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Von unserem Redakteur 
Daniel Krauter · 02.10.2019

„Wir brauchen nachhaltige Mobilitätskonzepte“

Kreis Calw: Gemeinsame Zukunftsveranstaltung von Landkreis und Röhm-Mediengruppe bei Elsner Elektronik in Ostelsheim / Hermann-Hesse-Bahn erregt die Gemüter

Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann.

Hermann-Hesse-Bahn, die Anbindung von Nagold an den Metropolexpress oder der dreistufige Ausbau der Bundesstraße im Nagoldtal: Bei der Zukunftsveranstaltung des Landkreises Calw und der Röhm-Mediengruppe informierten der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann und der Calwer Landrat Helmut Riegger über Themen rund um die Mobilität.

Rund 80 Gäste aus Politik und Wirtschaft sind der gemeinsamen Einladung des Landkreises Calw und der Röhm-Mediengruppe zu Elsner Elektronik nach Ostelsheim gefolgt. „Es freut mich sehr, Sie bei uns im Hause begrüßen zu dürfen. Das Thema Nachhaltigkeit liegt uns sehr am Herzen“, sagte Jutta Elsner (Bild: Reichert), Geschäftsführerin von Elsner Elektronik, bei der Eröffnung der Zukunftsveranstaltung, die von SZ/BZ-Verlagsleiter und Chefredakteur Hans-Jörg Zürn moderiert wurde.


Elsner Elektronik in Ostelsheim ist seit 1990 auf Steuerungssysteme und Sensoren für Gebäude spezialisiert. Durch Gebäudetechnik werden Gebäude intelligent und Wohnhäuser zum „Smart Home“. Alle Elsner-Produkte werden im Firmensitz in Ostelsheim entwickelt und produziert. Der schonende Umgang mit Ressourcen ist bei Elsner Elektronik zentrales Thema, auch bei den eigenen Produkten. Ziel der Gebäudeautomation ist der sichere, komfortable und energieoptimierte Gebäudebetrieb.


Richtungsweisende Projekte


„Gute Mobilität ist die Grundlage für eine funktionierende Wirtschaft. Wir brauchen zeitgemäße Mobilität im ländlichen Raum. Das wollen die Menschen“, sagte der Calwer Landrat Helmut Riegger. Gerade im weitläufigen Landkreis Calw sei man auf ein gut ausgebautes Straßennetz angewiesen. Der dreistufige Ausbau der Bundesstraße im Nagoldtal, die Anbindung von Nagold an den Metropolexpress oder die Hermann-Hesse-Bahn seien richtungsweisende Projekte, so der Landrat. Der Hermann-Hesse-Bahn komme dabei eine bedeutende Rolle zu, verbinde sie doch Calw, Althengstett und Ostelsheim mit dem Raum Stuttgart. 
„Gerade für Pendler ist das von großem Vorteil“, so der Calwer Landrat. Bis zu 3500 Fahrgäste täglich sollen mit der Hermann-Hesse-Bahn einmal transportiert werden – das würde den Pkw-Verkehr deutlich reduzieren. „Allerdings nur, wenn es gelingt die Hesse-Bahn von Calw über Weil der Stadt bis Renningen zu führen“, sagte Helmut Riegger. Hier besteht nämlich Anschluss an die S 6 und S 60.


Der Renninger Gemeinderat hat allerdings Klage gegen das Schienenprojekt eingereicht. Das bringt den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann auf die Palme. „Für dieses Kirchturmdenken habe ich überhaupt kein Verständnis. Wir haben uns mit allen Beteiligten geeinigt und auf das Stufenkonzept verständigt. Das ist für mich wie ein Vertrag und wenn man den nicht einhält, ist das für mich Vertragsbruch.“ Das Stufenkonzept sieht vor, dass die Hermann-Hesse-Bahn in einem ersten Schritt mit Dieseltriebwagen bis Renningen realisiert wird, in einem zweiten dann auf alternative Antriebe, wie beispielsweise die Brennstoffzelle, umsteigt. In den damaligen Planungsrunden war auch die Stadt Renningen beteiligt. Dass gerade von dort nun Gegenwind kommt, ist Hermann ein Dorn im Auge, der vor einer weiteren Verzögerung des Projektes warnt.


Nicht nur das Thema Mobilität liegt dem Calwer Landrat am Herzen, auch die Digitalisierung treibt Helmut Riegger voran. „Wir sind seit drei Jahren dabei, Glasfaser zu legen. Wir haben zwischenzeitlich ein umfangreiches Glasfaser-Backbonenetz von circa 400 Kilometern und schließen ganz bewusst auch die kleinen Gemeinden an. Derzeit läuft unser innerörtliches Ausbauprojekt auf Hochtouren. Dabei werden in den kommenden zwei Jahren in neun teilnehmenden Kommunen in 26 Ausbaugebieten über 3000 Haushalte mit Glasfaser bis in jedes Haus angebunden. Dies ist bisher in dieser Dimension mit einem Auftragswert von über 21 Millionen Euro einmalig im Land Baden-Württemberg.“


„Riesiger Sanierungsstau“


Der Straßenbau beschäftigt Winfried Hermann natürlich in hohem Maße. 
75 Prozent des Verkehrs wird in Baden-Württemberg über Straßen abgewickelt. Sie stellen eine bedeutende Infrastruktur dar, damit der Verkehr funktioniert. „Wir bauen nicht mehr viele neue Straßen. Wir schauen, dass die vorhandene Infrastruktur in Schuss kommt“, so Hermann. Es gibt einen riesigen Sanierungsstau, den man systematisch abbauen will. „Wir müssen die Infrastruktur anpassen an die jeweiligen Bedürfnisse. Wir achten auf angepassten Straßenausbau und darauf, nicht immer gleich mit der ganz großen Kanone zu kommen“, sagte Winfried Hermann. Man müsse in allen Bereichen der Mobilität etwas machen. „Wir brauchen nachhaltige Mobilitätskonzepte. Heute haben wir einen extrem autolastigen Mix. Einen Mix, der das Auto gar nicht effizient nutzt.“


Das Auto werde auch häufig nur von einer Person genutzt, so der Landes-Verkehrsminister. Es gäbe einen Entwicklungsstau bei den umweltfreundlichen Verkehrsmitteln und auch bei den neuen Technologien. „Die Automobilbranche weiß, dass sie in einem gewaltigen Transformationsprozess ist und es nicht darum geht, den Diesel zu retten. 
Allen ist vollkommen klar, dass die Zukunft nur nachhaltige Mobilitätskonzepte sein können.“ Man werde andere Autos produzieren müssen. „Wir werden garantiert nicht gewinnen, wenn wir versuchen die Vergangenheit festzuhalten. Das hat noch nie funktioniert. Entscheidend für den Erfolg ist, dass wir in den neuen Technologien zuhause sind“, so Winfried Hermann.