landrat.

 

Zur Entlastung der Kliniken soll in den kommenden Tagen eine sogenannte ambulante Infektionspraxis im Ärztehaus in der Sindelfinger Mahdentalstraße, gegenüber des Obi Baumarkts eingerichtet werden. Die Fläche dafür stellt die Baugenossenschaft Sindelfingen, die das Haus im Jahr 2018 erworben hat, dem Landratsamt kostengünstig zur Verfügung. Der befristete Mietvertrag beläuft sich auf rund vier Monate. „Wir unterstützen das sehr gerne“, heißt es auf Anfrage der SZ/BZ von Seiten der Baugenossenschaft.

 

 

Wann die Infektionspraxis eröffnet wird, steht noch nicht fest. Sie soll als Anlaufstelle für Menschen mit Corona-Symptomen dienen, die aber nicht so schwer erkrankt sind, dass über die Fieberambulanzen direkt eine stationäre Aufnahme empfohlen wird. Denn in die Arztpraxen darf ein solcher Patient nicht. „Für diese zunehmenden Fälle werden die Infektionspraxen eingerichtet“, so Landrat Bernhard.

 

Die geplante Infektionspraxis in der Mahdentalstraße wird ausschließlich durch einen separaten Hintereingang an der Gebäude-Rückseite erschlossen. Die Besucher dieser Ambulanz können und dürfen ausschließlich nach vorheriger Terminabsprache- und Bestätigung in die Ambulanz kommen. Die Termine werden so gelegt, dass jeweils nur die maximale Personenzahl der zu behandelnden Patienten zeitgleich im Haus und in der Praxis sind. Es werden extra Parkmöglichkeiten ausgewiesen. Sämtliche Besucher der übrigen Praxen sowie des Sanitätshauses können ohne Einschränkungen weiterhin das Haus durch die Haupt-Eingänge betreten.

Auch die Zahl der Intensivbetten werden kontinuierlich erhöht. Aktuell gibt es 63 Beatmungsplätze im Landkreis. Um das gesetzte Ziel von mindestens 100 Plätze zu erreichen, wurden über die Sammelbestellung des Landes Baden-Württemberg 35 Beatmungsgeräte aus China für den Landkreis Böblingen sowie zehn Geräte für den Kreis Calw bestellt.

 

 

„Die freien Intensivplätze werden zentral an das Innenministerium gemeldet“, sagt Roland Bernhard. Sollte ein anderer Landkreis keine Patienten mehr aufnehmen können, so würden diese von der zentralen Oberleitstelle in Stuttgart aus umverteilt. „Man muss sich im Klaren sein, dass wir unsere Beatmungskapazitäten nicht nur für Bewohner aus dem Kreis Böblingen reservieren können“, sagt der Landrat. „Umgekehrt erwarten wir aber auch, dass wenn wir in eine Notsituation kämen, auch mit der Unterstützung der anderen Landkreise rechnen können.“

 

 

Der komplette Artikel steht am Donnerstag in der SZ/BZ und auf www.szbz.de .