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Von unserem Mitarbeiter Thomas Oberdorfer · 11.01.2018

Vater schlägt Tochter mit Stromkabel

Böblingen: Zitterndes Opfer vor dem Amtsgericht

Wer das heute 18 Jahre alte Opfer im Böblinger Gerichtssaal erlebt hat, die junge Frau zittern sah, ihre Tränen, ihre vereinzelt gebrochene Stimme während ihrer Aussage, der kann sich ein Stück weit vorstellen, wie übel es ihr in ihrer Familie ergangen sein muss. Denn der Angeklagte war ihr Vater.

„Es war ja nicht das erste Mal, dass er mich geschlagen hat, das kam immer wieder vor“, sagte die 18-Jährige im Rahmen ihrer Aussage vor dem Böblinger Amtsgericht. Die junge Frau blickte nicht einmal zu ihrem Vater herüber, der rechts von ihr seinen Platz hatte. Der Kontakt zu ihm wie auch zu ihrer Mutter ist abgebrochen, nachdem sie im vergangenen Jahr in einer Wohngruppe unterkam und inzwischen mit ihrem Freund bei dessen Eltern lebt.

Im Jahr 2014 hatte die 18-Jährige nach eigenen Angaben erhebliche Probleme in der Schule. „Ich bin gemobbt worden. Ich hatte Selbstmordgedanken, meine Eltern hat das aber überhaupt nicht interessiert“, sagte sie unter Tränen. Die junge Frau ging nicht mehr zur Schule, hatte enorme Fehlzeiten.

Ihr Vater bekam das mit, griff zu einem Staubsaugerkabel und schlug damit kräftig auf den Oberschenkel seiner Tochter. Sie erlitt eine schwere Prellung. „Ich hatte einen Monat lang einen lila Fleck“, sagte die 18-Jährige. „Ich bin nicht zum Arzt gegangen, ich hatte Angst vor meinem Vater.“

Im Dezember 2015 hatte sich die 18-Jährige mit ihrem Freund und einigen Bekannten an einer Bushaltestelle im Böblinger Stadtteil Diezenhalde getroffen und Bier getrunken. Wie aus dem Nichts, so die 18-Jährige, sei plötzlich ihr Vater aufgetaucht. „Mein Vater hat angefangen zu schreien und wollte auf meinen Freund losgehen. Ich bin dazwischen, mein Vater hat mich an den Haaren gepackt und den Berg hinunter gezogen“, sagte die 18-Jährige.

Die letzte Tat ereignete sich im Juli 2016. Der Angeklagte war mit seinem Auto in Sindelfingen unterwegs, als er zufällig auf der Straße den Wagen des Freundes seiner Tochter entdeckte, die auf der Beifahrerseite saß. Der Angeklagte setzte dem Fahrzeug nach und bremste es schließlich aus. „Er zwang mich, anzuhalten“, sagte der 19 Jahre alte Freund des Opfers. Der Angeklagte beleidigte seine Tochter und deren Freund, letztlich gelang es dem 19-Jährigen, seinen Wagen zu wenden und zu entkommen.

Den Schlag mit dem Stromkabel räumte der Angeklagte ein. „Es tut mir leid, dass das passiert ist. Ich weiß nicht mehr, warum ich das getan habe“, sagte der 43-Jährige, die Körperverletzung und die Nötigung sowie die Beleidigung bestritt er allerdings.

Der Vorsitzende Richter Dr. Ralf Rose hatte nach der Beweisaufnahme allerdings keine Zweifel, dass sämtliche Anklagepunkte zu belegen sind. Er verurteilte den Sindelfinger wegen gefährlicher Körperverletzung, Körperverletzung, Beleidigung und Nötigung zu der Haftstrafe von neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Diese dauert zwei Jahre.