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14.06.2019

Wilhelma: Neuzugang bei den Seelöwen

Heaven wurde bei ihrem ersten Ausflug auf die Außenanlage gleich interessiert von Fiete begrüßt, an dessen Seite sie in den nächsten Tagen ihr neue Umgebung kennenlernen soll. (Foto: Wilhelma Stuttgart)

Ein vorsichtiger Blick, ein kurzes Zögern, dann setzt Seelöwin Heaven ganz mutig die Flossen auf die ihr ungewohnte Robbenanlage der Wilhelma. Nachdem sie sich zunächst im Innengehege an die Umgebung gewöhnen durfte, stand für den Neuzugang jetzt der erste Ausflug auf die Außenanlage an. In der vergangenen Woche war das einjährige Weibchen vom Tiergarten Nürnberg in den Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart gezogen.

Schritt für Schritt soll Heaven nun mit den Seelöwen der Wilhelma Bekanntschaft schließen. „Sie war nach
ihrer Ankunft natürlich nervös, hat aber nach zwei Tagen schon Fisch gefressen“, erzählt Tierpfleger Stefan
Deibert. „Als sie nach vier Tagen die anderen Seelöwen entdeckt hat, wirkte sie fast erleichtert. Mit ihnen
hat sie dann am Sichtgitter auch schon Kontakt aufgenommen.“ Den Anfang in der Vorstellungsrunde machte
erst einmal Fiete, der jüngste Spross der Stuttgarter Seelöwengruppe.

Er hatte vor kurzem seinen ersten Geburtstag und ist damit ein passender, gleichaltriger Spielgefährte für Heaven. Der Jungbulle ist nun
gemeinsam mit ihr im kleineren der beiden Becken zu sehen. Diese Vergesellschaftung ist für Fiete zudem
ein wichtiger Schritt auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Denn junge Männchen können nur eine begrenzte
Zeit in ihren Familien bleiben. Dann werden sie von dem Bullen, der seinen Harem aus Seelöwinnen anführt,
als Konkurrenten angesehen und vertrieben. Daher wird auch Fiete zukünftig im Rahmen des Europäischen
Erhaltungszuchtprogramms in einen anderen Zoo umziehen, bevor er mit seinem Vater Unesco
aneinandergerät. Weibchen Evi hatte außerdem nach einer Fehlgeburt wieder starken Kontakt zu ihrem Sohn
Fiete gesucht. Die erfahrene Mutter hatte am vergangenen Samstag ihren jüngsten Nachwuchs statt mit dem
Kopf voran mit den Hinterflossen zuerst zur Welt gebracht.

Der vorläufigen tierärztlichen Untersuchung zufolge hat das Kalb dabei Fruchtwasser eingeatmet, wodurch es keine Luft mehr bekam.
„So kurz nach der Geburt sind die Muttergefühle bei Evi noch sehr stark ausgeprägt“, berichtet Deibert.
„Obwohl Fiete eigentlich schon entwöhnt ist, hat sie ihn wieder wie ein Baby behandelt. Die Trennung trägt
jetzt dazu bei, dass es bei Evi wieder ruhiger wird und Fiete sich besser abnabelt.“ Bereits am ersten Tag
schoss er gemeinsam mit Heaven ausgelassen gemeinsam durch das Wasser. Bleibt es so entspannt, wird als
Nächstes die zweijährige Samantha dazukommen. Im Juli soll die Gruppe dann wieder komplett durch die
Wellen gleiten.

Begleitend zu der Eingewöhnung wird Heaven außerdem behutsam in das tägliche Training einbezogen. „Das
lassen wir ganz ruhig angehen“, sagt Deibert. „Sie ist ja gerade entwöhnt und lernt jetzt, Fisch aus der Hand
zu fressen. Am wichtigsten ist, dass sie erst einmal richtig Vertrauen fasst.“ Und dafür bekommt sie in der
Wilhelma wirklich alle Zeit der Welt. Das Training der Seelöwen ist jeden Tag um 11 und 15 Uhr zu beobachten.