Nachrichten
Bilder
Videos
Abo-Service und Anzeigen
Themen und Portale

Job

Termine und Veranstaltungen
Über uns






Von unserem Redakteur Karlheinz Reichert · 17.05.2018

Weiter Streit um die Ihinger Straße

Magstadt: Die Mehrheit des Gemeinderats pocht auf die Einhaltung der jetzigen Rechtslage

Der erste Eindruck täuscht: Die Ihinger Straße (Kreisstraße 1006) ist nur am Anfang aus Richtung Magstadt in einem guten Zustand. Bild: Reichert

Die Kreisstraße 1064 zwischen Maichingen und Döffingen ist seit 7 Jahren ausgebaut. Jetzt will der Landkreis vom Regierungspräsidium nachträglich die Genehmigung, in der Fachsprache Planfeststellung genannt, ändern lassen. Nicht an der Straße selbst, sondern bei den sogenannten Ausgleichsmaßnahmen.

Eine Bedingung für die Ausbaugenehmigung war und ist, dass die Ihinger Straße (K 1006) von Magstadt in Richtung Ihinger Hof und weiter in Richtung Schafhausen und B 295 (Weil der Stadt) für den allgemeinen Verkehr geschlossen und zu einem Feldweg verschmälert wird.

Als sich die Städte Renningen und Weil der Stadt gegen die Schließung aussprachen, erweckte Landrat Roland Bernhard den Eindruck, er wolle dem nachgeben. Dagegen wehrten sich die Magstadter, deren Verkehrskonzept vorsieht, dass die K 1006 geschlossen wird, um die Gemeinde für den Durchgangsverkehr unattraktiv zu machen.

Für die Umleitung nötig

Dies veranlasste nun das Landratsamt, den offiziellen Weg zu gehen und beim Regierungspräsidium die nachträgliche Änderung der Genehmigung zu beantragen. Das Landratsamt schlägt deshalb vor, die K 1006 offen zu halten und stattdessen an einer Kreuzung der K 1064 mit einem Feldweg den Krötenschutz zu verbessern.

Den Antrag, die K 1006 offen zu halten, begründet das Landratsamt mit einer Verkehrsuntersuchung, nach der diese Straße als Umleitungsstrecke benötigt wird, wenn der Lückenschluss, der Knoten zwischen den beiden Bundesstraßen 295 und 464 gebaut wird. Das wird voraussichtlich in den Jahren 2026 bis 2028 sein.

Ein Kompromiss

Die Mehrheit des Magstadter Gemeinderats besteht zwar darauf, dass die Schließung der K 1006 Bestandteil der Genehmigung der K 1064 bleibt, zeigt sich aber kompromissbereit. Man könne den Durchgangsverkehr etwa mit einer Schranke auf Magstadter Seite verhindern und diese während der Bauzeit des Lückenschlusses wieder öffnen.

Zugleich fordert der Magstadter Gemeinderat den Landkreis auf, ein Umleitungskonzept zu erarbeiten. Dieses sei, etwa bei Unfällen, unabhängig vom Lückenschluss notwendig. In dieses Konzept müsse auch die L 1189, die Landesstraße zwischen Magstadt und Schafhausen eingebunden werden. Die L 1189 verkommt seit Jahren zusehends.

Dies führt zu einem stärkeren Verkehr auf der K 1006 und auf der schmalen Straße, vor allem an ihren Rändern, inzwischen bereits zu Überlastungsschäden.

25 Prozent des innerörtlichen Verkehrs in Magstadt gelten als Durchgangsverkehr. Drei Viertel davon bewegen sich auf der Achse Stuttgart-Calw. Mit der Schließung der Hölzertal-Straße und der K 1006 soll die Ortsdurchfahrt für den Ost-West-Durchgangsverkehr (zu) umständlich werden.

Abbiegespur: Platz für ein Auto

Bürgermeister Florian Glock wies darauf hin, dass sich die Gemeinde beim Bebauungsplan für die Tankstelle an der Einfahrt zum Steinbruch auf die geltende Planfeststellung für die K 1064/K 1006 gehalten habe. Am Knoten B 464/K 1006 sei deshalb die Linksabbiegerspur viel zu kurz für viel Verkehr auf der K 1006: „Da passt genau ein Auto hin.“

Rudolf Franko, Fraktionssprecher der SPD im Gemeinderat, erinnerte sich an einen früheren Bescheid des Landratsamts, nach dem die K 1006 nicht für Lastwagen tauge. Für Brigitte Armbruster, Fraktionssprecherin der Freien Wähler, ist klar: „Die K 1006 wird dem Verkehr nicht standhalten.“

Andrea Garschke, Fraktionssprecherin der Freien Liste, sagte an die Adresse des Landratsamts: „Es gibt eine Rechtsgrundlage und die kann man nicht auslegen, wie man möchte.“ Sie fände es zwar gut, wenn Tiere künftig unbeschadet über die K 1064 kämen, aber ein gleichwertiger Ausgleich für die Schließung der K 1006 sei das nicht.

Die Ortsdurchfahrt zuparken

Claudia Fleischmann erklärte für die CDU, man dürfe die Straße, auch wegen des Lieferverkehrs nach Magstadt hinein, nicht zumachen. Der hohe Anteil des Durchgangsverkehrs in der Gemeinde hinge auch damit zusammen, dass die Südumfahrung lange falsch beschildert gewesen sei.

Bernd Nass (Freie Liste) meinte, wenn die Gemeinde ihr Parkierungskonzept in der Ortsdurchfahrt endlich umsetze, würde diese für den Durchgangsverkehr ebenfalls unattraktiv, sodass die K 1006 offen bleiben könne. Für Brigitte Armbruster ist die Angelegenheit auch eine Frage der Verlässlichkeit: „Wenn das, was das Landratsamt vorhat, Schule macht, braucht man sich nicht zu wundern, wenn es kein Vertrauen mehr in die Politik gibt.“

Entscheiden über den Antrag des Landratsamts wird das Regierungspräsidium.