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Von unserem Mitarbeiter Christian Ignatzi · 03.07.2008

Von der Quitte bis zur Erdbeere

Essen und Trinken: Marmelade, Konfitüre oder Gelee Das süße Gold auf dem Frühstückstisch ist allseits beliebt

"Zu

Hause schmeckt es immer noch am besten". Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen alles nach Omas Rezepten hergestellt wurde, aber nach wie vor erfreuen sich viele der Verarbeitung eigener Früchte. Inge Klose vom Deutschen Hausfrauenbund zeigte mir im Stern-Center, wie man heutzutage Marmelade herstellt: "Neben den Früchten benötigt man einfach Gelierzucker und kocht das Ganze auf."

 

"Nicht so lange haltbar"

 

Da dieser Pektin enthält, welches aus Äpfeln gewonnen der Eindickung zuträglich ist, verringere sich die Kochzeit und der Herstellungsprozess werde anfängerfreundlich. Dazu gibt es Gelierzucker 1:1 für ein gleiches Verhältnis zwischen Früchten und Zucker, und Gelierzucker 2:1 oder 3:1, für Fruchtliebhaber, die Kalorien einsparen möchten. "Dann ist die Konfitüre aber nicht so lange haltbar", so Inge Klose.

 

Aber heißt das fertige Produkt nun Marmelade oder Konfitüre? Oder doch eher Gelee? Aufgekommen ist diese Frage schon sehr früh. Genauer gesagt im 18. Jahrhundert, als die Marmelade in Schottland bekannt gemacht wurde.

 

Angeblich durch einen glücklichen Zufall wurde damals nämlich die berühmte schottische Bitterorangenmarmelade erfunden. Als ein spanisches Handelsschiff wegen eines Unwetters gezwungen war, den Hafen der schottischen Stadt Dundee anzusteuern, hatte es eine große Menge nicht mehr frischer Bitterorangen an Bord. Der Händler James Keiller erstand die gesamte Schiffsladung zu einem Schnäppchenpreis. Da die Orangen aber nicht mehr genießbar waren, kochte seine Frau Janet die Fracht klein gehackt mit sehr viel Zucker ein. Diese Marmelade erreichte schnell einen gewissen Bekanntheitsgrad. Die Nachfrage stieg und so gründete die Familie Keiller 1797 die erste Marmeladenmanufaktur der Welt.

 

Das ist aber schon daher ein Ammenmärchen, da James Keiller zu dieser Zeit nicht einmal verheiratet war. Auch die Orangenmarmelade war schon bekannt, doch wurden damals größtenteils Quitten zu Marmelade verarbeitet. Diese sind auch der Namensgeber des süßen Fruchtaufstriches.

 

Schon die alten Griechen kannten sie

 

Auch wenn viele Briten denken, der englische Begriff "Marmalade" käme von der seekranken Königin Mary, die daraufhin "Mary-Malade" (deutsch: Die kranke Mary) genannt wurde, der es aber nach dem Marmeladenverzehr besser ginge. Doch nicht Keillers Fabrik ist die Kinderstube der Marmelade, schon die alten Griechen kannten sie. Sie lehrten die Römer, Quitten (lateinisch: marmelo) mit Honig zu verkochen, und damit zu gelieren und das so genannte süße Gold herzustellen.

 

Doch zurück zur Namensgebung. Die Briten hatten schließlich ihre Orangenmarmelade so sehr ins Herz geschlossen, dass sie nicht damit einverstanden waren, dass der Begriff auch für andere Fruchtaufstriche genutzt werden darf. So kam es zu einer Konfitürenverordnung der Europäischen Union am 26. Oktober 1982. Diese besagt, dass der Begriff "Marmelade" nur noch für Produkte aus Zitrusfrüchten verwendet werden darf.

 

Oma kocht immer noch Marmelade

 

Andere Fruchtaufstriche unterscheiden sich in die Kategorien Konfitüre, Gelee (siehe Stichwort) oder als Sonderfall Makronenkrem. Warum meine Oma dann immer noch Erdbeermarmelade kocht ist einfach zu erklären. In einer zweiten Verordnung, die im Jahr 2004 vom Europa-Parlament abgesegnet wurde, heißt es, dass Kleinhersteller ihre eingekochten Früchte wie früher als Marmelade bezeichnen dürfen.

 

Das beruhigt mich ungemein, da ich nun nach wie vor straffrei Erdbeermarmelade statt Erdbeerkonfitüre im heimischen Kühlschrank haben darf. Zumindest im Hause Ignatzi ist es aber nicht von Bedeutung, ob es nun eine Marmelade ist oder nicht, das gute alte Bräschdlinggsälz ist nach wie vor das Beliebteste. Schon als kleiner Junge war ich erstaunt, wenn mir beim Einkaufen mit meiner Mutter im Regal plötzlich Pflaumenmus oder Orangengelee auffiel.

 

Exotische Kreationen

 

Inge Klose sieht darin nichts ungewöhnliches. Für ihren Informationsstand im Stern-Center haben die Damen vom DHB einige exotische Kreationen gekocht und die Reaktionen sind unterschiedlich: "Jeder hat seinen eigenen Geschmack. Einige mögen lieber eine bittere englische Orangenmarmelade, andere sind verrückt nach süßer Banane-Ingwer-Honig-Konfitüre".

 

Dennoch käme es bei allen Leuten gut an, dass sich der DHB die Zeit nimmt, mit Rezeptvorschlägen und Zubereitungstipps die Frühstückskultur der Sindelfinger zu bereichern. So wurden Leckereien wie Rhabarber-Ingwer Konfitüre oder ein Fruchtaufstrich mit dem bemerkenswerten Namen "Wassermelone-Johannisbeersaft mit frischer Minze" angeboten.

 

Seit die alten Griechen Quitten mit Honig verkochten hat sich im Laufe der Jahrhunderte also einiges getan, aber eines ist sicher: Sei es Marmelade, Konfitüre, Gsälz oder Gelee - schmecken tut's wie eh und je.