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Von unserem Redakteur Roman Steiner · 03.06.2017

Verantwortung für die Gesellschaft

Sindelfingen: Verabschiedung von Wohnstätten-Geschäftsführer Georg Rothfelder

Das restaurierte Gebäude mit dem Restaurant „Drei Mohren“ gehört zu den Vorzeige-Projekten der Sindelfinger Wohnstätten in der Altstadt. Hier wurde der langjährige Geschäftsführer Georg Rothfelder in den Ruhestand verabschiedet.

„Wir verzichten jedes Jahr freiwillig auf einen größeren Millionenbetrag an Miete, die durch den Mietspiegel gedeckt wäre“, sagte Georg Rothfelder bei seiner Verabschiedung als Geschäftsführer der Sindelfinger Wohnstätten. Der Grund für den Verzicht: die „hohe gesellschaftspolitische Verantwortung“ dafür, „was Wohnen für breite Bevölkerungsschichten“ bedeutet.

Es war ein Who's who der Sindelfinger Gemeinderatsfraktionen, die sich versammelt hatten, Georg Rothfelder in den Ruhestand zu verabschieden, der 15 Jahre lang den Sindelfinger Wohnstätten vorstand, für die er fast 23 Jahre tätig war. Hinzu kamen weitere Weggefährten aus den Bereichen Architektur, Landschaftsgärtnerei oder Finanzwesen. Und die Sindelfinger Rathausspitze mit Baubürgermeisterin Dr. Corinna Clemens, Erstem Bürgermeister Christian Gangl sowie Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer. Letzterer auch in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnstätten.

Rothfelders Nachfolger an der Spitze der Wohnstätten, Georgios Tsomidis war es, der durch den Abend in den Drei Mohren geführt hat. Seit vier Monaten ist er an Rothfelders Seite, nun ist er der alleinige neue Geschäftsführer. „Wir wollen unseren Dank für viele erfolgreiche Jahre im Dienst der Wohnstätten mit diesem Abend ausdrücken“, sagte Tsomidis.

Oberbürgermeister Dr. Vöhringer betonte, dass sich Rothfelder „in hohem Maße um unsere Stadt verdient gemacht“ und „einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung der Wohnungspreise“ geleistet habe. Wie auch die anderen hob Vöhringer die soziale Verantwortung hervor, die Georg Rothfelder bei seiner Arbeit stets im Blick gehabt habe. „Ich habe sehr gern mit Ihnen zusammengearbeitet“, sagt der OB. Als Geschenk gab es für den frisch gebackenen Ruheständler einen Golfschläger.

Die Goldene Ehrennadel des VBW bekam Rothfelder von Hans Maier überreicht, vom Verband der baden-württembergischen Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Auch er dankte „für das gute Miteinander“. Genauso wie Gunther Stauss und Hans-Andreas Schwarz, Prokuristen der Wohnstätten und langjährige Weggefährten. Dass Rothfelder das Wohlergehen der Mieter in den Wohnungen der Wohnstätten wichtig war, wurde auch hier betont.

In seinem Schlusswort blickte Rothfelder auf die letzten 23 Jahre zurück und brachte selbst noch mal die „hohe gesellschaftspolitische Verantwortung“ ins Spiel. Nicht als persönlichen Verdienst, sondern als stete Aufgabe der Sindelfinger Wohnstätten. Aber im Mittelpunkt standen Betrachtungen und einzelne Aspekte der vergangenen Jahre.

So klang ein gewisser Unmut über „den studentischen Nachwuchs an unserer Hochschule in Geislingen“ durch, der sich immer seltener für die berufliche Richtung eines „kommunalen Bestandshalters“ interessiere. Also einem, „der einen eigenen großen Wohnungsbestand hat und sich täglich mit voller Hingabe um das Wohl seiner Mieter kümmert“. Denn, so Rothfelder, der kommunale Bestandshalter stelle ab einer gewissen Größe „die Königsdisziplin in der Wohnungswirtschaft“ dar.

Besonders stolz seien die Wohnstätten „auf die Erstellung von rund 560 Mietwohnungen in den letzten 15 Jahren. Davon rund 37 pro Jahr, was sich auf eine Investition von rund 110 Millionen Euro summiere. Nur wenige Gesellschaften seien in der Lage, so etwas „aus dem Cashflow“ zu stemmen. Aber diese finanzielle Kraft wecke zuweilen Begehrlichkeiten.

Zum Glück konnten die Wohnstätten die Anteile, die die Daimler-AG vor neun Jahren veräußern wollte, selbst erwerben und somit selbstständig bleiben. Was aber am seidenen Faden hing, wie Rothfelder ausführlich aus eigenem Erleben schildern konnte. Im Nachhinein eine amüsante Geschichte aus seinem Mund. (Siehe auch das Porträt in der SZ/BZ vom 22. April.)

Der Verabschiedete und sein Nachfolger: Nach 23 Jahren bei den Sindelfinger Wohnstätten wurde Georg Rothfelder (links) in den Ruhestand verabschiedet. Die Geschäftsführung übernimmt Georgios Tsomidis. Bild: Stampe