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Von unserem Mitarbeiter Thomas Volkmann · 17.10.2015

Vom Jugendhaus Nord bis Madrid

Flagfootball: Eine Altdorferin und zwei Maichinger gewinnen bei der Europameisterschaft in Spanien die Bronzemedaille

Die Welt ist manchmal klein, auch im Sport. Für zwei Maichinger war es schon ungewöhnlich genug, dass sie in einer Sportart, die sie vor wenigen Jahren noch nicht einmal kannten, als Nationalspieler zu einer Europameisterschaft im Flagfootball reisen dürfen. Dort, im spanischen Pinto nahe Madrid, lernen sie dann eine Altdorferin kennen. Alle drei kehren mit einer Bronzemedaille nach Deutschland zurück.

„Das haben wir uns nicht träumen lassen“, sind Daniel Heck und Nicolai Zwickl noch immer überwältigt von den Ereignissen des letzten Jahres. Ihren Anfang nimmt die Geschichte nach einem Studienaufenthalt Daniel Hecks in den USA, bei dem er die ihm damals noch unbekannte Sportart Flagfootball kennenlernt. Weil Blocken und Tackling verboten sind, ist die Sportart auch für den Schulsport interessant. In seiner Funktion als Sportlehrer am Böblinger Albert-Einstein-Gymnasium bietet Heck entsprechend bereits eine AG an.

Doch zurück auf Anfang. Was im Jahr 2011 als gelegentliche Nachmittagsbeschäftigung am Jugendhaus Nord in Sindelfingen beginnt, führt dann zur Gründung der „Maichingen Mustangs“. 2014 nehmen diese erstmals an einer offenen deutschen Meisterschaft in Berlin teil und werden Dritte.

Angespornt von diesem Überraschungserfolg beschließen Nicolai Zwickl, Dennis Koßmann und Daniel Heck im Frühjahr in Salzgitter an den Tryouts zur deutschen Nationalmannschaft teilzunehmen. „Wir wollten mal sehen, wie das Niveau der nationalen Spitze ist“, erzählt Heck. Diese erfolgen in Form eines vollständigen positionsspezifischen Trainings und anschließendem Testspiel, um die Kandidaten auf Herz und Nieren zu prüfen.

Die Überraschung folgt sechs Wochen später, als Teamchef Sebastian Schumacher der Reihe nach alle drei Maichinger zur Vorbereitung auf die im September stattfindende EM in Spanien einlädt. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir nun auf höchstem Niveau mit erfahreneren Sportlern trainieren, schließlich haben wir bei den Mustangs nur wenige Spieler mit einem footballspezifischen Hintergrund“, berichtet Heck. Er findet aber, dass die Sportart vor allem jenen leichtfallen dürfte, die bereits Erfahrungen in einer anderen Ballsportart haben.

Zwar muss Dennis Koßmann aus beruflichen Gründen seine Teilnahme in Pinto wieder absagen, die anderen beiden Maichinger aber dürfen sich das Nationaltrikot überstreifen. In Madrid staunen Heck und Zwickl dann nicht schlecht, als sie erfahren, nicht die einzigen Nationalspieler aus dem Kreis zu sein. Mit der Damenauswahl angereist ist auch die in Altdorf aufgewachsene Julia Kämpfe, Tochter des Olympiasiegers von 1976 und Radweltmeisters Hans Lutz. Die 32-Jährige gehört seit 2009 der Damen-Nationalmannschaft an, entdeckt hat sie die Sportart vier Jahre zuvor, als sie für ihr Studium der Verpackungstechnik ein Praktikum in Augsburg absolvierte.

Heute lebt sie in der Fuggerstadt, spielt dort bei den Augsburg Rooks in einem Mixed-Team in der Verteidigung und ist verheiratet mit Chris Kämpfe, der nicht nur die Rooks, sondern auch die Damen-Nationalmannschaft trainiert. Die jetzt errungene Bronzemedaille ist für das Damenteam der bislang größte Erfolg. „Ich finde es spannend zu sehen, wie sich die Sportart im Laufe der Jahre entwickelt hat und das Niveau von Jahr zu Jahr steigt“, sagt Julia Kämpfe.

Auch Nicolai Zwickl und Daniel Heck haben sich über den mit den Herren errungenen dritten Platz riesig gefreut. Mehr noch, als die Sportart in Dänemark, Italien, Österreich und Israel einen ganz anderen Stellenwert genießt, die Förderung dort eine andere ist und ausgereifte Ligasysteme diesen Nationen einen Qualitätsvorsprung verschaffen. Heck hatte als Quarterback letztlich zwar keinen einzigen Einsatz, freute sich aber umso mehr für seinen Teamkameraden, der als Safety-Spezialist bei allen Partien auf dem Feld stand.

Nun ist Daniel Heck gespannt, ob Flagfootball im Kreis Böblingen Aufwind erfahren wird. Reizvoll für die Damen und Herren Nationalspieler wird das kommende Jahr sein, wenn es zur Weltmeisterschaft auf die Bahamas geht.

Info

Flagfootball entspricht im Grundsatz der Idee von American Football, mit dem Unterschied, dass der gerne als raubeinig und hart empfundene Körperkontakt beim Flagfootball untersagt ist. Eine gesonderte Schutzausrüstung wird deshalb nicht benötigt.