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Von unserer Mitarbeiterin Renate Lück · 02.11.2017

Von starken Frauen in der Reformation

Böblingen: Frauenmahl mit der Landtagsabgeordneten Thekla Walker in der Festen Burg

Auch 2018 gibt es ein Böblinger Frauenmahl – ungeachtet davon, dass die Luther-Dekade dann vorbei ist. Das versprach Gerlinde Feine. Die Pfarrerin der Böblinger Stadtkirche hatte Referentinnen eingeladen, die Bezug auf Frauen in der Reformationszeit nahmen.

Reinhilde Ruprecht kam vom 1735 gegründeten Verlag Vandenbroeck & Ruprecht. 2005 machte sie sich mit der Edition Ruprecht selbstständig und verlegt seit dem theologische Bücher und Zeitschriften über ihre eigene Druckerei. Daher ihr Thema: „Freiheit in beweglichen Lettern“.

Ruprecht erinnerte an Katharina Gerlach in Nürnberg, die mit ihrem Mann Schriften von Luther druckte. Als sie Witwe wurde, gab sie Trauerliteratur und Notenblätter heraus.

Maret Buddenbohm aus Hamburg sah 2015 die Flüchtlinge am Hauptbahnhof auf dem nackten Boden liegen. Zunächst verteilte sie Lebensmittel und Decken. „Aber es hat an allem gefehlt.“ Sie bat in Facebook um Spenden. Über die Kirchengemeinde erstellten ihr Mann und sie eine Spendenwebseite und das Konto „St. Georg hilft“. Eine Gruppe schnippelte jeden Tag Gemüse für die Suppe und Maret Buddenbohm zählte das eingehende Geld. In drei Monaten kamen rund 28 000 Euro zusammen. „Wir haben vielen Menschen mit warmem Essen und Fahrkarten geholfen. Jetzt geht es um Integration“, erzählt die junge Frau.

Über ihre Einladung zunächst gewundert hat sich Thekla Walker: „Was habe ich mit Frauen der Reformation zu tun?“ Ihre Reviere sind Naturpädagogik und Politik. Dann beschäftigte sie sich mit Elisabeth von Rochlitz, die sich anmaßte, als Mitglied des Schmalkaldischen Bundes selbstständig Politik zu machen und sogar ein Spionagenetz aufzubauen. Der Verrat brach ihr allerdings das Genick. „Heute haben wir scheinbar alle Rechte“, so die Böblinger Landtagsabgeordnete. „Doch der Anteil der Frauen im Landtag beträgt ein Viertel und im Kreistag 16 Prozent. Wir müssen darüber nachdenken, wie Frauen die Freiheit zukünftig besser nutzen“, so Thekla Walker.

Die Freiheit, selbst musizieren zu können, nutzt Johanna Machado sowohl als Kirchenmusikerin als auch privat. Sie ist Kantorin in Lauffen und spielt zusammen mit ihrem Mann (Gitarre) und drei Blechbläsern in der Band „Beta Grooves“ alte Kirchenlieder, neu verpackt als Soul, Funk oder Bossa Nova.

Wie Frauen in der Reformationszeit sich selbst darstellten, aber auch angegriffen wurden, demonstrierte die Schauspielerin Luise Wunderlich (Bild: Lück) an Argula von Grumbach. Sie zitierte deren Briefe an Professoren der Uni in Ingolstadt, die ihren katholisch gebliebenen Mann den Job kosteten, weil er seine Frau „nicht im Griff“ hatte.

Ein Frauenmahl soll es laut Gerlinde Feine in Böblingen auch 2018 wieder geben, auch wenn die Luther-Dekade dann bereits vorbei ist.