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Von unserem Redaktionsmitglied Rebekka Groß · 14.06.2018

US-Kommandeur: „Wollen gute Nachbarn sein“

Böblingen: 27 Inhaber der SZ/BZ-Abokarte Gold erhalten einen Tag lang Einblick in das Leben in der amerikanischen Panzerkaserne mit ihren 560 Bewohnern

Cornell Neal A. Corson, seit 2017 Standortkommandeur der U.S. Army Garrison Stuttgart, begrüßt die SZ/BZ-Lesergruppe in der Böblinger Panzerkaserne. Bild: Groß

Von Highschool über Bürgercenter bis zu einem Irish Pub: Die Böblinger Panzerkaserne ist eine Art Stadt in der Stadt mit 560 amerikanischen Bewohnern. 27 SZ/BZ-Leser haben exklusiv einen Tag lang hinter die Kulissen geschaut.

„Welcome to panzer barracks“, begrüßen Carola Meusel, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Böblinger Panzerkaserne und ihre Kollegin Angelika Aguilar die SZ/BZ-Leser auf dem Gelände.

Auf die 27 Teilnehmer wartet ein spannender Tag. Sie erhalten einen Einblick in das umzäunte Gelände der Panzerkaserne und erleben, wie der Alltag hinter dem Stacheldrahtzaun für die amerikanischen Bewohner aussieht.

Vor dem Rundgang geht es für die Gruppe erst einmal in einen großen Konferenzraum der Kommandozentrale. Hier erfahren sie von Carola Meusel, welche Aufgaben die Standortverwaltung in der Panzerkaserne hat. „Wir sind wie eine Stadtverwaltung aufgebaut und sorgen dafür, dass sich die rund 24 000 US-Amerikaner in der Region Stuttgart wie zu Hause fühlen“, sagt Carola Meusel. Neben Böblingen gibt es weitere Standorte wie Birkach, Weilimdorf, Filderstadt oder Bad Cannstatt. Nur ein kleiner Teil der in der Region stationierten US-Amerikaner, nämlich rund 3500, sind im aktiven Dienst. Der Großteil sind Zivilangestellte und Familienangehörige.

Cornell Neal A. Corson, der seit 2017 Standortkommandeur der U.S. Army Garrison Stuttgart ist, nimmt sich Zeit für die interessierten SZ/BZ-Leser und setzt sich mit an den großen Tisch. Offen spricht er Themen wie Verkehr und Schießlärm an. „Der Verkehr auf der Panzerstraße ist nicht gut. Wir wissen, wir sind ein Teil davon. Daher versuchen wir herauszufinden, wie wir das Front Gate verlegen können, um den Verkehr zu entlasten“, sagt Cornell Corson. Überhaupt sei ihnen eine gute und enge Beziehung zu den deutschen Nachbarn sehr wichtig: „Wir wollen gute Nachbarn sein.“

55 Hektar großes Gelände

Mit amerikanischen Snacks und Wasser versorgt geht es bei strahlendem Sonnenschein dann ins Freie. Beim Gang über das etwa 55 Hektar große Gelände wird klar, dass sich der Alltag in der Panzerkaserne kaum von dem in einer richtigen Stadt unterscheidet. Wer arbeitet, kann die kleinen Kinder in eine Kita bringen. Die Älteren besuchen die Elementary School, eine Grundschule. Seit 2015 gibt es auf dem Gelände auch eine Highschool, rund 850 Kinder sitzen dort von acht bis 15 Uhr im Unterricht. Neben Mathe- und Sprachunterricht gibt es unter anderem auch Kochunterricht, der in einer großen Küche stattfindet. Die Kochlehrerin stand bereits im Weißen Haus am Herd. Rektor David Carlisle führt die Teilnehmer durch das Gebäude. Auf den Gängen gibt es die typischen Spinde der Schüler und zahlreiche Pokale reihen sich in Glasvitrinen nebeneinander.

Besonders beeindruckt sind die deutschen Gäste von dem großen Musiksaal oder dem Theater-Saal. „Wir haben sehr talentierte Kinder. Immer im Herbst und Frühling gibt es bei uns eine Theater-Aufführung. Es ist uns wichtig, dass die Schüler nicht nur auf der Bühne stehen, sondern auch lernen, wie das gesamte Theater mit Technik und Licht funktioniert“, erklärt der Rektor, der bereits an neun Schulen in Europa unterrichtete und bald auf eine Schule nach Sizilien wechselt. Auch nach dem eigentlichen Unterricht geht das Programm für die Schüler weiter. „Sport ist bei uns für jeden Schüler Pflicht“, sagt David Carlisle. So gibt es im Herbst etwa Football-Training, im Frühjahr dagegen „deutschen“ Fußball.

In der Mittagspause geht es für die Gruppe dann in den „Food Court“, hier können sie zwischen typischem Fast Food wie reichhaltig belegten Sandwiches, Pizza und Burger oder bekannten Backwaren wählen. Danach geht es in den „Exchange“, eine Art Supermarkt. Bis auf frische Lebensmittel findet man hier von Süßigkeiten über Kleidung bis hin zu Elektro-Geräten alles. „Wir sind der drittgrößte Supermarkt auf amerikanischem Gelände in Deutschland“, sagt Store-Manager Sam Shinault. Dass ohne Ehrenamt auch in der Panzerkaserne nichts funktioniert, erleben die SZ/BZ-Leser bei der „United Service Organisation“, kurz USO. „Das ist ein Ort, wo die Militärgemeinde zusammenkommt. Es gibt hier Popcorn, Getränke, Videos, Internet und unterschiedliches Programm wie einen Buchklub, der über deutsche Literatur diskutiert, oder Strick-Kurse“, sagt Carola Meusel.

„Die Führung war der Hammer. Es war überaus interessant. Ich hätte nicht erwartet, dass so viel hinter dem Zaun steckt“, sagt der 63-jährige SZ/BZ-Leser Heinrich-Georg Rennert aus Sindelfingen. Auch die 66-jährige Helga Webb aus Böblingen ist von der Tour begeistert: Das war sehr interessant. So konnte man sich ein Bild von der Größe der Panzerkaserne machen und hat einen Eindruck, wie es hier abläuft. Toll, dass uns die SZ/BZ so etwas ermöglicht hat.“

SZ/BZ-Mitarbeiterin Rebekka Groß hat die SZ/BZ-Leser gerne bei diesem spannenden Ausflug in eine eigene Welt begleitet.

Info: Die Panzerkaserne

> in den Jahren 1936 bis 1938 wird die Kaserne gebaut > im Juli 1945 übernehmen die US-Streitkräfte die Kaserne > 1946 bis 1958 entstehen auf dem 55 Hektar großen Gelände die Wohnsiedlung, die Kapelle und eine Sporthalle > 2004 werden das Galaxy Bowling and Entertainment Center und der Irish Pub eröffnet > 2007 eröffnet das Einkaufszentrum mit Gartencenter, Ladenstraße, Restaurant und Bäckerei > 2015 wird die Highschool fertiggestellt > aktuell leben rund 560 Personen auf dem Gelände, rund 2000 arbeiten dort