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19.06.2020

Verbraucher und Politik haben es in der Hand

Meine Meinung

Jürgen Haar

Metzgereien stehen für Qualität: Die massenhaften Corona-Infektionen in den Fleischfabriken, vor allem in Nordrhein-Westfalen, sorgen in der Politik für Schnappatmung. Als ob die katastrophalen Bedingungen, unter denen vor allem die Leiharbeiter aus Osteuropa untergebracht sind, über Nacht vom Himmel gefallen sind. Niedriglöhne, lange Arbeitstage und Lebensverhältnisse in Unterkünften, die man eigentlich niemandem zumuten kann, sind die 
Regel.

 

Das alles war schon vor Corona bekannt, aber eine unheilvolle Allianz aus Politik, Behörden und Verbrauchern hat lieber weg- als hingeschaut. Viele Verbraucher sind dankbar, wenn sie beim Discounter für 100 Gramm Schweineschnitzel nur 99 Cent bezahlen müssen, obwohl man sich an einer Hand abzählen kann, dass dieses „Schnäppchen“ keine 1a-Qualität sein kann. Für diesen Preis kann es nur unter miserablen Bedingungen produziert worden sein. Doch nach wie vor kaufen viel zu viele Deutsche ihr Fleisch beim Discounter und nicht beim Metzger.

 

 

Auch die Politik hat ihren Anteil am Aufstieg der Fleischindustrie und am 
Niedergang des Metzgerhandwerks. EU-Verordnungen haben dafür gesorgt, dass die kleinen Metzgereien nicht mehr selbst schlachten können. Geschlachtet wird nur noch zentral, mit der Folge, dass die nicht nur von Tierschützern kritisierten, langen Tiertransporte stark zugenommen haben. Dabei kann man sich im Kreis Böblingen noch glücklich schätzen, dass es in Gärtringen einen regionalen Schlachthof in der Mitte des Landkreises gibt.

 

 

Der Schwarze Peter geht nicht nur an die EU, auch die deutsche Politik hält meistens nur in Sonntagsreden das Handwerk für eine unverzichtbare Säule der Gesellschaft. In Wirklichkeit wirft man den Betrieben einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine.

 

 

Das fängt bei immer neuen Verordnungen an und hört damit auf, dass man wegen einiger schwarzer Schafe die ganze Branche an den Pranger stellt. „Schaut man sich die konkrete Rechtssetzung an, dann werden handwerkliche Unternehmer eben nicht wie unverzichtbare Säulen unserer Gesellschaft behandelt. Sie werden oft genug kriminalisiert“, schreibt Herbert Dohrmann, der Präsident des Deutschen Fleischer-Verbandes (DFV) im Jahrbuch 2019.

 

 

Gerade in der Corona-Krise hat sich 
gezeigt, dass die handwerklichen Bäcker und Metzger für eine regionale und hochwertige Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar sind. Dementsprechend sollten sich Politik und Verbraucher auch verhalten und ihr Handeln danach ausrichten.

 

 

 

 

 

juergen.haar@szbz.de