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25.04.2019

Wilhelma: Neues Geierfalken-Weibchen

Bild: Wilhelma Stuttgart

Ob Bambusröhre, Pappkarton oder Leinensack: Kaum etwas hält der Neugierde von Falkland-Karakara Clyde stand. Seit vergangenem Jahr ist der stattliche Greifvogel in der Wilhelma in Stuttgart zu Hause und hat hier schon reichlich Beschäftigungsmaterial akribisch mit Schnabel und Klauen in Einzelteile zerlegt. Diese Leidenschaft kann er nun auch mit einer Komplizin teilen: Vor kurzem zog Weibchen Bonnie zu ihm in die Voliere gegenüber der neuen Schneeleopardenanlage. Gemeinsam stellt das Pärchen die Kreativität der Tierpflegerinnen und Tierpfleger des Zoologisch-Botanischen Gartens täglich neu auf die Probe.

„Karakaras sind wahnsinnig schlaue Tiere“, erklärt Revierleiterin Andrea Timm. „Daher sind Intelligenzspiele gut geeignet, um sie zu beschäftigen. Das Material müssen sie aber leicht kaputt machen können, sonst wird es ihnen schnell zu langweilig.“ Die Futterrationen dürfen sich die Greifvögel daher vor den Mahlzeiten erarbeiten und unter Hackschnitzeln, aus morschen Wurzeln oder Pylonen hervorziehen. Männchen Clyde bringt einen Teil seiner Portion meist noch vor seiner Partnerin in Sicherheit. „Bonnie ist schüchterner, aber auch größer“, berichtet die Tierpflegerin. „Wenn man zum Beispiel einen Karton hinlegt, ist sie häufig erst einmal ängstlich, lässt Clyde aber trotzdem nicht ran. Sie nimmt ihm auch ganz gern das Futter weg, also versteckt er es vor ihr.“ Regelmäßig läuft er über die Anlage und überprüft den Inhalt seiner verborgenen Vorratskammern. Obwohl die Karakaras zu den Greifvögeln zählen, sind sie viel zu Fuß unterwegs und ähneln in diesem Verhalten eher den Papageien.

Denn im Gegensatz zu den Echten Falken ernähren sich die Karakaras hauptsächlich von Aas und sind nicht darauf angewiesen, ihre Beute im Flug zu erlegen. Aus diesem Grund werden sie auch Geierfalken genannt. Nach der Fütterung fällt zudem der gut gefüllte Kropf auf, der sich hell unter dem dunkelbraunen Federkleid hervorwölbt. Er dient ihnen als Futterspeicher, über den die Nahrung nach und nach in den Magen geschoben und dort verdaut wird. Dadurch sind die Tiere in der Lage, schnell größere Mengen an Fleisch aufzunehmen. Beheimatet sind die nach den Inseln vor Argentinien benannten Falkland-Karakaras in den südlichsten Regionen Südamerikas, wo sie einzeln oder paarweise felsige Küstenlandschaften bewohnen. Da sie stellenweise stark bejagt werden, gilt ihr Bestand als gefährdet.

In der Wilhelma hofft man bei Bonnie und Clyde auf zukünftigen Nachwuchs. „Sie verstehen sich wirklich sehr gut“, erzählt Andrea Timm. „Clyde war alleine immer recht ruhig. Seit Bonnie da ist, hört man vor allem morgens ihr gemeinsames schrilles Kreischen, mit dem sie ihr Revier abgrenzen.“ Mit zwei Jahren sind die Greifvögel noch sehr jung und kommen nun langsam in die Geschlechtsreife. Im nächsten Jahr widmen sich die beiden also vielleicht schon dem Nestbau. Bis es so weit ist, bekommen sie zwischen 14 und 15 Uhr täglich kleine Überraschungen ins Gehege gelegt. Dann dürfen die Karakaras die neuen Intelligenztests aus der Wilhelma-Ideenschmiede auf Herz und Nieren prüfen.