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Jürgen Wegner · 10.07.2018

Volltreffer und Liebestöter

Die WM und das Liebesleben

Bild: Adobe

Gefühlt bleibt nichts, aber auch gar nichts im Verborgenen und es gibt unendlich viele Möglichkeiten, so eine Weltmeisterschaft zu durchleuchten. Damit sind nicht nur die jeweils 37 Kameras gemeint, darunter acht Superzeitlupen- und zwei Ultrazeitlupenkameras, die Cablecam und die Helikopterkamera, mit denen alleine Fifa TV die Spiele der WM produziert. Und auch nicht alleine die Arbeit der Videoschiris, die sich beim Turnier bewährt hat.

Analysen gibt es jede Menge auch abseits des Torjubels. Da werden Spielerdaten und Laufleistungen erfasst, die für große Diskussionen sorgen. Zum Beispiel, dass die Russen auf dem Spielfeld so unendlich viel unterwegs sind  warum eigentlich? Andere Parameter sind dagegen fast wieder verschwunden. Wie die Geschichte mit der Packing-Rate, also die Quote der mit einem Pass oder einem Dribbling überspielten Gegenspieler. Manche Experten wähnen darin einen Nachweis für Qualität.

Auf dem Spielfeld bewegte sich auch die Diplomarbeit des ehemaligen Böblinger Kickers Denis Tuksar, der bei der EM 2000 herausgefunden hat, dass es etwa 100 Ecken braucht, um ein Tor zu erzielen. Drei Ecken ein Elfer? Von wegen! Die Empfehlung: Haut die Kugel nicht einfach vors Tor. Die Engländer halten sich übrigens nicht daran und haben ziemlich großen Erfolg damit. Ja, aus solchen Nummern ziehen Trainerfüchse schlaue Lehren und krempeln ganze Systeme um. Manchmal, aber nicht immer bringt das sogar etwas.

Andere Studien verlassen komplett das Stadion. Die New York Times hatte so schon länger berichtet, dass fünf Prozent der befragten Südkoreaner die eigene Mannschaft gnadenlos ausbuhen, wobei es sich dabei auch um irrtümlich befragte nordkoreanische Undercover-Agenten handeln könnte. Ist es jetzt Zufall, dass das Team nach Rückkehr mit Eiern beworfen wurde, weil es Schande über das Land gebracht hatte? Und das, obwohl die Koreaner den Weltmeister Deutschland aus dem Turnier gekegelt hatten.

So gibt es zig Beobachtungen und Analysen weit abseits des eigenen Platzes. Die aktuellen Zahlen liegen noch nicht vor, aber Weltmeister im Alkoholkonsum ist Russland, wo erstaunliche 15 Liter Alkohol pro Kopf und Jahr getrunken werden und 21 Prozent davon ausgehen.

Lust macht Lust

Dann ist da noch das große Feld der Lust und Liebe. In einer Arbeit zur WM 1998, die in der Bücherei des Tübinger Instituts für Sportwissenschaften steht, ist Schwarz auf Weiß zu lesen: Wenn Deutschland gewinnt, wächst bei den Deutschen auch die Lust. 100 Teilnehmer hatten damals bei der Studie einschlägige Fragebögen ausgefüllt. Die Unterschiede gelten als signifikant und belastbar, und nach dem Aus damals gegen Kroatien herrschte tote Hose.

Diese Beobachtungen machen jetzt auch die Leiter der beiden großen Liebeshäuser in Böblingen. Im C33 in der Calwer Straße ist die Aussage klar: "Mit der Lust am Spiel steigt auch die Lust auf Liebe." Während der Ball rollt, bleibt es im Laufhaus eher ruhig, mit etwas Abstand zum Abpfiff füllen sich aber die Gänge: "Wenn die eigene Mannschaft gewonnen hat, ist die Feierlaune größer. Dann sind viele gutgelaunte Männer unterwegs, die sich dann auch zu uns verirren." Eine Torwand wie 2014 gibt es im C33 aber nicht: "Dafür ist Deutschland zu früh ausgeschieden."

So ähnlich sieht man es auch im Erospark auf dem Hirnach am Fuße des Goldbergs. Namen dürfen auch hier nicht genannt werden, aber die Beobachtung ist die gleiche: Deutschland ist viel zu früh raus fürs horizontale Gewerbe: "Deshalb merken wir von der Fußball-WM überhaupt nichts  außer, dass sich die Gäste gerne vor den Fernsehern versammeln, auf denen wir die Spiele übertragen."

Anderswo siehts anders aus. Schon einmal von Tinder gehört? Über diese Plattform verabreden sich Menschen mit eindeutigen Absichten, die sich vorher nicht gekannt haben. Hier ist die WM der absolute Knaller: Die App verzeichnet während der Weltmeisterschaft einen weltweiten Anstieg von 66 Prozent mehr Matches  also der Verbindung zweier Menschen, die sich innerhalb der App gegenseitig gedrückt haben.

Ganz offensichtlich machen WM-Touristen regen Gebrauch vom virtuellen Liebesvermittler. Denn es sind vor allem potentielle neue Bekanntschaften in Russland gefragt. Laut Tinder gibt es einen Anstieg von 24 Prozent der Funktion "Tinder Passport" nach Russland. Diese ermöglicht es nicht nur in der Nähe des Wohnorts, sondern weltweit an einem Ort ihrer Wahl nach neuen Leuten zu suchen. Erstaunlich: Die Funktion nutzen zur WM vor allem die USA - ohne dieses Mal selbst teilzunehmen.

Auf Reisen glühen die Drähte, nach Rückkehr gibt es unter Umständen heiße Ohren. Denn wie gesagt: Gefühlt bleibt bei dieser WM nichts im Verborgenen.