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Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden · 25.08.2018

Wenig Wasser für Kapitäne, ausreichend für Verbraucher

Kreis Böblingen: Trotz Dauerhitze, Dürre und Bodensee-Niedrigwasser ist die Trinkwasserversorgung diesen Sommer stabil

Im Bodensee wurde wegen Niedrigwasser teilweise die Schifffahrt eingestellt. Die Ursache ist klar: Im Dürresommer wird das Wasser knapp. Dieser Sicht der Dinge widersprechen Experten. Der Daumen der Wasserversorger zeigt in diesem Sommer nach oben.

„Wir haben keine Probleme“, heißt es unisono derzeit bei hiesigen Trinkwasserversorgern. Bei den Sindelfinger Stadtwerken ist die Rechnung dazu simpel: Die Bodensee-Wasserversorgung, von der die Stadtwerke Wasser beziehen, hat keine Probleme. Ergo haben auch die Stadtwerke keine. Wenn aber die Schiffer an Wassermangel leiden, wie kann die Bodensee-Wasserversorgung sorgenfrei sein?

Der Versorger, der über seine Leitungen 320 Städte und Gemeinden mit Trinkwasser aus dem Bodensee beliefert, hat den niedrigen Wasserstand registriert. So teilt der Verband mit, dass am 30. Juli 2018 in Konstanz ein Pegel von 3,32 Metern gemessen wurde – ein sehr niedriger Stand. Der See war damit nicht weit weg vom Allzeittief für einen späten Julitag seit 1850. Das lag einst bei 3,14 Metern.

Pegel klettert wieder

Allerdings sind diese Marken weit diesseits von anderen Tiefs. Am 15. Februar 2006 lag der Wasserstand bei mickrigen 2,29 Metern. Eine Einschränkung in der Fördermenge des Versorgers hatte selbst dieses Minimum nicht, teilt der Verband mit. Selbst jetzt, wo die See-Marke bei Konstanz am 21. August auf das vorläufige diesjährige Sommer-Rekordtief von 3,09 Metern gesunken war, ist der Pegel von der 2006-Ebbe weit entfernt. Und gerade klettert der Pegel wieder.

Einen Hitzeeffekt registriert man doch. Die Nachfrage ist gestiegen. Im Juli zapften die Verbandsmitglieder im Schnitt 480 000 Kubikmeter Wasser täglich. Die bisherige durchschnittliche Jahresabgabe ist 360 000 Kubikmeter. Aber selbst im Sommer 2003, als die historisch höchste Tagesabgabe der 1954 gegründeten Wasserversorgung mit 531 000 Kubikmeter erreicht wurde, war man weit weg vom Limit. Kapazität wie maximales Entnahmerecht liegen bei 670 000 Kubikmeter täglich.

Eigenes Wasser

Im Kreis gibt es indes Kommunen, die kein Wasser vom Bodensee beziehen. Zu denen zählt Hildrizhausen, das sein Trinkwasser aus eigenen Brunnen gewinnt. Für Hildrizhausen wurde das Ende Juni 2017 kritisch. Wegen Wasser-Knappheit rief die Gemeinde die Anwohner damals auf, mit dem Wasser hauszuhalten. Das habe an den niedrigen Grundwasser-Pegelständen gelegen, erklärt Matthias Schöck. „Jetzt hat sich der Grundwasser-Pegel wieder ganz gut erholt“, sagt Hildrizhausens Bürgermeister: „Stand heute gibt es keine Probleme.“

Er verdeutlicht, dass weniger die Sommer als Herbst, Winter und Frühjahr wichtig für die örtliche Versorgung sind. Dann, etwa bei langsamen Schneeschmelzen und lang anhaltenden, „gemütlichen“ Landregen steigen die Grundwasser-Pegel, so wie in der Herbst-Winter-Saison 2017/18 geschehen.

Auch der Chef der Ammertal-Schönbuchgruppe (ASG) klingt cool angesichts der Dürre. Fiele jetzt Regen, komme der eh nicht im Grundwasser an, erklärt Ralf Göttsche. „Das würde der Boden aufnehmen“, sagt der Geschäftsführer der ASG, die auch zahlreiche Kreisgemeinden, darunter Böblingen, mit Trinkwasser versorgt. Von den 6,8 Millionen Kubikmetern im Jahr bezieht die Gruppe 2,8 Millionen von der Bodensee-Wasserversorgung. Den Rest gewinnt man aus 14 Brunnen im Ammer- und Neckartal. ASG-Chef Göttsche bemerkt zwar fallende Brunnenpegelstände, kritisch sei dies aber nicht. Die Versorgung laufe problemlos. Er schaut bereits Richtung Herbst: „Die Grundwasserbildung beginnt erst ab Oktober.“

Vom ihm lernt man: Wasser kann geduldig sein. So betreibt die ASG Brunnen mit Sickerzeiten von bis zu acht Jahren. Heißt: Fällt ein Regentropfen, braucht er noch acht Jahre, um im Brunnen zu landen. „Effekte sehen wir oft erst nach vielen Jahren“, sagt Göttsche. Auch ist das Jahr 2018 bislang durch keinen Verbrauchsrekord aufgefallen. 2017 wurden dagegen 30 000 Kubikmeter an einem Junitag verbraucht. Ralf Göttsche: „Da bleiben wir dieses Jahr 3000 bis 4000 Kubikmeter drunter.“

Sindelfinger verbrauchen mehr

Die Sindelfinger verbrauchen im Dürre-Sommer dagegen mehr: 346 000 Kubikmeter im Juni 2018, den Juni das Jahr zuvor nur 300 000. Im Juli 2018 waren es 10 000 Kubikmeter mehr als ein Jahr zuvor. Das sind Werte, die Michael Suffner als Auslaufwerte an den Wasserbehältern feststellt. Deshalb macht der Wassermeister der Stadtwerke ein Fragezeichen: Möglicherweise spielt Verlust durch Lecks im Leitungssystem dabei eine Rolle.

Auch sinkende Pegelstände stellt er teilweise fest. Der Pegel des älteren Floschenbrunnens ist seit Jahresbeginn um 30, der Klingelbrunnen-Pegel an der Maichinger Straße um 61 Zentimeter gesunken. „Das sind aber beides Schachtbrunnen“, erklärt er. Die ziehen ihr Wasser aus der obersten Gesteinsschicht, dem Keuper. Zur Trinkwasserversorgung wird dieses Wasser momentan nicht genutzt, nur für die Klimaanlage der Stadtwerke.

Für die Pegelstände der zur Trinkwasserversorgung genutzten zwei Tiefbrunnen, die ihr Wasser aus über hundert Metern aus dem Muschelkalk bekommen, stellt der Wassermeister dagegen lapidar fest: „Da merken wir gar nichts.“ Kein Wunder, das Wasser der Tiefbrunnen hat eine Sickerzeit von zwei Jahren. Der Löwenanteil des Sindelfinger Trinkwassers kommt ohnehin vom Bodensee. Sindelfinger Eigenwasser macht nur 8 Prozent am Sindelfinger Trinkwasser aus.

Alles supersicher dank Bodensee-Wasser? Michael Suffner widerspricht vorsichtig. Er erinnert an potenzielle Ausfälle durch mögliche technische Störungen.

Sollte mal ein Totalausfall beim Bodensee-Wasser auftreten, könnten die Wasserspeicher der Stadtwerke die Stadt bis zu 48 Stunden lang versorgen, erklärt er. Nach zwei Tagen Bodensee-Totalflaute herrschte dann zwar ziemlich Ebbe, verdursten müsste die Stadt dank ihrer Stadtwerke-Brunnen dagegen nicht.

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